EuroNCAP-Crashtest

Keine Bestwertung für den Audi TT

In Sachen Crashtest war Audi zuletzt eine Bank. Der Sportwagen TT hat nun aber die Höchstwertung verpasst – aus zwei Gründen.
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EuroNCAP-Crashtest - Audi TT mit vier Sternen Quelle: Audi
EuroNCAP-Crashtest

In der Kategorie „Assistenzsysteme“ wurde dem neuen TT das Fehlen eines Notbremsassistenten als Malus angerechnet.

Mit vier von fünf möglichen Sternen hat der Audi TT den EuroNCAP-Crashtest absolviert. Das Coupé ist das erste Modell der Ingolstädter seit mehr als acht Jahren, das die Höchstwertung verfehlt. Allerdings hat die Crash-Organisation seitdem die Testprozedur sowie die Kriterien für eine Fünf-Sterne-Wertung mehrfach geändert und verschärft. Zuletzt Anfang dieses Jahres.

Spaßmobil in schweren Zeiten
Audi TT Roadster - Ikone und Fossil zugleich
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Er ist eine Ikone wie die unverwechselbare Flasche von Coca-Cola oder das Mundspülmittel Odol, wie das iPhone oder der Elektrorasierer von Braun: Der knuffige Audi TT mit und ohne Dach parkt längst in der Ruhmeshalle der Designkunst. Das Coupé der dritten Generation kennen wir schon, jetzt legt Audi den ab 35.000 Euro erhältlichen offenen Zweisitzer nach. Er kommt allerdings in einer für Roadster schweren Zeit. Denn weltweit brechen die Verkäufe der Open-Air-Spaßmobile Jahr für Jahr weiter ein. Insofern ist der Neuling mit den vier Ringen Ikone und Fossil zugleich.

Sesam-öffne-dich
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Schade eigentlich, dass sich die Käufer von dieser Art von Autos mehr und mehr abwenden, sich scharenweise modische SUV oder Crossover in die Garage stellen. Platzangebot und hohe Sitzposition zählen mehr als Sonne, frische Luft und Wind im Haar. Nur jeder vierte bisher verkaufte Audi TT ist ein Roadster, das wird sich auch beim neuen Modell nicht ändern. Obwohl Audi seine Hausaufgaben mit Bestnoten absolviert hat. So öffnet und schließt sich das Stoffdach zum Beispiel in zehn Sekunden. Um die Frühlingssonne ins Auto zu lassen, reicht ein Ampelstopp. Wer nicht bis zur nächsten Kreuzung warten will, kann den Knopf für das elektrische Sesam-öffne-dich sogar bis Tempo 50 drücken.

Geschlossen bietet das Stoffdach die bekannte Kuppel
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Spannt sich das Dach über den Roadster wird die typische kuppelartige Form erkennbar, die den TT berühmt gemacht hat. So geschützt gleiten die Insassen im Zweisitzer mit sehr guter Aerodynamik durch den Fahrtwind (cW 0,30), verschont vor dessen störenden Geräuschen. Alles hochwertig verarbeitet also, so wie man es von der Nobel-Tochter des Wolfsburger Riesenkonzerns nun mal kennt, mit Recht erwartet und auch teuer bezahlt. Die gut gefütterte Textilmütze wiegt übrigens nur noch 39 Kilo und ist Teil einer Fastenkur für das gesamte Modell.

Der kurze Audi macht einfach nur Spaß
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Mallorca im Winterschlaf, die Touri-Massen kommen erst zu Ostern. Viel Platz also, auf den Serpentinen-Pisten zwischen Sóller und Deiá, den offenen TT in seinem Element zu erleben. Wie das Coupé misst der Roadster nur 4,18 Meter. Im Testwagen sorgt der bekannte Zweiliter-Benziner fürs Vorwärtskommen. Als Fronttriebler natürlich, denn der ist mit seinen 169 kW/230 PS das 35.000 Euro teure Einstiegsmodell. Zum Preis hinzu kommt bei unserem Testwagen allerdings die 2.150 Euro teure famose Sechsgang-Automatik. Die vertrauten elektronischen Helfer sorgen dafür, dass beim Kurven-Twist der nochmal 2.250 Euro teurere Allradantrieb nicht wirklich vermisst wird. Der kurze Audi macht auf Strecken wie der berühmten Landstraße MA-20 einfach nur Spaß, vergleichbar mit dem spielerischen Kart-Gefühl, das sonst nur ein BMW Mini bietet.

