Fahrbericht McLaren 650S
Der Flügelflitzer

Mit dem 12C ist McLaren ein brillanter Sportwagen gelungen – doch nach gerade einmal drei Jahren Bauzeit hat er ausgedient. Kein Problem, denn mit dem 650S steht bereits sein Nachfolger in den Startlöchern.
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DüsseldorfIn der Autobranche ist es gang und gäbe, dass ein Modell nach drei oder vier Jahren Bauzeit überarbeitet und so für die nächsten drei Jahre aufgefrischt wird. „Modellpflege“ heißt das dann meist oder „Facelift“, da oftmals Scheinwerfer und Kühlergrill an das neue Markendesign angepasst werden. Eine kleine Schönheitsoperation eben.

Beim jüngst überarbeiteten VW Polo etwa wurde nichts am Blechkleid geändert, die Neuerungen fanden größtenteils unter der Haube statt. Selbst Experten fällt es schwer, einen überarbeiteten Polo anno 2014 von dem Vorjahresmodell zu unterscheiden.

Das ist das eine Extrem.

Doch es gibt auch Fälle, da werden nach drei Jahren Bauzeit 25 Prozent aller Teile an einem Auto erneuert, wie etwa beim McLaren 12C. Und da die Änderungen so tiefgreifend sind, gibt es auch gleich einen neuen Namen: 650S heißt die Carbonflunder aus England jetzt.

Seit McLaren das 12C Coupé im Jahr 2011 auf den Markt brachte, hat sich am Stammsitz in Woking einiges getan. In dieser Zeit haben die Ingenieure den 916 PS starken Supersportwagen P1 entwickelt – und dabei einiges gelernt, was auch den kleinen Bruder zu einem besseren Auto machen würde. Dazu kam noch das Feedback der über 3.500 Kunden, die einen 12C ihr Eigen nennen dürfen. Alles ist in den 650S eingeflossen.

Einer der Änderungswünsche war schnell umgesetzt: Das Firmenlogo an der Front wurde durch einen McLaren-Schriftzug ersetzt. Obwohl vom Formel-1-Rennstall bekannt, brachten viele die orangefarbene Sichel nicht mit McLaren in Verbindung. Und der ein oder andere Kunde war es wohl leid, dem Nachbarn zu erklären, was da eigentlich vor der Garage steht.

Deutlich repräsentativer wirkt jetzt auch die neu gestaltete Front. Nicht, dass der 12C ein langweilig designtes Auto gewesen wäre, aber das an den P1 angelehnte Design sieht dynamischer aus – und lässt natürlich die Verwechslungsgefahr mit dem 1,1 Millionen Euro teuren Exoten deutlich steigen. Doch die neu gestaltete Front hat auch einen ganz praktischen Nutzen: Sie erzeugt jetzt 25 Prozent mehr Abtrieb, was das Fahrverhalten besonders in Kurven verbessert. Insgesamt wird der 650S dank seiner ausgeklügelten Aerodynamik 40 Prozent stärker auf die Straße gepresst.

Zu mehr Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten trägt auch der überarbeitete Heckflügel bei. Dank einer dem aus der Formel 1 bekannten DRS-ähnlichen System setzt das Auto den verstellbaren Spoiler bestmöglich ein: Bei hohen Geschwindigkeiten stellt er sich flach, um den Luftwiderstand zu verringern. Beim Bremsen stellt er sich auf, um als Luftbremse die Verzögerung zu erhöhen. Bei Stadttempo fährt er ganz ein, um das Design nicht zu stören.

Wenn ein Viertel aller Teile an einem Sportwagen neu sind, bleibt natürlich der Motor nicht unangetastet. Das Leistungsplus von 25 auf jetzt 650 PS – Sie vermuten es schon, daher kommt auch der Name des Modells – ist selbst bei Vollgas kaum spürbar. Es war vorher brachial schnell, es ist jetzt brachial schnell. Der 3,8 Liter große Bi-Turbo-V8 katapultiert den 650S in 3,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h, bei Tempo 330 ist Schluss.

Was aber spürbar ist, ist das auf 678 Newtonmeter gewachsene Drehmoment und die Art und Weise, wie es einsetzt. Bereits ab 2.500 Umdrehungen steht mehr Schub zur Verfügung als dem Punktekonto womöglich lieb ist. Das beim 12C noch ausgeprägte Turboloch ist zwar noch da, aber deutlich kleiner geworden.

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