Fahrbericht Audi RS6 Avant

Der Spaß beginnt bei 109.200 Euro

Analog zum kürzlich durchgeführten A6/S6-Facelift hat Audi auch den RS6 Avant überarbeitet. Allerdings nur optisch. An Leistung mangelte es schließlich ohnehin nicht.
  • Patrick Broich
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  • Spotpress
Der Kombi kommt auf 560 PS Quelle: Audi

Der Kombi kommt auf 560 PS

Eigentlich schade, dass Audi den RS6 Avant des neuen Jahrgangs (ab 109.200 Euro) kein bisschen stärker gemacht hat. Dabei geht es sowieso nicht um Notwendigkeit oder Vernunft. Es geht auch nicht darum, ob der Kombi 0,3 Sekunden schneller auf 200 km/h beschleunigt. Aber die solvente RS-Fangemeinde hätte sich gefreut und einen triftigen Grund gehabt, das Topmodell rasch auszutauschen.

Audi jedoch scheint überzeugt, dass die Klientel das trotz gebliebener 412 kW/560 PS macht. Und das liegt weder an der Reduktion des CO2-Ausstoßes um 6 Gramm noch an den jetzt serienmäßigen LED-Scheinwerfern.

Zumindest erhält der Kunde gegen 960 Euro Aufpreis eine am RS6 echte Neuheit: Dann gibt es die im Konzern bereits länger bekannten LED-Matrix-Lampen, die das Licht auf Kamerabasis präzise anpassen und entgegenkommende Fahrzeuge ausblenden können, ohne das Fernlicht abzuschalten. Das sieht darüber hinaus auch noch gut aus, und enthalten in dieser Option sind die erstmals bei Audi eingeführten dynamischen Blinker, die wie ein Leuchtband durchlaufen, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. Dabei hat der potente Achtzylinder da ganz andere Möglichkeiten. Die Auspuff-Endrohre zum Beispiel sehen nicht nur gewaltig aus, sondern klingen auch so.

So hat Audi die A6-Familie modernisiert
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Herausgekommen sind bei Audis großen Überarbeitung zur Lebensmitte der erfolgreichen A6-Baureihe natürlich die üblichen optischen Änderungen von eher kosmetischer Natur, einige neue Assistenzsysteme, ein modernes Navi sowie überarbeitete Motoren.

Für Wenigfahrer könnte das neue Einstiegsaggregat interessant sein: Der 1,8-Liter-Turbo mit 140 kW/190 PS ersetzt den bisherigen 2,0-Liter und glänzt mit zumindest theoretisch sehr guten 5,7 Litern Verbrauch bei der Limousine (Avant: 5,9 Liter), jeweils in Verbindung mit dem Doppelkupplungsgetriebe S-Tronic.

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Der A6 mit neuem kleinem Benziner ist gleichzeitig auch die günstigste Art, diesen Audi zu fahren. Der Grundpreis für das Fahrzeug mit manuellem Sechsganggetriebe liegt bei 38.400 Euro, der Aufpreis für das S-Tronic-Getriebe bei 2.250 Euro, der Avant (Kombi) kostet 2.500 Euro Aufpreis.

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Das A6-Facelift mit behutsamem Feinschliff betrifft hauptsächlich den Kühlergrill und die Scheinwerfer, nun auch mit LED- oder Matrix-LED-Licht. Veränderungen gibt es ebenso an den Lufteinlässen, den Stoßfängern sowie an den Heckleuchten und den Auspuff-Endrohren.

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Das Fahrverhalten des A6 hat sich durch das Facelift nicht geändert. Geht der Fahrer eine Kurve zu schnell an, greift weiterhin die elektronische Stabilisierungskontrolle (ESC) kräftig zur Stabilisierung ein.

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Das Top-Modell der A6-Familie presst 412 kW/560 PS aus den 4,0 Liter Hubraum des V8-Zylinders, was einen "galaktischen Schub" erzeugt. Das Hochleistungs-Triebwerk mit der beeindruckenden Kraftfülle von maximal 700 Newtonmeter zwischen 1 750/min und 5 500/min macht den RS 6 Avant fast zum "Batmobil", und beschleunigt den Wagen in 3,9 Sekunden von null auf 100 km/h und bis auf 305 km/h Spitze.

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Nur unwesentlich minder athletisch sind auch der S6 und S6 Avant, in denen der 4.0-V8-Zylinder mit 331 kW/450 PS und 550 Newtonmeter maximalem Drehmoment Dampf macht. Die "Sportwagen für den Alltag" sprinten in rund 4,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 km/h.

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Die A6-Familie aus Limousine, Avant und Allroad kommt insgesamt auf 33 Varianten. Sie resultieren aus der Kombination von Benzin- und Diesel-Motoren in elf Leistungsversionen, Front- und Quattro-Antrieb sowie der Kraftübertragungen durch 6-Gang-Handschaltung, oder "S tronic" sowie Stufenautomatik "tiptronic".