In den Sitzen gibt es einen Nackenfön
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Beim Hochschalten mit gleichzeitigem Tritt aufs rechte Pedal verführt das Doppelkupplungsgetriebe die Abgasanlage zu einem dumpfen Bellen. Der rasende Sonnenstuhl wird zum Ballermann – und das ganz in der Nähe des echten „Ballermanns". Wer von diesem  akustischen Treiben verschont werden möchte, wählt einfach im Bedienmenü „Comfort" statt „Dynamik". Dann wird auch das kleine Warmluftgebläse hörbar, das aus einer schmalen Öffnung in der Lehne den Nacken des Fahrers vor Steifigkeit zu bewahren hilft. Den netten Gag hat sich Audi beim Konkurrenten Mercedes SLK abgeguckt. Im 12 Grad frischen Balearen-Winter zusammen mit der Sitzheizung ein wohltuendes Extra.

Speerspitze in Sachen Motorisierung ist der Super-TT S
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Sieht man vom Audi-eigenen Open-Air-Festival ab, gleicht der Roadster seinem geschlossenen Schwestermodell in nahezu jedem Detail: Fahrverhalten, Sitze, Bedienkonzept und lieferbare Feinheiten wie Matrix-LED-Licht oder diverse Assistenzsysteme. Auch die Motorenpalette ist identisch. Sparsamster Roadster ist der 135 kW/184 PS starke Zweiliter-Diesel, der mit einem Normverbrauch von 4,3 Litern auskommt. Die Speerspitze bildet der Super-TT mit dem Zusatz „S", der 228 kW/310 PS an alle vier Räder schickt und mit 54.450 Euro auch einen Super-Preis aufruft.

Hingucker ist das Display hinter dem Lenkrad
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Vom 2+2-Sitzer übernommen hat Audi das virtuelle Cockpit, das sich direkt hinter dem Lenkrad breitmacht und alle wichtigen Infos bietet. Am beeindrucktesten ist dabei die Navigationskarte, die den bislang üblichen Blick in die Mitte des Armaturenbretts erspart. Sie leuchtet übrigens im Roadster doppelt so hell wie im Coupé, damit sie nicht vom Sonnenlicht verschluckt werden kann. Durchaus hilfreich ist auch das Gurtmikrophon für die Freisprechanlage, das es so auch im offenen Supersportwagen R8 gibt.

Einer der Gründe für die Abwertung liegt im Fahrzeugprinzip begründet: Weil die Befestigung einiger Kindersitzmodelle im bauartbeding engen Fond schwierig ist, reichte es nicht zur Höchstpunktzahl im Testkapitel „Kindersicherheit“. In der Kategorie „Assistenzsysteme“ wurde das Fehlen eines Notbremsassistenten als Malus angerechnet.

Audi bietet das System im TT nach eigenen Angaben mangels Nachfrage nicht an. Die Technik stünde allerdings zur Verfügung und ist in anderen Modellen der Marke auch zu bekommen. Beim „Erwachsenen-„ und „Fußgängerschutz“ erzielte der TT hingegen Bestwerte.

Neben dem Sportwagen wurden in der aktuellen Testrunde auch zwei Nutzfahrzeuge gecrasht. Sowohl der geliftete Renault Trafic als auch sein baugleicher Zwilling Opel Vivaro erhielten drei Sterne. Der Nutzfahrzeug-Crashtest wird aktuell noch nach anderen Regeln durchgeführt als der Pkw-Test, ab 2016 sollen die Verfahren angeglichen werden.

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