Elektroautos
Wie kleine Gründer die Autoriesen herausfordern

Lange haben die großen Autokonzerne den Elektroantrieb als Spielerei abgetan. Doch nun schicken sich innovative Gründer und Forscher an die größte Industriebranche der Welt mit intelligenten E-Mobilen herauszuforden - und vielleicht sogar abzuhängen.
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Achim Kampker wirkt auf den ersten Blick wie ein Student, den man für ein Vorstellungsgespräch zum ersten Mal in einen Anzug gesteckt hat. Etwas schlaksig steht er da, mit akkuratem Seitenscheitel und einem vorsichtigen Lächeln auf den Lippen. Sieht so einer aus, der sich anschickt, die größte Industriebranche der Welt herauszufordern?

Warum nicht? Der 34-jährige Professor für Produktionsmanagement an der RWTH Aachen treibt ein Projekt voran, das Freunden des gepflegten Gasfußes und des satten Auspuffsounds kalten Schweiß auf die Stirn treibt: Es geht um das Ende der von Verbrennungsmotoren getriebenen Massenmobilität. Für manchen ist Kampker so etwas wie der Totengräber des Automobils, wie wir es heute kennen.

Denn der Produktionsexperte will in Deutschland ein emissionsfreies und kostengünstiges Elektroauto im Format des Kleinwagens Smart Fortwo aus dem Daimler-Konzern bauen. Und Kampker, der mit einem betagten, benzingetriebenen VW Fox an die Hochschule pendelt, belässt es nicht bei Gedankenspielen.

Um das Projekt zu realisieren, hat er mit Forschungs- und Industriepartnern aus Universitätsinstituten und mittelständischen Unternehmen einen neuen Autohersteller geformt, die StreetScooter GmbH. Im kommenden Jahr wollen die Partner erste Prototypen des kleinen Stromers auf die Straße bringen und ab 2012 eine Kleinserie produzieren. Später soll das E-Mobil nach dem Baukastenprinzip in mehreren Karosserievarianten zu haben sein, auch als Pickup und Cabrio - zu Preisen um die 14.000 Euro.

StreetScooter ist das jüngste, aber längst nicht das einzige Beispiel dafür, wie die Elektromobilität beginnt, nicht nur unsere Mobilität zu verändern. Sie rüttelt auch an den Strukturen der Autoindustrie, die mit mehr als zwei Billionen Dollar Gesamtumsatz jährlich zu den größten Branchen weltweit zählt. Und das obwohl der Stromantrieb nach verheerenden Ergebnissen der ersten Feldversuche vor rund 20 Jahren nicht nur in Deutschland fast abgeschrieben war. In den vergangenen fünf Jahren aber haben rasante Fortschritte im Batteriebau sowie wachsender Druck der Politik, den Individualverkehr klimafreundlicher zu machen, E-Mobilen eine Renaissance beschert.

Zumal Autos mit konventionellem Verbrennungsmotor langsam, aber sicher der Sprit ausgeht. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris prognostiziert, dass spätestens 2020 das Fördermaximum beim Erdöl erreicht ist. "Wir sollten das Öl verlassen, bevor es uns verlässt", mahnt Fatih Birol, Chefökonom der IEA.

Ob 2020 oder 2030: Das Erdölzeitalter im Straßenverkehr neigt sich dem Ende entgegen. Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen vom Acker oder aus dem Labor mögen den "Peak Oil"-Zeitpunkt noch einige Jahre hinauszögern, verhindern können sie ihn nicht. Und auch wenn einige technische Details noch zu klären sind: Abgelöst wird das Auto mit Verbrennungsmotor durch Fahrzeuge, deren Räder elektrisch angetrieben werden.

Schon 2020, erwarten Experten wie Gregor Matthies vom Beratungsunternehmen Bain & Company in München, werde jedes zehnte Auto elektrisch fahren, bezogen auf den heutigen Bestand wären das in Deutschland rund fünf Millionen Stück. Bis 2030 können es nach Hochrechnungen des Beratungshauses A.T. Kearney sogar rund 14 Millionen Fahrzeuge sein - abhängig davon, wie die Politik den Umstieg in die E-Mobilität forciert.

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  • Das kann prinzipiell jeder selbst machen, der auch einen Motor anschliessen kann oder Elektroinstallation anderweitig macht. Die Elektro-Zutaten gibt es bereits fertig zu kaufen. Fehlt nur noch die Seifenkiste, der Kart oder ein Quad ohne Stinkmotor und rein damit. TüV Einzelabnahme und GO, Johnny, GO!

  • Erinnert an die Software-branche. Die etablierten Anbieter wie Microsoft, und die Open Source Gschaftln die zwar nur in wenigen bereichen wirklich an die Spitze kommen, aber auch sonst den Wettbewerb beschleunigen. Sehr schön, weiter so.

  • Ach ja - die Autoindustrie kann nur Motoren bauen.
    Und wo kommen all die vielen schönen Autos her, die der ADAC dann zum Umfallen bringt oder gegen die Wand fährt?
    Die kauft der!
    Wer weiß über Fahrwerkseigenschaften, Crash-Simulation, Material-Definition etc bescheid?
    Das sind die Zulieferer!
    Ok. Und wer macht das Assembly?
    Das sind die Zeitarbeiter!
    Ups. Und das Marketing?
    Die Autohäuser! Und nu is Schluß mit dem blöden Rumgefrage.

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