Dazu zählen auch die effizienten "ultra"-Modelle, die unter anderem Sprit durch Bremsenergie-Rückgewinnung, Motor-Start-Stopp sowie spezieller Leichtbautechnik sparen.

Sounddesign schließlich gehört bei den Highend-Sportmodellen zu den wichtigen Aufgaben. Und die Audi-Leute wissen ganz genau, wie man die Passanten zum Hingucken animiert. Wem das Bollern eines RS6 von der Stange noch zu mild ausfällt, kann mit einem 1.000 Euro teuren Sportauspuff gerne nachhelfen.

Will man dagegen alle Register ziehen, sind weitere 14.000 Euro zu überweisen – dann rollt der Ingolstädter mit einem so genannten Sportdifferenzial, einem noch drahtiger abgestimmten Fahrwerk inklusive Wankausgleich, Keramikbremse sowie variabler Lenkübersetzung an. Außerdem wirkt die elektronische Geschwindigkeitsbegrenzung dann erst bei 305 km/h.

Die Verarbeitung liegt auf gewohnt hohem Niveau Quelle: Audi

Die Verarbeitung liegt auf gewohnt hohem Niveau

Ob man mit dem Zweitonner in der Praxis wirklich über den Rennkurs fegt, sei dahingestellt. Außerdem fällt die Längsbeschleunigung gefühlt beeindruckender aus als die Querperformance des Edellasters. Wenn die beiden Turbos des auf vier Liter Hubraum beschränkten V8 einmal tief Luft holen, stockt dafür der Atem der Insassen.

Dank Allrad nahezu schlupffrei katapultieren die 700 Nm den Audi gen Horizont und treiben ihn flugs auf Maximaltempo, während der hochgezüchtete Direkteinspritzer bassig brüllt. Man muss als Fahrer aufpassen, auf der Landstraße nicht beiläufig zum Kriminellen zu werden, denn hohe Geschwindigkeitsübertretungen passieren hier schneller als gedacht.

Fahrbericht: Audi RS6 Avant - Hört auf die Fans Quelle: Audi

Dank Allrad nahezu schlupffrei katapultieren die 700 Nm den Audi gen Horizont und treiben ihn flugs auf Maximaltempo, während der hochgezüchtete Direkteinspritzer bassig brüllt.

Dabei kann der stets mit 20-Zöllern bestückte Avant auch ganz ruhig. Die Kraftübertragung erfolgt dank Achtstufen-Wandlerautomatik seidenweich, die Gangwechsel genauso; und adaptive Luftfedern wiegen den Oberbayern sanft, so dass er selbst gefürchtete Kanaldeckel weitgehend ohne zu poltern überrollt. Lange Autobahnetappen spult der Baureihenstärkste souverän und stressfrei ab bei stoischem Geradeauslauf.

Das Platzangebot ist auch nicht schlechter als bei den schwächeren Modellen – alleine die Stühle sind üppiger dimensioniert wegen der mächtigen Wangen. Hier gerät so schnell niemand aus der Sitzmittelbahn, auch nicht bei hastiger Kurvenfahrt. Falls man den RS6 einmal zweckentfremden und ein bisschen Ladegut mitnehmen möchte – warum nicht?

Immerhin ist die Rücksitz-Lehne ebenso umklappbar wie beim Basis-Diesel, und dann verbergen sich hinter der elektrischen Heckklappe (790 Euro) fast 1.700 Liter Stauvolumen.

So könnte die neue Audi-Oberklasse vorfahren
Audi Prologue - Filigrane Vorhut
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Die Studie Prologue, die Audi auf der Autoshow in Los Angeles erstmals öffentlich präsentierte, soll unter anderem einen Vorgeschmack auf das neue Audi-Design geben. Doch dahinter steckt mehr ...

Der Kühlergrill bleibt erhalten
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Der Ingolstädter Autobauer Audi will künftig seine Rivalen Mercedes und BMW verstärkt in der Oberklasse attackieren. „Das ist das Segment, in dem wir uns breiter aufstellen wollen“, sagte Rupert Stadler, der Chef der Volkswagen-Tochter, dem Handelsblatt.

So könnte aus dem Concept Car schon in zwei Jahren ein A9 abgeleitet werden könnte. Die Ingolstädter planen zudem, zwei weitere neue Modelle in der Oberklasse zu platzieren, darunter ein Geländewagen ...

Das Cockpit ist clean und edel
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Das Cockpit ist clean und edel: Die Studie soll stilbildend für alle künftigen Modelle des Autobauers sein. „Für uns ist das Gesicht dieses Autos der Aufbruch in das nächste Jahrzehnt“, sagte Stadler. Das Auto ist erstmals von Marc Lichte entworfen worden, dem neuen Chefdesigner der Marke.

