Enorme Temperatur-Belastungen führen zu Verschleiß
Turbolader-Pannen kündigen sich nicht an

dpa/gms LANDSBERG/HANNOVER. Die erste Autobahnfahrt nach der Inspektion endet abrupt: Beim Beschleunigen ist im Motorraum ein „Plopp“ zu hören und der Turbodiesel hat keine Leistung mehr. Er bockt beim Gas geben, der Motor rumort.

Diagnose des Pannendienstes: Gelöste Schlauchverbindung zwischen Turbolader und Ladeluftkühler. „Ein gelöster Schlauch - etwa für die Ladeluftkühlung - führt zu rapidem Druckabfall“, sagt Magnus Geisler vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg. Dadurch erhält der Motor nicht mehr genug Luft und kann seine Leistung nicht bringen. Turbolader-Schläuche lösen sich häufig, Ursache sind laut Geisler oft Montagefehler. Das ist zwar ärgerlich, für sich genommen aber keine größere Gefahr für den Motor.

Kritischer sind Schäden am Turbolader selbst. Laut Geisler kann etwa ein Lager Schaden nehmen, so dass sich der Lader nicht mehr schnell genug dreht. Auch sind Undichtigkeiten bei der Schmierung möglich, wodurch sich der Ölverbrauch erhöht. Im schlimmsten Fall könnte dabei ein Turbodiesel Motoröl ansaugen und „durchgehen“, sagt Geisler: Das Aggregat dreht hoch, „bis es sich zerlegt“.

Auch solche Schäden am Lader treten verhältnismäßig oft auf. „Der Lader ist bei Turbomotoren eines der sensiblen Bauteile“, so Geisler. Er sei simpel aufgebaut, habe aber „immense Belastungen“ auszuhalten. Laut Bert Korporal vom TÜV Nord in Hannover ist ein Turbolader im Prinzip eine Turbine, die Frischluft für den Motor komprimiert. „Sie drückt mehr Sauerstoff in die Brennräume, wodurch sich die Leistung des Motors erhöht.“

Weil die Turbine durch den heißen Abgasstrom angetrieben wird, herrschen laut Geisler im Ladergehäuse große Temperaturunterschiede: „Im Abgasbereich ist der Lader mit Temperaturen von rund 600 Grad rot glühend. Auf der Druckseite herrschen dagegen nur rund 100 Grad.“ Bevor die Luft in die Brennräume gelangt, wird sie vom Ladeluftkühler heruntergekühlt.

Diese Belastungen führen zu Verschleiß. Zwar sind Turbolader nach Angaben des Herstellers Borgwarner Turbo Systems in Kirchheimbolanden (Rheinland-Pfalz) so gebaut, dass sie in der Regel die Lebensdauer des Motors erreichen. Allerdings seien die Servicevorschriften des Motorenherstellers einzuhalten und der Lader regelmäßig zu warten.

Eine vermeidbare Ursache ist laut Bert Korporal „rabiates Chip-Tuning“, das zur Überlastung einzelner Laderkomponenten führt. Auch Imponiergehabe kann dem Lader zusetzen, ergänzt Geisler. So treibe kurzes Gasgeben vor dem Abstellen des Motors die Temperaturen im Lader unnötig hoch.

Meist treffen die Pannen die Fahrer unerwartet: „Ein Schaden am Turbolader kündigt sich nicht an“, sagt Geisler. Dass etwas nicht stimmt, merkt der Fahrer aber sofort: „Ein Turbodiesel erreicht beispielsweise ohne den Lader nur noch 30 Prozent seiner Leistung.“ Geisler rät, bei Problemen nicht weiterzufahren. Denn geht wirklich etwas kaputt, wird es teuer: Je nach Typ veranschlagt Geisler für einen Kompletttausch rund 1 500 Euro.

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