Fahrbericht
Kawasaki Versys 1000: Ehrliche Eigenständigkeit

Kawasaki mischt nun auch bei den großen Reisemotorrädern mit. Doch die neue Versys 1000 gibt gar nicht erst vor, ein Geländegänger zu sein, und bereichert das Segment für 11.995 Euro um ein neues Motorenkonzept.
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Costa AdejeAm Anfang war der Einzylinder, dann kam der Boxer und mit ihm der Siegeszug der BMW GS, in dessen Sog weitere Konzepte mit Vau-Motoren und Dreizylindern auftauchten. Die Rede ist von Reiseenduros, jenen mächtigen Motorrädern, deren Aufmachung schon im Stand das ungebändigte Abenteuer einer Weltumrundung verströmt.

Dass nur ein verschwindend geringer Teil der Besitzer diese Gefährte tatsächlich abseits befestigter Pfade bewegt, geschweige denn, eine Reise in ferne Länder plant, tut der Beliebtheit keinen Abbruch – im Gegenteil: Europaweit erfreuen sich die als Großenduros getarnten Reisemobile im Gegensatz zu anderen Zweiradsegmenten eines stabilen Zuspruchs.

Von diesem lukrativen Kuchen möchte sich Kawasaki endlich auch ein Stück abschneiden; als letzter der großen Zweiradhersteller offerieren die Grünen mit der Versys 1000 ein adäquates Produkt. Dabei fällt der Neuling ein wenig aus dem bekannten Rahmen: Zwar bewahrt er die typisch langbeinige Silhouette, die komfortable Unterbringung und die hochwertige Ausstattung der Artgenossen, doch die Versys tritt mit dem ersten Reihenvierzylinder der Gattung an und gibt dabei ehrlich zu, für gelegentliche Geländeausritte nicht geeignet zu sein.

Die große Schwester des beliebten Mittelklasse-Allrounders Versys 650 zeigt eine starke Familienähnlichkeit, die von der charakteristischen Front mit dem unüblichen Scheinwerfer-Design und kantigen Verkleidungsteilen geprägt wird. Das dicke Sitzbank-Polster in 845 Millimetern Höhe bietet ein sehr bequemes Plätzchen mit gutem Bodenkontakt auch für Durchschnittsgroße. Die breite Lenkstange liegt gut zur Hand und erlaubt eine aufrechte Oberkörperhaltung, recht tief angebrachte Rasten sorgen für entspannte Kniewinkel – in einem solchen großzügigen Ambiente lässt es sich stundenlang ermüdungsfrei touren.

Kommentare zu " Fahrbericht: Kawasaki Versys 1000: Ehrliche Eigenständigkeit"

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  • Fahr die VERSYS und urteile erst danach!
    Die Kawa kopiert überhaupt gar nix von BMW sondern erzeugt ein ganz neues Segment: eine Zwiebacksäge in einem bequemem Chassis.
    Mich selbst hat noch nie ein Motorrad so sehr begeistert...

  • die "kopie" ist:
    1. dynamischer
    2. bequemer
    3. laufruhiger
    4. wesentlich günstiger (trc serienmäßig)
    eine ausgedehnte probefahrt würde helfen, die gs-brille abzunehmen.

  • "Reiseenduros" sind so HIP, wie die kleinen SUV-Baureihen im Autobereich, die nicht als VANs verkauft werden müssen. BMW mit der X- und AUDI mit der Q-Baureihe sind hier ein Erfolgsmodell.

    BMW prägt, wahrscheinlich selbst völlig überrascht, den Urtyp des "Reiseenduromotorrades" und verkauft es noch heute "wie geschnittenes Brot". Das reizt andere gewaltig mit an diesem Spektrum zu verdienen und eifern kräftig nach.

    Es fällt jedoch schwer, da auch im Motorradbereich so langsam es nicht mehr zieht "immer mehr PS" und "immer größere Motoren". So bleibt der Eindruck, dass da immer mehr Kopisten daherkommen.

    Warum soll der Kunde fast 12.000 Euro für eine Kopie ausgeben, wenn das Orginal sich in ähnlichen Preisklassen befindet ?
    Warum soll ein Kunde den Kettenantrieb wählen, wenn er im Original den Kardanantrieb vorfindet ?

    Wenn die Anzahl der Kopistenmodelle steigt, heißt es nicht unbedingt, dass diese Marktanteile gewonnen werden können.

    Eigentlich hätte man von KAWASAKI mehr erwarten können, als eine Pflichtübung aus so einen reichhaltigen Unternehmen:
    http://www.khi.co.jp/english/product/index.html

    Es wurde aber nur ein standardisiertes Kettenantriebsmotorrad. Stände nicht "KAWASAKI" auf dem Motorrad ist das Design so austauschbar, dass es auch eine x, y oder z-Marke sein könnte. Neben der technologischen Wahl des billigeren Kettenantriebes ist kein wirklicher Technologiesprung erkennbar: Kein Hybridantrieb, kein passiver Sicherheitsschutz-Technologiesprung, keine Designinnovation.

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