Elektroauto anno 1986
Was wurde aus dem Pöhlmann EL?

1986 feierte das ZEITmagazin das Elektroauto Pöhlmann EL. Ein rasantes Gefährt, das 1986 beim "Grand Prix Formel E" der Elektroautos als Erster durchs Ziel schoss. Sein Erfinder hatte es ganz unbescheiden nach sich selbst benannt. Es war aber sehr vernünftig und seiner Zeit sehr weit voraus. Gebaut wurde es genau 18 mal.
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Sein Verschwinden war eines Pioniers würdig. Erich Pöhlmann, Entwickler des verheißungsvollsten Elektroautos der achtziger Jahre, verunglückte vor zwei Jahren offenbar bei einer Weltumseglung. Man fand nur noch seine Jacht, 200 Kilometer vor der neuseeländischen Küste, sie war von einem Sturm ramponiert worden. Da war der Tüftler aus dem oberfränkischen Kulmbach 76 Jahre alt gewesen.

Wagemut war eine von Pöhlmanns hervorstechenden Eigenschaften. Das darf man behaupten, weil der Ingenieur ein damals höchst verblüffendes Auto erfand - es wurde elektrisch angetrieben und gespeist von einer Blei-Säure-Batterie. Mit immerhin 120 Stundenkilometern Spitzengeschwindigkeit war es eines der schnellsten Elektroautos seiner Zeit.

Ein rasantes Gefährt, das 1986 beim »Grand Prix Formel E« der Elektroautos als Erster durchs Ziel schoss. Sein Erfinder hatte es ganz unbescheiden nach sich selbst benannt: Pöhlmann EL.

Das ZEITmagazin war begeistert - nachzulesen in einem Artikel vom 11. Juli 1986: »Wenn die Wolfsburger je einen so schönen Käfer gebaut hätten, es gäbe ihn noch heute«, lobte der Autor Herbert Schulze-Andrée die eiförmige Karosserie, die Türen erinnerten ihn an ein Mercedes-Coupé. Zudem gebe es in dem kleinen Viersitzer »viel Platz«. Am Ende resümierte der Autor: »Ein Wagen, den man weder hört noch riecht und der schon mit Speed davonfährt, während andere Fahrer noch mit Kuppeln, Schalten, Gasgeben beschäftigt sind.«

Tatsächlich war dieses Auto damals ein großes Versprechen, wie es Elektrogefährte bis heute geblieben sind. Ein Traum von einer sauberen und friedfertigen Mobilität. Schon unser Autor wünschte sich den Triumph des Elektroautos auf Deutschlands Straßen und sah in Pöhlmanns Heimat, einer Kleinstadt mit 30.000 Einwohnern, bereits eine große Zukunft anbrechen: »In Kulmbach gehört Pöhlmanns Ei bereits zum Stadtbild.«

Der Pöhlmann EL wurde nur 18-mal gebaut. Schulze-Andrées Hoffnungen blieben unerfüllt. Ein Vierteljahrhundert später schlucken fast alle deutschen Autos immer noch Benzin oder Diesel. »Benzinkutschen« (O-Ton 1986) sind den Elektroautos weiterhin überlegen. Unter den 3,8 Millionen Neuzulassungen 2009 waren nur 162 Elektroautos.

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