Erste Ausfahrt im neuen Maybach
Schwaben-Luxus für die oberen Zehntausend

Nach zwei Jahren Pause gibt es wieder einen Maybach. Nach dem ersten, gescheiterten Versuch, die Traditionsmarke neu zu beleben, soll es jetzt besser laufen. Den Luxusmarkt will man nicht Rolls-Royce überlassen.
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Schwarzer Anzug, schneeweiße Handschuhe und dunkle Sonnenbrille. Mercedes setzt bei der Premiere seines feinsten Modells auf die „Men in Black“. Ein gutes Dutzend an Profi-Chauffeuren beförderte die in den Fond gebetenen Tester bei der ersten Ausfahrt mit der Neuauflage des Maybach. Dieses Auto ist nämlich für diejenigen Kunden bestimmt, die meist und gerne hinten sitzen. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat dabei eine kleine, aber besonders feine Klientel im Visier.

Die derzeit gut 211.000 „Ultra-Reichen“ dieser Welt, die zusammen über ein Vermögen von 30 Billionen Dollar (umgerechnet mehr als 25.000 Milliarden Euro) verfügen. Da es davon in Deutschland nur eine Handvoll gibt, wird gerade mal ein Prozent der Maybachs im Heimatland bleiben. Gut die Hälfte wird nach China gehen.

Maybach, da war doch was? Schon 2002 wagte Daimler die Wiederbelebung der Vorkriegsmarke, erlitt jedoch Schiffbruch. In zehn Jahren fanden sich nur rund 3.500 Maybach-Kunden, die bereit waren, zwischen fast 400.000 und 530.000 Euro auszugeben. Das Projekt wurde verlustreich beendet.

Jetzt, mit einem Maybach als Mitglied der S-Klasse-Familie, will Mercedes das Debakel vergessen machen. Denn der Mercedes-Maybach S 600 in seiner feinsten Ausprägung ist mit „nur“ 187.842 Euro sehr viel günstiger als der verblichene Vorgänger und kann dennoch vieles besser.

Die Einstiegsversion (V8, 335 kW/455 PS ist sogar schon für 134.000 Euro zu haben. Für die angestrebte Kundschaft fast ein Schnäppchen gemessen an den Preisen eines Rolls Royce.

Der Mann in Schwarz hält die Tür auch, zwei wohlgeformte Einzelsitze eingebettet in sichtbar teures Leder laden zum respektvollen Fallenlassen. Der Maybach S 600 misst stolze 5,45 Meter in der Länge und ist damit nochmals 20 Zentimeter länger ist als eine S-Klasse im Langformat.

Alles kommt dem Fußraums der betuchten Hinterbänkler zu Gute, die sich nun endlich richtig langmachen oder auf Wunsch sogar wohlig ausgestreckt zwischen zwei Sitzungen ein Nickerchen machen können.

Die Liste der Innenausstattung liest sich wie der Katalog eines exklusiven Einrichtungshauses: Möbelbezüge und Türverkleidungen aus Nappa-Leder, Zierteile in einer Kombination aus Holz und Chrom, eine IWC-Analoguhr im Armaturenbrett oder ein Getränkefach, das beheizt oder gekühlt werden kann.

Nach dem Einsteigen surrt der Gurt elektrisch betrieben in die Anschnallposition. Kein normales Exemplar übrigens: Er ist weicher und etwas dicker als wir Normalbürger ihn kennen. Denn in ihn ist eine Art Airbag integriert, der das Gurtband im Ernstfall auf die dreifache Breite anschwellen lässt und so die Wucht eines Aufpralls abmildert. „Den Nerz nach innen tragen“, zitiert Strategie-Manager Wilko Stark ein deutsches Sprichwort und hebt damit auf den Hang der erhofften Kundengruppe zur vornehmen Zurückhaltung an.

Von außen nicht zeigen, was alles Teures hinterm Blech und den nahezu blickdichten Jalousien an den hinteren Seitenscheiben verborgen ist. Für Helligkeit im Innenraum sorgt das serienmäßige Doppel-Glasdach, natürlich auch mit elektrisch betriebenem Sichtschutz.

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