Fahrbericht: Skoda Karoq Cooler Auftritt und pragmatische Lösungen

Nach dem Kodiaq schickt Skoda jetzt mit dem kleineren Karoq einen weiteres modernes SUV ins Rennen. Das kann natürlich alles besser als sein eigenwillig-kantiger Vorgänger, dem Fans aber trotzdem hinterhertrauern werden.
  • Patrick Broich
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Fahrbericht: Skoda Karoq - Cooler Auftritt und pragmatische Lösungen  Quelle: Skoda
Der Skoda Karoq hat reichlich moderne Helferlein an Bord

Da der Karoq auf dem neuesten VW-Konzernbaukasten für Quermotoren basiert, bekommt er das ganze Angebot an Erwachsenen-Spielzeug mit auf den Weg, von dem nicht alles zwingend nötig, so manches aber der aktiven Sicherheit zuträglich ist.

Die Einführung des kompakten Karoq hat auch etwas Trauriges: Denn schließlich schickt der taufrische Alleskönner den schrulligen, stets auch etwas Lieferwagen-Charme versprühenden Yeti nun in Rente. Offensichtlich wollten die Tschechen bei der Neuauflage eines Kompakt-SUV doch einen größeren Kundenkreis ansprechen. Und der je nach Motor und Ausstattung zwischen 24.290 (85 kW/115 PS, Benziner) und 34.690 Euro (110 kW/150 PS Diesel inklusive Allrad und Automatik) rangierende Fünftürer hat mit seiner Outdoor-Lifestyle-Optik sicherlich das Potenzial, neue Kunden-Gruppen zu erschließen.

Der Karoq verbindet einen leicht burschikosen Auftritt mit futuristischer Anmutung, schafft das vor allem dank seiner länglich gerundeten und mit Karosseriefalten behafteten Radhäuser sowie einer Familienfront, die vor allem mit den technoiden LED-Scheinwerfern (990 Euro) Modernität bekundet. Und auch, wenn Skoda als die pragmatische Marke im Volkswagen-Verbund gilt, so bringt der Karoq – die letzte Silbe aus einer indigenen Sprache übersetzt bedeutet „Pfeil“ – doch eine Portion Coolness mit, ohne es an Sachlichkeit vermissen zu lassen.

Kennen wir uns nicht irgendwoher?
Skoda hat den erfolgreichen Yeti in die ewigen Jagdgründe geschickt
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Das Kompakt-SUV mit dem eigenständigen Design war so beliebt, dass Skoda seit 2009 pro Jahr weltweit über 100.000 Stück verkaufen konnte, 20.000 allein davon in Deutschland. Der Nachfolger heißt nun Karoq, ist Anfang November 2017 ab ca. 21.000 Euro erhältlich.

Er soll „die Verkaufszahlen des Yeti deutlich toppen“, so Skoda-Chef Bernhard Maier. Das dürfte gelingen, denn der Karoq sieht aus, wie ein kleiner Kodiaq, der ja bereits nach wenigen Monaten zum Bestseller avancierte...

Und wofür steht nun Karoq?
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Wie beim großen Bruder Kodiaq, stammt der Name von den Ureinwohnern aus dem Westen des US-Bundesstaates Alaska und bedeutet so viel wie Pfeil, wie der grüne, geflügelte im Skoda-Logo. Karoq steht aber auch für die englischsprachigen Begriffe Car und Rock, also Auto und Felsen, was wohl eindeutig die Geländefähigkeit des schnörkellosen Allrounders unterstreichen soll. 

Er basiert auf dem Seat Ateca
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Der Karoq ist 4,38 Meter lang, 1,84 Meter breit und 1,61 Meter hoch, das sind nahezu die Maße des Konzernbruders Seat Ateca. Kein Wunder, Skodas Kompakt-SUV basiert auf dem selbstbewussten Spanier und wird zusammen mit ihm im tschechischen Skoda-Werk Kvasiny gefertigt.

Aber traditionell hat ein Skoda immer etwas Besonderes zu bieten
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Hier ist es der variable und doppelbödige Kofferraum mit einem Mindestvolumen von 521 Litern, wenn die zweite Reihe umgeklappt wird, sind es gar 1.630 Liter.

