Erschreckend viele „Killer“-Unfälle mit Motorrad
Unfallforschung: Hohes Risiko auf zwei Rädern

In den 80er Jahren waren Motorradfahrer meist jung und abenteuerlustig, heute befindet sich der durchschnittliche Biker im mittleren Alter. Doch während sich das Erscheinungsbild gewandelt hat, sind die Probleme die gleichen geblieben.

dpa/tmn BERLIN/MÜNCHEN. Aktuelle Studien zeigen, dass auch ältere Motorradfahrer überaus beherzt am Gasgriff drehen. Mit der Folge, dass die Entwicklung der Unfallzahlen und vor allem der getöteten Motorradfahrer oft als "erschreckend" bezeichnet wird. Die Ursache der schwersten Unfälle ist zudem meist eine Kombination aus mangelndem Fahrkönnen und hohen Geschwindigkeiten.

Wie die Situation aussieht, macht eine Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) in Berlin deutlich. Demnach wurden allein im Jahr 2007 bei Verkehrsunfällen 829 Motorradfahrer getötet - ein Sechstel aller Verkehrstoten. Herausgefunden hat man zwar auch, dass an 80 Prozent aller Motorradunfälle Autofahrer die Schuld tragen. Allerdings trifft das nicht auf schwere Unfälle zu.

Auch die Unfallforschung der Versicherer (UDV) in Berlin hat schwere und tödliche Motorradunfälle untersucht. Besonders häufig ist der sogenannten Alleinunfall mit Abkommen von der Fahrbahn - so ein Unglück hat überproportional oft schwere und schwerste Verletzungen zur Folge. Dahinter verbirgt sich die Situation, dass ein Motorrad in einer schnell gefahrenen Kurve von der Strecke abkommt.

Dass hohes Tempo wirklich an vorderster Stelle bei den Ursachen tödlicher Unfälle steht, hat die DGU errechnet. Dort nutzt man den Begriff der "Hochrasanz"- oder "Killer"-Motorradunfälle für jene Unglücke, die bei hohem Tempo außerhalb geschlossener Ortschaften registriert werden. "Statistisch gesehen kamen in den Jahren 2004 bis 2006 durchschnittlich jeweils 842 Motorradfahrer bei Unfällen ums Leben", so DGU-Sprecher Uwe Preusker. "642 davon starben jeweils bei Hochrasanz-Unfällen - das entspricht einem Anteil von 75 Prozent."

Den Unfallchirurgen ging es auch darum festzustellen, welche Verletzungen wahrscheinlich sind, wenn ein schwer verunglückter Motorradfahrer in die Klinik eingeliefert wird. Häufigste Todesursache war ein Schädel-Hirn-Trauma, das bei 41 Prozent aller tödlichen Motorradunfälle festgestellt wurde. Allerdings weisen verunglückte Zweiradfahrer oft zahlreiche Verletzungen auf. "Dabei handelt es sich um Brüche und offene Wunden, oft auch Mehrfachverletzungen", so Preusker. Die Folgen gehen bis zur Amputation.

Dass ein Motorradfahrer auf moderne Schutzhelme und hochwertige Schutzkleidung zurückgreifen kann, ändert gerade bei den Vollgas-Unfällen wenig. "Helme sind nach wie vor eine Krücke", sagt Ruprecht Müller, Motorradexperte des ADAC-Technikzentrums im bayerischen Landsberg. Denn um normgerecht zu sein, muss ein Helm einen Aufprall mit Tempo 27 überstehen, nicht mit Tempo 200.

Bleibt die Frage, warum erfahrene Menschen mittleren Alters wie einst die jungen Wilden in den Tod rasen. Ein Grund dafür ist mangelnde Fahrpraxis - denn das Motorrad ist heute ein reines Freizeitgerät. Wenig gefahrene Kilometer, dazu hohe Motorleistungen: Das Ergebnis ist statistisch ein im Vergleich zum Auto 14 Mal höheres Risiko, bei einem Unfall getötet zu werden.

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