Erste Ausfahrt im neuen Ford Mustang Viel Power für wenig Geld

Nach 50 Jahren kommt das bekannteste US-Auto auch offiziell nach Deutschland und das gleich als echtes Schnäppchen: Der Ford Mustang mit 426 V8-PS ist schon ab 39.000 Euro zu haben. Billigware made in USA?
  • Peter Maahn
Kommentieren
  • Spotpress
Der überarbeitete Fünfliter-Achtzylinder mit seinen 313 kW/426 PS hält das, was die Papierform verspricht Quelle: Ford

Der überarbeitete Fünfliter-Achtzylinder mit seinen 313 kW/426 PS hält das, was die Papierform verspricht

Gut drei Wochen dauerten die Dreharbeiten in und um San Francisco. Zehn Minuten davon schafften es 1968 ins Kino und verhalfen dem Thriller „Bullitt“ zum Kultstatus. Die wildeste und längste Autojagd der Filmgeschichte ganz ohne Computeranimation. Steve McQueen als Frank Bullitt jagt in seinem dunkelgrünen Ford Mustang Fastback böse Buben in deren Dodge Charger. Das Gute siegt, die gehetzten Killer rasen in eine Tankstelle und büßen ihr schädliches Treiben im Explosionsfeuer. In Europa kannte bis dahin kaum einer das siegreiche Sportcoupé. Schnell wurde der Mustang berühmt, hatte über 3.300 weitere Auftritte im Film und Fernsehen, wurde ebenso ein amerikanisches Symbol wie der Jeep, die Coca Cola, die rot-weiße Zigarette mit dem Cowboy oder der klassische Burger im Fastfood-Restaurant.

Was der neue Mustang im Detail bietet
A 2015 model of a Ford Mustang is seen in this undated handout photograph provided by Ford Motor Co
1 von 22

Es ist die Idee, aus einem globalen Konzern auch nach innen eine Einheit zu machen. Unter dem Namen "One Ford" will der US-Autobauer die Einheiten in den USA, in Europa und in Asien zusammenfassen. Die Ursprungsidee dazu hatte Gründer Henry Ford schon im Jahr 1925. Dass es in der Vergangenheit anders war, lag an den unterschiedlichen Anforderungen, die die Märkte in den USA und in Europa an das Unternehmen stellten.

Jetzt soll sich vieles ändern, kündigte Ford-Deutschlandchef Bernhard Mattes an. "Früher haben wir Synergien verloren, das soll künftig anders sein", sagte er kürzlich auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel. Einheitlich will man weltweit bei Forschung, Entwicklung und Fertigung vorgehen, eine globale Plattformstrategie soll dabei helfen ...

huGO-BildID: 34128078 This undated image provided by Ford shows the 2015 Mustang. Ford will reveal the new Mustang on Thursday, Dec. 5, 2013, at eve
2 von 22

Das hat dann unter anderem in der Modellpolitik weitreichende Folgen. Der Ford Mustang etwa wird zeitgleich auch in Europa angeboten werden. Dafür soll dann der europäische Transporter Transit demnächst gleichfalls in den USA verkauft werden. Den neuen Mustang, sprichwörtlich das Paradepferd amerikanischer Muscle-Car-Tradition, stellte Ford in einer global synchronisierten Weltpremiere am 5. Dezember 2013 zeitgleich in sechs Städten auf vier verschiedenen Kontinenten vor: New York, Los Angeles, Dearborn, Barcelona, Shanghai und Sydney.

image-574944-galleryV9-kfbx
3 von 22

Ganz auf den Fahrer ausgerichtet wird das Cockpit, Ford spricht von "eindeutig gestalteter Instrumentierung" sowie ergonomisch, berührungsfreundlichen Schaltern und Reglern. Neu konstruiert wurde das Breitspurfahrwerk der Hinterachse, eine der Voraussetzungen für mehr Schulter- und Beckenfreiheit innen sowie ein Gepäckabteil, in das auch zwei Golfbags locker hineinpassen.

Aber einen Mustang erlebt man natürlich in erster Linie durch Fahr- und Klangeigenschaften. Ford will mit einem optimierten Fahrwerks-Layout "sogar die hohen Erwartungen der besonders anspruchsvollen europäischen Kunden erfüllen", und in Sachen Auspuffsound dürfen die sich auf den 5,0-Liter-V8-Motor mit 426 PS und einem Drehmoment von mehr als 529 Newtonmeter freuen.

image-574955-galleryV9-tvvf
4 von 22

Der Einstieg fällt allerdings mager aus, V8- und V6-Fans werden das nicht mögen: Der neu entwickelte Ecoboost-Motor ist ein Reihenvierzylinder und hat 2,3 Liter Hubraum. Natürlich werden dank moderner Technologie - Turboaufladung und Benzin-Direkteinsprotzung - Verbrauchseffizienz gesteigert und CO2-Emissionen gesenkt.