Blick in den sehr variablen Laderaum
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Mit der verschieb- und ausbaubaren, aber aufpreispflichtigen Vario-Flex-Rückbank wird der Stauraum zwar noch variabler, aber dann gibt es eine unschöne und unpraktische Stufe hinter der zweiten Sitzreihe.

Dreiteilige Vario-Rückbank
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Vorteil der dreiteiligen Vario-Rückbank: Der Karoq wird mit 1.810 Liter Fassungsvermögen zum Kleintransporter. Und auf allen fünf Sitzplätzen finden auch großgewachsene Passagiere viel Platz.

Skoda Karoq
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Zum Marktstart stehen fünf Triebwerke, zwei Benziner und drei Diesel, allesamt mit Turboaufladung zur Verfügung. 

Letzteren Anspruch verkörpert etwa der doppelte Kofferraum-Boden mit eingebauter Gummi-Matte - indem man den Bodenbelag schlicht umdreht. Außerdem fehlt natürlich der Eiskratzer im Tankdeckel ebenso wenig wie die LED-Taschenlampe oder passend zum Thema Outdoor auch ein Regenschirm. Der steckt unter dem Beifahrersitz, für alle Fälle.

Die Fondsitze präsentieren sich als einzelne, getrennt verschiebbare Möbel, was nicht nur der Sitzergonomie zuträglich ist, sondern auch die Praxistauglichkeit unterstützt – wenn man auf diese Weise beispielsweise etwas Platz im Kofferraum schaffen will. Und mit dem 390 Euro zusätzlich kostenden Varioflex-Sitzsystem gibt es nicht nur einen zum Tisch umfunktionierbaren Mittelsitz, man kann die Stühle auch ganz herausnehmen, so dass über 1.800 Liter Ladevolumen entstehen.

An solchen Details lässt sich erkennen, dass der Karoq ohne Probleme auch für Käufer mit nutzwertigen Hintergedanken passt, etwa bisherigen Yeti-Jüngern. Und letztlich stecken ja unter der Haube auch keine über Gebühr emotionalen Triebwerke, wenngleich der Karoq natürlich solide motorisiert ist.

Ein Blick in den schicken Innenraum Quelle: Skoda
Jetzt ohne Lautstärke-Drehregler

Der Karoq ist der erste Skoda ist, für den es ein virtuelles Kombiinstrument gibt.

Besonderes Augenmerk liegt in der heutigen Zeit auf den beiden Benzinern: Die Basis bildet ein aufgeladener Einliter-Dreizylinder mit 85 kW/115 PS (5,1 l/100km), während der 1,5-Liter-Vierzylinder (5,4 l/100 km) eine Neuentwicklung mit Zylinderabschaltung und variabler Turbinengeometrie ist.

Wer sich selbst jetzt nicht zu den Dauergästen auf der linken Spur zählt und wegen seiner eher geringen Jahresfahrleistung oder allgemeiner Diesel-Phobie mit einem Otto liebäugelt, sollte den 1,0 zumindest einmal zur Probe fahren. Er ist zwar kein Giftzwerg, beschleunigt den 1,3-Tonner aber hurtig und braucht lediglich ein bisschen mehr Drehzahl, wenn es ans Überholen geht.

Wahrlich bemerkenswert ist jedoch, wie die Techniker dem kleinen Motörchen die schlechten Manieren aberzogen haben. Man erkennt den Dreizylinder natürlich an der Klangfarbe, Lärm oder Vibrationen bleiben jedoch aus. Wer es doch gelegentlich mal zügiger mag, sollte aber eher neuen Einspunktfünf in Betracht ziehen. Auch mit ihm wird der Karoq jetzt nicht gerade zum Athleten, aber er geht deutlich fülliger zu Werke und macht aus dem Skoda einen souveränen Tourer.

Der Karoq ersetzt den Yeti Quelle: Skoda
Der Karoq ersetzt den Yeti

Bei der Fahrwerk-Auslegung haben die Tschechen Milde walten lassen und das SUV so zu einem geschmeidigen Gleiter geformt

Gleiches gilt freilich auch für den ebenfalls 110 kW/150 PS starken Diesel (4,4 bis 5,2 l/100 km), der für Langstreckler die erste Wahl sein sollte. Etwas später wird auch das 140 kW/190 PS-Aggregat in der Preisliste erscheinen. In Verbindung mit variablen Allrad und dem manchmal ein wenig ruppigen Doppelkupplungsgetriebe wird das kompakte SUV dann zur geräumigen Multifunktionswaffe.

