Elektro-Mini
Hoher Neidfaktor

Seit Juli 2009 beteiligen sich Alltagsfahrer weltweit an dem Test des Mini E, ein Elektroauto von BMW. Nun hat der Automobilkonzern eine erste Bilanz gezogen - und überrascht. Im nächsten Schritt wird der elektrische Mittelklassewagen BMW ActiveE getestet.
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Es war im vergangenen Sommer, als Lutz Lehmann, Steuerberater aus Berlin, rote Ampeln lieben lernte. Wann immer er mit offenen Fenstern an Kreuzungen stand, konnte er Vögel zwitschern hören. Sein Mini E, ein Elektroauto von BMW, war lautlos wie ein Fahrrad. Und bei Grün zeigte Lehmann mit seinem 204-PS-Stromer auch Porsche-Fahrern die Rücklichter - kaum ein Verbrennungsmotor beschleunigt so dynamisch wie ein Elektro-Aggregat.

Nach sieben Monaten und 7.000 Kilometern war jetzt Schluss mit dem "Achterbahn-Feeling" (Lehmann). Der frühere E-Klasse-Fahrer musste seinen Mini E zurückgeben: Er gehörte zu einer Testmannschaft für den Kleinwagen. Seit Juli 2009 beteiligen sich Alltagsfahrer wie Lehmann weltweit an dem E-Test. In Berlin läuft ein Feldversuch mit 50 Elektro-Minis, in München mit 40. Durch New York, Los Angeles und den US-Bundesstaat New Jersey rollen 450 des Mini E, in London 40.

Gut ein Jahr nach dem Testbeginn hat BMW eine erste Bilanz gezogen. Die Ergebnisse des weltweit größten Elektroautotests, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegen, lassen aufhorchen: Obwohl der Mini E kein serienreifes Elektroauto ist, sondern nur ein umgebauter Benziner, bei dem die schweren Batterien Rückbank und fast den gesamten Kofferraum ausfüllen, und obwohl es bisher kaum Infrastruktur für das Aufladen der Batterie gibt, waren die meisten Tester glücklich mit ihren Autos. Mehr als zwei Drittel konnten ihr Mobilitätsverhalten beibehalten - die begrenzte Reichweite von 150 Kilometer war für 90 Prozent der Fahrer ausreichend. Nur 25 Prozent waren auf öffentliche Ladestationen angewiesen, um das Auto ohne Einschränkungen nutzen zu können.

"Elektrische Mobilität funktioniert schon heute im Alltag", sagt Nicola Brüning, BMW-Repräsentantin in Berlin. "Hürden, die wir vor dem Feldversuch gesehen haben, etwa die eingeschränkte Reichweite oder dass man ein kostspieliges Netz öffentlicher Ladestationen braucht , erscheinen uns heute unkritisch. Das Elektroauto wird schneller Normalität werden, als wir dachten."

Die Testergebnisse sind ein Meilenstein auf dem Weg zum ersten Elektroauto der Münchner Autobauer. Ab 2013 soll der Kleinwagen mit der vorläufigen Bezeichnung Megacity Vehicle in den Autohäusern stehen. Die Testergebnisse fließen direkt in die Entwicklung des Wagens ein, von dem BMW-Chef Norbert Reithofer wenig bescheiden sagt: "Es wird die Automobilindustrie, wie wir sie heute kennen, in erheblichem Maß verändern."

Im nächsten Schritt wird der elektrische Mittelklassewagen BMW ActiveE getestet. "Ab 2011 gibt es nach dem Vorbild der Mini- E-Tests Erprobungsflotten des ActiveE in mehreren Ländern, zum Beispiel in den USA und in China." Mit dem ActiveE will BMW die größte Schwäche des Mini E ausbügeln - den Platzmangel: Der Neuling ist ein Viersitzer mit normalem Kofferraum.

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  • "..Das Elektroauto wird schneller Normalität werden, als wir dachten.."
    Allmählich (endlich) kommt auch die deutsche Autoindustrie zu der Erkenntnis, dass mit der heutigen Akku-Technik alltagstaugliche Automobile mit Elektroantrieb gebaut werden können. Renault/Nissan hat als erster das Potential erkannt und 5 Milliarden in die EV-Entwicklung investiert. Die deutschen Autobauer hecheln jetzt hinterher aber immerhin haben sie sich auf den Weg gemacht...
    (Audi entwickelt einen Elektroversion des A6L in China, der VW-Konzern sucht ingenieure im bereich EV-Entwicklung, Mercedes produziert die A-Klasse E-Cell in einer Kleinserie, bMW plant das MCV usw.)
    Es tut sich was, und es wird eine Option geben um unabhängiger von Ölimporten zu werden.
    ich denke, das Ziel der bundesregierung von 1 Mio. Automobilen mit Elektroantrieb bis 2020 ist sehr sehr konservativ - wie soll es auch anders sein.
    Das Thema EV wird ein Wachstumsmarkt, wie ihn die Welt noch nicht erlebt hat...

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