Aber Traditionalisten werden zunächst anzweifeln, was Chefkonstrukteur Dave Pericak verspricht: "Der EcoBoost-Motor liefert genau das, was Ford Mustang-Fahrer erwarten: ein ebenso kraftvolles wie gleichmäßiges Drehmomentmaximum, das jederzeit zur Verfügung steht, wenn der Fahrer zum Überholen ansetzt oder sich auf einer kurvenreichen Strecke befindet." Erste Fahrpräsentationen dürften bald Aufschluss bringen.

A 2015 model of a Ford Mustang is seen in this undated handout photograph provided by Ford Motor Co
5 von 22

Tatsächlich bringt der 2,3-Liter EcoBoost-Turbo des neuen Ford Mustang eine Motorleistung von 227 kW (309 PS) und ein maximales Drehmoment von mehr als 400 Nm. Egal, für welche der beiden Motorisierungen sich die Mustang-Käufer entscheiden, V8 oder EcoBoost-4-Zylinder: Sie haben die Wahl zwischen einem manuellen 6-Gang-Getriebe (Serie) oder einer Automatik mit ebenso vielen Vorwärtsgängen (Option). Dank ihrer Schaltwippen am Lenkrad empfiehlt sich das Automatikgetriebe auch für sportlich orientierte Fahrernaturen.

GoFurther-FordMustang
6 von 22

Ein neues, speziell für den Mustang abgestimmte ESP soll hohen Fahrspaß mit großen Stabilitätsreserven verbinden. Es greift unter anderem auf die Fahrdynamik-Regelung Torque Vectoring Control zurück, die - einer Differenzialsperre ähnlich - die Motorleistung bevorzugt jenem Antriebsrad zuführt, das über den besten Grip verfügt.

Wer die Leistungsfähigkeit seines Mustang GT auf einer Rennstrecke ausprobieren möchte, dem bieten die Automatikversionen serienmäßig eine "Launch Control" an: Sie ermöglicht perfekte Startmanöver und schont gleichzeitig die Mechanik.

Der neue Ford Mustang: Aufregendes Design
7 von 22

Fans des Ford Mustang Cabriolets dürfen sich zusätzlich auf ein mehrschichtiges Stoffverdeck freuen, das ab Werk für einen hohen Geräuschkomfort im Interieur sorgt. Schlank hinter den Rücksitzen gefaltet, gibt es auch bei geöffnetem Dach ein erfreuliches Bild ab.

50 Jahre hat es gedauert, bis Ford seine längst weltbekannte Ikone demnächst auch außerhalb der US-Grenzen verkauft. Und das zu einem verblüffend niedrigen Einstiegspreis. Für knapp 39.000 Euro wird man sich den Mustang in den heimischen Stall stellen und überall berichten können, dass da ein Sportwagen mit acht Zylindern und über 400 PS parkt.

Chefingenieur Dave Periak tritt dem Verdacht des Billigautos vehement entgegen. „Wir haben das ganze Auto neu entwickelt und viel Geld investiert“. Er nennt das Fahrwerk, die gesamte Abstimmung, die Innenausstattung und die Motoren. In Summe sind Periak und seine Mitstreiter überzeugt, dass sich der neue Mustang auch auf deutschen Autobahnen nicht blamiert, dass er vernünftig geradeaus fährt und mehrere Vollbremsung hintereinander übersteht. „Ein echtes Weltauto, das wie Focus oder Fiesta ohne große Unterschiede rund um den Globus bei den Händlern stehen wird“.

Besonderes Augenmerk richtete Periak auf die Hinterachse, die bisher traditionell von der starren Art war. Jetzt stützt sich der Mustang mit den Hinterläufen einzeln ab, poltert nicht mehr und lässt sich recht präzise um die engen Kurven in den vielen Canyon-Passagen nahe Los Angeles twisten. Die Zeiten, in denen man sich stets vor einem ausbrechenden Heck in Acht nehmen musste, sind vorbei.

