Elektroautos
Starke Akkus bringen Autos auf Touren

Lange galten Elektroautos als langsame Kleinwagen für die Stadt. Doch mittlerweile entwerfen die Hersteller auch Sportwagen, die an der Steckdose vollgetankt werden können. Um die schnellen Elektrofahrzeuge serienreif zu machen, muss die Branche aber ein wichtiges Bauteil optimieren: die Batterie.
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DÜSSELDORF. Im Auto von morgen schlägt ein kräftiges Herz: Von Null auf Hundert in knapp 2,5 Sekunden – für den 1 000 PS starken Elektroflitzer des amerikanischen Rennwagenherstellers Shelby Supercars (SSC) ist das angeblich kein Problem. Wem der Vier-Sekunden-Sprint des ebenfalls vollelektrischen Tesla Roadster zu lahm ist, darf sich jetzt also auf den Ultimate Aero EV von Shelby freuen. Ende des Jahres soll der Rennwagen auf den Markt kommen. Ein Gefährt für die Massen wird das Weltrekordfahrzeug zwar nicht werden. Wie schon der Tesla Roadster tritt es aber den Beweis an, dass leistungsstarke Elektroautos Fans in aller Welt finden.

Geschwindigkeit zählt auch im Wettlauf um die Serienreife von Elektrofahrzeugen für den Massenmarkt. Um das volle Potenzial nutzen zu können, muss die Branche aber noch ein wichtiges Bauteil optimieren: die Batterie. „Automobilhersteller wie Zulieferer – sie alle versuchen jetzt mit Macht in das neue Geschäftsfeld Batterie einzusteigen“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Das Rennen um die Vorreiterschaft in der neuen Antriebstechnik beginnt. Neben der Batterieleistung entscheidet dabei vor allem die Fähigkeit, auch große Stückzahlen günstig und sicher fertigen zu können. Einen kommenden Champion erkennen die Experten zwar noch nicht. Doch Dudenhöffer ist sich sicher: „Die Elektromobilität wird kommen und sie wird die Branche vollkommen verändern.“ Nicht mehr Verbrennungsmotor und Getriebe, sondern Batterie und Elektromotor werden den Kern der automobilen Wertschöpfung ausmachen. Mit gravierenden Folgen für die Branchengrößen: „Ein Zulieferer wie Mahle, der sich auf hochkomplexe Verbrennungsmotoren spezialisiert hat, muss sich schleunigst neue Geschäftsfelder suchen“, sagt Dudenhöffer.

Hingegen erhalten Batteriesystem-Spezialisten wie Bosch oder Continental nun die Chance, einen erheblichen Teil der Wertschöpfung zu ergattern, der bisher den Automobilherstellern vorbehalten war. Das setzt voraus, dass sie ausreichend Abnehmer unter den Fahrzeugbauern finden. Die allerdings verfolgen auch eigene Pläne für den lukrativen Zukunftsmarkt.

Viele Automobilbauer haben angekündigt, selbst in das Batteriegeschäft einzusteigen und ihren heutigen Zulieferern Konkurrenz zu machen. Als Flaggschiff-Allianz wird hierzulande das Joint Venture von Daimler und Evonik gefeiert. Daimler erwarb im vergangenen Dezember 49 Prozent der Anteile am sächsischen Zellentwickler Li-Tec, einer Evonik-Tochter, und ging außerdem mit Evonik selbst eine 90:10-Allianz zur Fertigung kompletter Batteriesysteme ein. „Das ist eine Riesenchance nach dem Vorbild japanischer Allianzen“, sagt Martin Winter, der eine von Evonik, Volkswagen und Chemetall gesponserte Stiftungsprofessur an der Universität Münster inne hat.

Außergewöhnlich an der strategischen Allianz sei, dass sich Daimler damit eine Mitwirkung an der Entwicklung der Zellen sichert, dem Grundbaustein eines jeden Akkupakets. Andere Marktteilnehmer setzen bislang vor allem auf die Zusammenarbeit mit Zellherstellern, aber: „Naturgemäß sind bei Kooperationen die Möglichkeiten zur Mitsprache in der Technologieentwicklung stärker eingeschränkt als bei echten Allianzen und Joint Ventures“, sagt Materialwissenschaftler Winter.

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