Fahrbericht: Alfa Romeo 4C
Leichter Adrenalinschub

Dolce Vita kann ganz schön hart sein. Zumindest wenn man unter dem süßen Leben die Fahrt in aufregenden Zweisitzern versteht. Ein solcher kommt jetzt aus Italien. Und endlich wieder von Alfa Romeo.
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Wer schon immer einen Alfa Romeo fahren und dabei eine reine Fahrmaschine sein Eigen nennen wollte, sollte sich jetzt einmal den 4C genauer anschauen. Denn der bietet pure Sportlichkeit gekonnt verpackt auf vier Metern Länge, ein Leistungsgewicht von unter vier Kilogramm pro PS, entsprechende Fahrleistungen und einen Hauch von Exklusivität. Schließlich werden jährlich nur 300 Exemplare des ab 50.500 Euro angebotenen italienischen Flitzers in Deutschland zu haben sein.

Irgendwie ist es wie früher beim Aufsatz im Deutsch-Unterricht. Ist der Einstieg erst einmal geglückt, läuft der Rest fast von alleine. Etwas gelenkig oder zumindest körperlich nicht allzu eingeschränkt sollte man aber schon sein, wenn man in den Alfa 4C will. Der Sportwagen ist nur 1,18 Meter hoch, die Türausschnitte entsprechend knapp, eine hohe Einstiegsleiste doch etwas im Weg.

Hat man es auf die Sportsitze geschafft, gilt es die richtige Position zu finden. Was gar nicht so einfach ist. Der Fahrersitz lässt sich nur geringfügig nach vorne oder hinten verschieben, der Beifahrersitz überhaupt nicht verstellen. Platz für die Jacke gibt es nicht, sie muss in den „Kofferraum“. Mit seinen gerade einmal 40 Litern Fassungsvermögen ist dieser exakt so groß wie der Tank- was man auch nicht alle Tage hat.

Fahrer und Beifahrer blicken auf ein etwas tristes weil schwarz in schwarz gehaltenes Armaturenbrett, das in seiner Hartplastik-Ausführung nicht ganz dem entspricht, was man von einem Auto dieser Preisklasse erwarten darf.

Ein Dreh am Zündschlüssel und der 1,8-l-Vierzylinder-Turbo erwacht unmittelbar hinten den beiden Sitzen mit wahrlich imposantem Klang zum Leben. 177 kW/240 PS warten auf den Start, der 4C schießt auf Wunsch katapultartig los. In 4,5 Sekunden geht es aus dem Stand auf Tempo 100, erst bei 258 km/h wird dem ungestümen Vorwärtsdrang ein Ende gesetzt.

Die 177 kW/240 PS haben mit dem neuen Italiener aber auch im wahrsten Sinne des Wortes leichtes Spiel. Denn der bringt gerade einmal 995 Kilogramm auf die Waage. Inklusive Fahrer, fahrbereit. Ein beeindruckendes Ergebnis konsequenter Leichtbauweise, erreicht unter anderem durch den Einsatz von Carbon und Magnesium.

So besteht wie bisher nur beim Lamborghini Aventador die zentrale Struktur in Monocoque-Bauweise zur Unterbringung der Insassen aus Kohlefaser. Eine Spezialfirma liefert das Teil ins Maserati-Werk nach Modena, wo dann der Alfa 4C aus Aluminium und Verbundwerkstoffen entsteht.

Selbst beim Gewicht der Windschutzscheibe wurde eine Menge eingespart – und damit das angestrebte Ziel eines Leistungsgewichts von unter 4 Kilogramm pro PS erreicht. Auch der aus der Giulietta bekannte 1,8-l-Vierzylinder-Turbo wurde auf Diät gesetzt, wiegt im 4C gleich 22 Kilogramm weniger.

Die nicht einmal 1.000 Kilogramm sind sehr gut verteilt, 40 Prozent auf der Vorderachse, 60 Prozent auf der angetriebenen Hinterachse. Die Lenkung verzichtet übrigens komplett auf jede Art von elektronischer Unterstützung, was aber nur beim Rangieren auffällt, während der Fahrt aber einen richtig direkten Eindruck vermittelt.

Einen Eindruck von der Fahrbahnoberfläche bekommen die Insassen indes auch direkt vermittelt, liefert das doch recht harte Fahrwerk des 4C doch praktisch unaufgefordert einen „Straßenzustandsbericht“.

4C-Käufern dürfte das allerdings schnell egal sein. Sie werden gebührend entschädigt. Denn mehr Spaß als der Alfa macht auf kurvigen Landstraßen kaum ein anderer. Der Italiener fährt sich wie ein Kart, scheint auf dem Asphalt geradezu zu kleben. Was so alles möglich ist mit dem 4C, demonstrierte Alfa auf dem Nürburgring, wo der Sportwagen die Fahrt über die Nordschleife in gerade einmal 8:04,05 Minuten absolvierte.

Das sechsstufige Doppelkupplungsgetriebe ist sehr gut auf die Charakteristik des Motors abgestimmt, das Fehlen einer Parkstellung der Automatik wahrscheinlich nur in den ersten Tagen gewöhnungsbedürftig.

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