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Audi entwickelt die neue Modellreihe A9 im Hinblick auf den sich verschärfenden Kampf um Marktanteile in der lukrativen Oberklasse. Nachdem Mercedes im vergangenen Jahr die neue S-Klasse auf den Markt brachte, will BMW im kommenden Jahr sein neues Flaggschiff, eine aktuelle Version des 7er-BMW, vorstellen.

Nach zehn sehr erfolgreichen Jahren gilt es für Audi, den Anschluss nicht zu verpassen. Nach Berechnungen des Duisburger Forschungsinstitutes CAR verdient Mercedes 2014 zum ersten Mal seit 2007 wieder mehr Geld pro verkauftem Fahrzeug als Audi.

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Die wichtigsten Merkmale des Audi-Designs will aber auch der neue Designchef Marc Lichte erhalten, etwa die klare, reduzierte Linienführung und der prägende Single-Frame-Kühlergrill an der Front. Dennoch soll es wieder mehr Unterschiede zwischen den einzelnen Baureihen geben, vor allem bei dem Audi-typischen Kühlergrill. „Aber er geht deutlich in die Breite und wird für jede Baureihe stärker variiert“, verspricht Lichte.

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Das klappt ja gut: Blick in den großzügigen und sehr aufgeräumten Innenraum der Studie.

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Das Konzeptauto, das auf den Namen „Prologue“ hört, wurde Ende Oktober erstmals bei einem Treffen von Audi-Führungskräften intern vorgeführt. Dem Vernehmen nach zeigten sich die Manager überzeugt, schließlich kommt dem aus der Studie resultierenden Serienmodell A9 eine besondere Bedeutung zu: Er soll als neue Baureihe oberhalb der Luxuslimousine A8 eine Offensive in der besonders renditestarken Oberklasse anführen. In diesem Segment lag Audi mit den aktuellen Modellen A6, A7 und A8 hinter Mercedes und BMW. Die Münchner verkauften 2013 rund 451.000 Oberklasse-Fahrzeuge, die Stuttgarter 403.000. Audi lag mit 353.000 Exemplaren ein gutes Stück zurück.

Auch der Innenraum entspricht bis auf den Tachoskalen mit markantem RS6-Logo und überarbeiteten Zifferblättern als dezentem Hinweis weitgehend den zivilen Modellen. Natürlich finden sich im Menü ein paar weitere Einstellungen zu den Performance-Features, das war es. Wer mit dem Audi-System vertraut ist, wird sich sofort zurecht finden, Neueinsteiger sind schnell in der Materie.

In puncto Verarbeitung geht der teuerste Kombi aus Ingolstadt keine Kompromisse ein und bietet feinste Qualität. Nur das mit den 560 PS, das wird an den Fans nagen. Zumal diese sich ja schon leise Hoffnungen auf einen RS6 Plus gemacht haben mit 600 galoppierenden Pferden. Doch jetzt kommt erstmal das Facelift auf den Markt, und dann darf wieder etwas spekuliert werden.

Vielleicht werden die RS-Liebhaber ja auf einer der nächsten großen Automessen überrascht, und es gibt doch noch ein kleines Leistungsplus. Dann muss das Auto eben nochmal getauscht werden. Audi wird’s freuen, die Fans auch.

Die Preisliste startet bei 109.200 Euro Quelle: Audi

Der stets mit 20-Zöllern bestückte Avant kann auch ganz ruhig. Die Kraftübertragung erfolgt dank Achtstufen-Wandlerautomatik seidenweich, die Gangwechsel genauso; und adaptive Luftfedern wiegen den Oberbayern sanft.

Technische Daten:

Viertürige, fünfsitzige Kombi-Businessklasse der Highend-Liga, Länge: 4,98 Meter, Breite: 1,94 Meter, Höhe: 1,46 Meter, Radstand: 2,92 Meter. Motor: 4,0-l-Achtzylinder-Doppelturbo-Direkteinspritzer, 412 kW/560 PS, maximales Drehmoment: 700 Nm bei 1.750 bis 5.500 U/min, Vmax 250 (305) km/h, Beschleunigung: 0 - 100 km/h in 3,9 Sek., Durchschnittsverbrauch: 9,6 l/100 km, CO2-Ausstoß: 223 g/km, Effizienzklasse E, Preis: ab 109.200 Euro.

Kurzcharakteristik:
Alternative zu: Mercedes E 63 AMG T-Modell
Passt zu: Käufern, die ein gewisses Understatement und Praxistauglichkeit schätzen
Sieht gut aus: in schrillen wie schlichten Farben
Wann er kommt: sofort lieferbar

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