Fahrbericht: Ducati Scrambler Desert Sled
Lässig zwischen Sand und Stadt

Ducati erweitert das Programm seiner Untermarke Scrambler um ein schickes Lifestyle-Motorrad, das aus dem gewohnten Baukasten fällt: Die Ducati Scrambler greift die Allround-Tugenden von Universalmotorrädern auf.

Schnee an den Stränden der Costa del Sol und eine Ducati im Stil der Ur-Enduro Yamaha XT 500 – undenkbar? Keineswegs, wie die Premiere der knapp 11.000 Euro teuren Ducati Scrambler Desert Sled beweist. Im andalusischen Schneetreiben wirkt die Ducati flüchtig betrachtet wie die Enkelin der legendären XT – purer Zufall, sagen die Italiener, denn abgesehen von der markanten Silhouette mit den hohen Kotflügeln und der zufällig passenden Farbwahl in Weiß-Rot mit goldenen Felgen haben die beiden nichts gemein.

Naturgemäß unterschiedlich fällt die Antriebsquelle aus. Während damals ein polternder Einzylinder die Plomben lockerte, arbeitet in der Desert Sled der gleiche kultivierte 803 cm³ große 90°-V-Motor wie in allen Scrambler-Modellen. Der luft-ölgekühlte Zweiventiler liefert vernünftige 75 PS bei einem durchzugsfreudigen Drehmoment von 68 Nm bei 5.750 U/min ab und atmet dabei erfreulich knackig durch den doppelläufigen Stummelauspuff.

Über das gesamte Drehzahlband zeigt der Desmo-Twin eine hohe Laufkultur bei gleichmäßigem Durchzug, der Antritt könnte jedoch pfeffriger sein – eine weniger progressive Gasgriffübersetzung im ersten Drittel der Öffnung macht das Ansprechverhalten handzahm und butterweich, fast wie bei einem Regenmodus. Ganz ohne Kritik kommt auch das Sechsganggetriebe nicht davon, das mitunter ein wenig hakelig auf Gangwechsel reagiert.

Insgesamt ist die Motorabstimmung aber ziemlich gut dazu angetan, Novizen und Geländeneulingen das Zweirad-Leben leicht zu machen. Die guten Manieren, der prima Durchzug und die kontrollierbare Leistungsabgabe erlauben dem Piloten die volle Konzentration auf das Fahrgeschehen.

Um dieses wunschgemäß hinzubekommen, mussten sich die Ducati-Fahrwerksentwickler mächtig ins Zeug legen. Als Ausgangsbasis wählten sie die Scrambler Urban Enduro, die ihre Geländegängigkeit nur im Namen, nicht in der Ausstattung trägt – bis auf Motor, Tank, Schalldämpfer und einige Kleinteile ist an der Desert Sled alles neu: Das offroadtaugliche 19-Zoll-Vorderrad, die Speichenräder, neue Federelemente mit deutlich mehr Federweg, eine 2,5 Zentimeter längere und steifere Schwinge und eine geänderte Rahmen-Motor-Konstruktion – die Desert Sled darf mit Fug und Recht als neues Modell bezeichnet werden.

Als eins mit reichlich Hüftspeck, und doch wirkt sie beim Aufsitzen gut beherrschbar. Denn die strammen 86 Zentimeter Sitzhöhe verlieren sich in der sehr soften Abstimmung, und die gelungene Sitzbankkontur sorgt dafür, dass auch Kleinere einen guten Bodenkontakt bekommen. Bequem sitzt es sich auf der fast geraden Sitzbank, nur der Lenker ist eine Spur zu weit vorne.

Dessen ungeachtet zeichnet sich die Ducati durch ein stabiles Kurvenverhalten ohne Nervosität aus, das leichtfüßige Handling-Niveau ihrer Scrambler-Geschwister erreicht sie indes nicht. Reichlich defensiv geht die Einscheibenbremse im Vorderrad trotz Vierkolben-Radialzange zu Werke, so dass das ABS nur höchst selten einzugreifen braucht.

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