Eine teure Angelegenheit
Das Auto schlägt beim Unfall Alarm

Bei einem schweren Unfall zählt jede Minute. Je früher ein Notarzt zur Stelle ist, desto größer die Chance, den Verunglückten vor möglicherweise schweren Folgen zu bewahren. Automatische Notrufsysteme könnten daher Leben retten.

DÜSSELDORF. Solche Systeme gab es zwar schon, doch weil der Service recht teuer war und zu wenige Kunden ihn in Anspruch genommen haben, ist er wieder verschwunden. Nun deutet sich ein Comeback an. Seit kurzen können BMW-Kunden ihr neues Fahrzeug mit einer Notruf-Funktion ausstatten lassen, die automatisch ein Callcenter informiert, sobald bei einem Unfall ein Airbag ausgelöst wird. Und wenn es nach der Europäischen Kommission geht, sollen ab 2010 alle Neufahrzeuge mit einem solchen Alarmsystem ausgestattet werden.

Im Schnitt vergehen in Deutschland bis zum Eintreffen des ersten Rettungswagens 10 bis 15 Minuten - vorausgesetzt, der Hilferuf erfolgt sofort nach dem Unfall, was jedoch häufig nicht der Fall ist. Bei 30 Prozent aller Unfälle wissen Beteiligte nicht genau, wo sie sich befinden. Mit einem automatischen SOS-Ruf aus dem Fahrzeug ließe sich der Einsatz der Rettungskräfte extrem beschleunigen.

Allerdings ist die Notruf-Funktion eine teure Angelegenheit, weil ein GPS-Modul im Fahrzeug - meist im Navigationssystem - vorhanden sein muss sowie ein Service-Provider, der die Hilfe organisiert. Wer beispielsweise den Notruf im 1er BMW haben möchte, muss 3550 Euro für das Navigationssystem bezahlen, hinzu kommt der Abschluss eines Service-Vertrags, der weitere 175 Euro pro Jahr kostet.

Eine Initiative der Europäischen Kommission will ab 2009 ein europaweit einheitliches und vollständig kompatibles Notrufsystem unter dem Namen eCall und der kostenfreien Notrufnummer 112 installieren. Alle Pkw und Lkw, die nach dem 1. September 2010 neu in den Markt kommen, sollen serienmäßig über eCall verfügen. So ließen sich die Rettungszeiten um bis zu 50 Prozent verkürzen und europaweit bis zu 2500 Menschenleben pro Jahr retten.

Erst Ende April hat sich das Europäische Parlament nachdrücklich für die Einführung von eCall ausgesprochen. Doch noch sind längst nicht alle Fragen für den Aufbau des Notrufsystems beantwortet. "Das größte Problem besteht darin, die Wünsche und Forderungen aller Beteiligten unter einen Hut zu bekommen", sagt Andre Vits, der zuständige Abteilungsleiter bei der Europäischen Kommission. Ob die beteiligten Mobilfunknetzbetreiber, Schadensversicherer, Gerätehersteller, Automobilclubs, Serviceprovider, Automobilhersteller oder die europäischen Mitgliedstaaten sowie die Kommission als eCall-Initiator - jeder hat seine eigenen Vorstellungen.

Zwei Jahre nach dem Beschluss haben von den 25 EU-Mitgliedstaaten erst sechs die Absichtserklärung zur freiwilligen Einführung des Notrufsystems und den Aufbau der erforderlichen Infrastruktur unterschrieben. Während die Automobilhersteller alle notwendigen technischen Spezifikationen für die Umsetzung im Fahrzeug in der Schublade haben, ist zum Beispiel die Finanzierung von eCall noch offen.

Wirtschaftlich betrachtet wären die staatlichen Gesundheitssysteme der einzelnen Länder Hauptnutznießer von eCall. Eine Forschungsstudie prognostiziert Einsparungen von über 20 Milliarden Euro pro Jahr, wenn alle Kraftfahrzeuge mit eCall ausgerüstet wären. Außerdem ließen sich staubedingte Verzögerungen um bis zu 20 Prozent reduzieren, was zusätzliche Kosteneinsparungen zwischen zwei und vier Milliarden Euro bringt.

Der europäische Automobilherstellerverband ACEA fordert eine einheitliche europäische Förderung des Notrufsystems, um die Einführung zu beschleunigen. Gelingt das nicht, müssten andere Finanzierungsmodelle gefunden werden - oder der Autofahrer selbst müsste die Rechnung mit höheren Neuwagenpreisen bezahlen. Nach ersten Berechnungen des ACEA würde die billigste Variante 175 Euro kosten. Dabei würde ein GPS-Handy über eine Bluetooth-Schnittstelle mit dem Unfallsensor im Auto verknüpft. Ein serienmäßig eingebautes Notrufsystem im Fahrzeug würde etwa 450 Euro kosten.

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