Fahrbericht Infiniti Q60 : Schick, sportlich, unpraktisch

Fahrbericht Infiniti Q60
Schick, sportlich, unpraktisch

Mit dem Q60 bringt Nissans-Nobeltochter Infiniti ein Coupé der alten Schule: schick und sportlich, aber auch eng und unpraktisch. Den Q60 bestellt man eben nur, wenn man etwas wirklich Besonderes will.
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Schon seit Jahrzehnten versucht Toyotas Edel-Ableger Lexus in Deutschland Fuß zu fassen, und kommt doch nicht so recht auf einen grünen Zweig. Ein Schicksal, das man 2008 auch der Nissan-Nobeltochter Infiniti vorausgesagt hat, als sie meinte, Deutschland erobern zu müssen. In den ersten Jahren schien es, als sollten die Kritiker recht behalten. Doch inzwischen kommen die Japaner in Fahrt: Immerhin 2.179 Fahrzeuge wurden 2016 unters Volk gebracht.

Das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr und keine 300 weniger als Lexus absetzen konnte. Damit dieser Trend anhält, baut Infiniti sein Modell-Angebot weiter aus: Ab sofort steht das Mittelklasse-Coupé Q60 bei den bundesweit elf Händlern. Zu Preisen ab 44.500 Euro tritt der Infiniti gegen Audi A5, 4er BMW und Mercedes C-Klasse Coupé an.

Der Q60, also die zweitürige Ausgabe der Limousine Q50, ist ein Coupé alter Schule. Das heißt, die Proportionen stimmen, die Motorhaube ist lang, das Heck kurz, das Dach fällt schnittig ab und überhaupt ist die geschwungene 4,69-Meter-Karosserie ein Hingucker. Zumal das muskulöse Heck, die scharfen Scheinwerfer und der große Kühlergrill durchaus für einen kraftvollen Auftritt sorgen.

Gleichzeitig verkörpert der Q60 aber auch bilderbuchmäßig die Nachteile eines Coupés: Er ist eng, unpraktisch und unübersichtlich. Die beiden Rücksitze sind eine bessere Ablage, wobei man schon größere Taschen nur schwer in den Fond befördern kann; der Kofferraum schluckt mit 342 Litern nicht gerade viel Gepäck und auch das Cockpit ist keinesfalls großzügig geschnitten. Dazu kommen wenig Ablagen und keine besonders gute Rundumsicht.

Das alles machen die deutschen Premium-Hersteller mittlerweile besser. Aber wer solche Maßstäbe anlegt, kauft ohnehin keinen Infiniti. Den Q60 bestellt man, weil man etwas Besonderes will. Und das ist er auf jeden Fall, schließlich ist – Aufschwung hin oder her – vielen Deutschen nicht mal die Marke ein Begriff.

Während die Japaner bei ihren kleineren Modellen Q30 und QX30 auf die Plattform der Mercedes A-Klasse und des GLA zurückgreifen, haben sie für den Mittelklässler nur den Motor in Stuttgart bestellt: den 155 kW/211 PS starken Zwei-Liter-Turbo-Benziner, der im Q60 als Einstiegsaggregat arbeitet und seine Kraft serienmäßig über eine Siebengang-Automatik an die Hinterräder abgibt. 350 Newtonmeter Drehmoment versprechen eigentlich kräftigen Antritt und ordentlichen Durchzug, doch müssen hier über 1,7 Tonnen Leergewicht bewegt werden. Heißt in Zahlen: Der Standardsprint dauert mindestens 7,3 Sekunden, und der Normverbrauch von 6,8 Litern ist Utopie.

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