Das kantige Innenraumdesign kennt man vom Vorgänger Quelle: Ford

Das kantige Innenraumdesign kennt man vom Vorgänger

Der überarbeitete Fünfliter-Achtzylinder mit seinen 313 kW/426 PS hält das, was die Papierform verspricht. Nach dem Start per Druckknopf bullert er zunächst behaglich vor sich hin. Spürt der Mustang die Sporen des Gaspedals, galoppiert er ohne Denkpause los, brüllt dabei aber nicht mehr grollend wie früher.

Eher dringt solides Arbeitsgeräusch in den Innenraum, dezent und fast gediegen. Die deutsche Getrag-Handschaltung mit ihren sechs Gängen trägt mit kurzen Wegen in gut geführten Schaltgassen zum unverhohlenen Spaß am Ausritt bei. Nach, aus Respekt vor den Laserpistolen der Sherriffs, betont verhaltener Gangart, meldete der Bordcomputer einen Verbrauch von gut 13 Litern auf 100 km.

Es geht auch bescheidener, wie die zweite Testetappe zeigt: Im anderen Mustang arbeitet ein Ecoboost-Motor mit vier Zylindern und nur 2,3 Litern Hubraum. Dank Turbohilfe und Direkteinspritzung kommt er dennoch auf 309 PS und liegt in fast allen im Alltag wichtigen Leistungsdaten mit dem großen Bruder auf Augenhöhe. Nur bei der Durchzugskraft (ca. 407 Newtonmeter) fährt er dem Achtzylinder (529 Nm) deutlich hinterher.

Für knapp 39.000 Euro wird man sich den Mustang in den heimischen Stall stellen und überall berichten können, dass da ein Sportwagen mit acht Zylindern und über 400 PS parkt Quelle: Ford

Für knapp 39.000 Euro wird man sich den Mustang in den heimischen Stall stellen und überall berichten können, dass da ein Sportwagen mit acht Zylindern und über 400 PS parkt

Dafür ist der „Kleine“ mit knapp acht Litern erheblich genügsamer, ermuntert zum frühen Hochschalten und bietet all das, was man nun einmal von dieser Art von Autos erwartet. Nur der Sound der vier Zylinder wird für die Ohren der Fans zu banal und alltäglich klingen. Da der geschrumpfte Mustang auch ohne martialische Begleitmusik ein waschechter Sportler ist und zudem schon ab 34.000 Euro zu haben sein wird, ist ihm der Zuspruch gewiss.

Enttäuschend ist die fehlende Aufmerksamkeit der doch so autoverrückten Amis. Das bekannteste Auto der USA, erstmals ungetarnt in freier Wildbahn und keiner reckt den Hals, fragt nach Leistung und Preisen, zückt ein Foto-Handy. Dabei schneiderte Designer Moray Callum, sein Bruder Ian ist Chef-Kreativer bei Jaguar, dem neuen Mustang ein durchaus erkennbar verändertes Äußeres. Das Kühlergesicht soll an ein Haimaul kurz vor dem Zubeißen, die neuen schmalen Scheinwerferaugen an mutige Entschlossenheit erinnern.

Das Infotainment ist auf dem neuesten Stand Quelle: Ford

Das Infotainment ist auf dem neuesten Stand

Das Coupé wurde flacher und wirkt durch diverse Karosseriefalze noch gestreckter als die Länge von 4,78 Metern im Datenblatt suggeriert. Am Heck integrierte Callum einen dezenten Spoiler. Bei alledem aber ist der Mustang immer noch auf den ersten Blick zu identifizieren. Lange Motorhaube, markant abfallende Dachlinie und knuffiges Hinterteil.

Vielleicht ist ja deshalb niemand stehengeblieben, weil ein Mustang, der wie ein solcher aussieht, einfach nicht als neu wahrgenommen wird.

Das könnte in deutschen Landen anders werden. Hier wird er ohne Zweifel auffallen und für teurer gehalten werden als er ist. Das mehr sein als kosten gilt übrigens auch für den Innenraum. Rund um die beiden Insassen entdeckt man reichlich Kunststoff, der aber durchaus Wertigkeit vermittelt.

Die hintere Starrachse hat ausgedient Quelle: Ford

Die hintere Starrachse hat ausgedient

Liebe zum Detail ist im und um das Armaturenbrett herum verteilt. Und eine Lederausstattung könnte sogar schon beim Basismodell serienmäßig sein. Die genaue Ausstattung für die kommenden Exporte nach Deutschland steht noch nicht fest. Es wird Abstandsradar geben, einen Toten-Winkelwarner, Rückfahrkamera und vieles mehr.

