Erneuerter VW Touareg V6
Schöner, schwerer Brocken

Andreas Hilger, Marketing-Chef beim Brauer Inbev, testet den runderneuerten VW Touareg V6. Der Nobelcruiser könnte auch von Audi sein, lautet sein Urteil. Nur ein wenig schneller hätte es ruhig sein dürfen.

Wir haben mit unserer Biermarke Beck’s in den neunziger Jahren auf Abenteuer und große weite Welt gesetzt, heute steht entspanntes Feiern mit Freunden am Strand im Vordergrund. Die Geschmäcker verändern sich eben mit der Zeit, das gilt für Biersorten ebenso wie für Autos. Meine Eltern hatten früher einen richtigen Offroader, einen Nissan Patrol mit unzerstörbaren und knallharten Blattfedern. So was wäre heute nichts für mich. Die Autos im SUV-Segment sind da deutlich milder: Der Touareg bügelt die Schienen am Bahnübergang auch bei Tempo 70 locker weg.

Ich weiß ein gutes Fahrwerk zu schätzen, denn für mich muss ein Auto vor allem flott zu fahren sein. Meinen Dienst-Mercedes, einen E-Klasse-Diesel, habe ich mit Sportfahrwerk bestellt. Damit fährt die Limousine knackiger und sieht besser aus. Schließlich ist auch die Optik wichtig: Ich bin heute extra ohne Krawatte und unrasiert zum Autotesten gekommen, damit mein legerer Auftritt zum Geländewagen-Image passt.

Ich bin viel unterwegs, auch mit dem Auto. Da kommen im Jahr schnell 40 000 Kilometer zusammen, und ich will keine Zeit verlieren. Der Touareg mit dem V6-Benziner ist mir da zu schwach auf der Brust. Der Motor hat mit dem Gewicht von mehr als zwei Tonnen spürbar Mühe, das merkt man schon beim Anfahren. Da hat mein Dienst-Diesel bei niedrigen Drehzahlen deutlich mehr Dampf. Beim Touareg muss man entschlossen aufs Pedal treten, dann marschiert er ganz ordentlich.

Ich habe es im Leben generell gerne zügig. Eine 18-Loch-Runde am Sonntagabend sollte mit Hin- und Rückfahrt nicht länger als zwei Stunden dauern. Für mich ist Golfen ähnlich wie Biathlon: Shoot and run heißt die Devise. Der Touareg ist dagegen eher ein Dauerläufer: durch nichts aufzuhalten, wenn er erst mal Fahrt aufgenommen hat.“

Der V6-Motor leistet in der jüngsten Ausbaustufe mit 3,6 Liter Hubraum und Direkteinspritzung 280 PS. Seit vier Jahren ist der Edel-Offroader aus Wolfsburg auf dem Markt, 300 000 Exemplare konnte VW bislang absetzen. Nun soll das Facelifting den Touareg verjüngen, damit die wachsende Konkurrenz im modebewussten Lifestyle-Segment nicht vorbeizieht. 2 300 neue Teile hat VW spendiert, am auffälligsten ist wohl die überarbeitete Front mit heruntergezogener Chromschnauze im aktuellen Konzernlook – und dem bösen Scheinwerferblick. Den trägt auch der Tiguan, ein kleineres SUV, das VW im Herbst auf den Markt bringt. Bis auf die ähnliche Namensgebung verbindet die beiden nur wenig. Während VW den Touareg zusammen mit Porsche und dem Schwestermodell Cayenne entwickelte, trägt der Tiguan die Gene des Golfs in sich. Ernsthafte Geländeambitionen wie bei seinem Rallye-erprobten großen Bruder hat der Hersteller damit wohl nicht.

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