Ford will Pakete schnüren, in denen diese Extras gebündelt und so recht günstig angeboten werden. Aber auch Albernheiten wie eine Vorrichtung zum sogenannten „Burn-Out“ ist an Bord: Dabei wird der Mustang nur vorne gebremst und darf sich mit den beim Gasgeben durchdrehenden Hinterrädern hemmungslos in eine Gummi-Qualm-Wolke hüllen.

Ein Extra allerdings wird in der noch ungedruckten Preisliste nicht zu finden seins: Die berühmte Ford-Pflaume, die nirgendwo am Coupé angebracht ist, kann nicht nachgerüstet werden. Als Typenbezeichnung findet man nur „Mustang“ oder „GT“ beim Achtzylinder.

Fords große Legende
hb_auto_mustang
1 von 33

Ein Schauspieler, ein Film, ein Auto. Spätestens seit sich Steve McQueen 1968 in dem Krimi Bullit in den Straßen von San Francisco eine 9 Minuten und 42 Sekunden lange Verfolgungsjagd, ist er eine Popikone, der Ford Mustang. Vor gut 45 Jahren begann die Erfolgsgeschichte des Mustangs - durch und durch amerikanisch wie ein Big Mac oder eine Coca Cola. Weltweit steht der Ford Mustang für den American way of Life. Und er hat viel mitgemacht - die Ölkrise genauso wie das ein oder andere gewagte Designexperiment.

Früh übt sich: Schon beim Tonmodell des Mustangs ist die später so erfolgreiche Grundform angelegt. Foto: Ford
2 von 33

Früh übt sich: Schon beim Tonmodell des Mustangs ist die später so erfolgreiche Grundform angelegt.

Urvater der Pony-Cars: Mit dem Mustang begründete Ford eine Fahrzeugklasse, bei der günstige Mobilität mit sportlichen Ambitionen im Vordergrund stand. Foto: Ford
3 von 33

Mit dem Mustang begründete Ford eine Fahrzeugklasse, bei der günstige Mobilität mit sportlichen Ambitionen im Vordergrund stand. Bevor der Ford Mustang zum Rabauken, Muscle Car und stets leicht prolligen Rebell unter den Sportwagen wurde, fand das Auto 1964 den Weg auf die Straße als seriöses, sportliches Coupé, dessen Erfolg die Ford Motor Company zu Beginn allerdings überrollte. Eigentlich wollte Ford anfangs 100.000 Autos pro Jahr verkaufen – daraus wurden allein in den ersten zwölf Monaten 417.000.

Lee Iacocca war bei Ford maßgeblich an der Entwicklung des Mustang beteiligt. Auf der Weltpremiere lobte er dessen Vielseitigkeit. Foto: Ford
4 von 33

Weltpremiere des Ford Mustang 1964: Lee Iacocca war bei Ford maßgeblich an der Entwicklung des vielseitigen Autos beteiligt.

hb_auto_mustang
5 von 33

Bevor der Ford Mustang zum Rabauken, Muscle Car und stets leicht prolligen Rebell unter den Sportwagen wurde, fand das Auto 1964 den Weg auf die Straße als seriöses, sportliches Coupé, dessen Erfolg die Ford Motor Company zu Beginn allerdings überrollte. Eigentlich wollte Ford anfangs 100.000 Autos pro Jahr verkaufen - daraus wurden allein in den ersten zwölf Monaten 417.000.Foto: PR

In den Swinging Sixties: Egal, ob als Cabrio oder Coupé, der Mustang traf genau den Nerv der Zeit. Foto: Ford
6 von 33

Der Mustang traf in den Sechzigern den Nerv der Zeit.

ampnet_photo_20131205_072614
7 von 33

Ford Mustang cabrio vonn 1964

Kurzcharakteristik:
Alternative zu: In dieser Preisklasse in Relation zur Leistung derzeit ohne Konkurrenz (abgesehen vom Chevrolet Camaro).
Sieht gut aus: So wie man den Mustang liebt und manchmal fürchtet. Die sechste Generation ist sicher die schönste.
Wann kommt er: Mitte nächsten Jahres.
Passt zu: Leistungshungrigen Freaks und mutigen Neugierigen.
Was kommt noch: Das Cabrio, zeitgleich.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Erste Ausfahrt im neuen Ford Mustang - Viel Power für wenig Geld

0 Kommentare zu "Erste Ausfahrt im neuen Ford Mustang : Viel Power für wenig Geld"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%