Bei der Fahrwerk-Auslegung haben die Tschechen übrigens Milde walten lassen und den Karoq so zu einem geschmeidigen Gleiter geformt. Toll, wie die Feder-Dämpfer-Einheiten insbesondere kurze Bodenwellen einfach wegschlucken – der sanfte Nachschwung bei typischen Autobahn-Wellen ist die Kür. Wer hierauf besonderen Wert legt, sollte aber maximal bei 18-Zoll-Felgen bleiben.

Bleibt das Assistenz-Kapitel. Da der Karoq auf dem neuesten VW-Konzernbaukasten für Quermotoren basiert, bekommt er das ganze Angebot an Erwachsenen-Spielzeug mit auf den Weg, von dem nicht alles zwingend nötig, so manches aber der aktiven Sicherheit zuträglich ist.

Freihand-Fahren beispielsweise geht jetzt bis zu 20 Sekunden – so lange halten die elektrische Aktiv-Lenkung nebst Sensorik den Tschechen in der Spur, bis das Alarmsignal den Fahrer auffordert, das Steuer wieder zu übernehmen. Glatte 1.500 Euro Mehrpreis erfordern Spurhalte-Kontrolle plus aktiver Tempomat, und das Geld ist durchaus gut investiert, denn in Stop-and-Go-Situationen ist dieses Feature Balsam für geschundene Autofahrer-Nerven.

Dass der Karoq von der technischen Basis bis hin zur Materialverarbeitung ein sehr gutes Auto ist, würden selbst seine ärgsten Kritiker kaum bestreiten können. Aber eine dringende Bitte hätten wir dann doch noch an Skoda: Führt um Himmels Willen den Lautstärke-Drehregler wieder ein!

Die Justierung über die Plus-Minus-Felder ist einfach unpraktisch, darüber tröstet selbst das beste Infotainment mit schickem Glas-Display inklusive (überflüssiger) Gestensteuerung nicht hinweg. Und auch nicht die Tatsache, dass der Karoq der erste Skoda ist, für den es ein virtuelles Kombiinstrument gibt. Ein bisschen mehr Yeti wäre an dieser Stelle, aber nur an dieser Stelle, dann doch wünschenswert.

Der Fond ist sehr einladend Quelle: Skoda
Bick in die zweite Sitzreihe

Der Fond ist sehr einladend

Skoda Karoq - Technische Daten: Länge: 4,38 Meter, Breite: 1,84 Meter, Höhe: 1,60 Meter, Radstand: 2,64 Meter, Kofferraumvolumen: 479 bis 1.810 Liter. Antriebe:
1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner, 6-Gang-Schaltgetriebe (Siebengang-Automatik mit Doppelkupplung), 85 kW/115 PS, maximales Drehmoment: 202 Nm bei 2.000 bis 3.500 U/min, Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 10,6 Sek., Vmax: 187 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,2 Liter, CO2-Ausstoß: 117 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: A, Preis: ab 24.290 Euro.
1,5-Liter-Vierzylinder-Ottomotor mit Turboaufladung und variabler Turbinengeometrie, 6-Gang-Schaltgetriebe (Siebengang-Automatik mit Doppelkupplung), 110 kW/150 PS, maximales Drehmoment: 250 Nm bei 1.500 bis 3.500 U/min, Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 8,4 Sek., Vmax: 204 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,4 Liter, CO2-Ausstoß: 122 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: A, Preis: ab 26.490.
2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel, Siebengang-Automatik (Doppelkupplung), Allradantrieb, 110 kW/150 PS, maximales Drehmoment: 340 Nm bei 1.750 bis 3.000 U/min, Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 9,3 Sek., Vmax: 195 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,2 Liter, CO2-Ausstoß: 135 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: A, Preis: ab 33.090 Euro.

Skoda Karoq– Kurzcharakteristik:
Warum kaufen? Ein cooler und nützlicher Allrounder mit einer satten Portion Fahrkomfort
Warum nicht: weil man über den Verlust den Yeti einfach nicht hinwegkommt
Was sonst: Audi Q2, Nissan Qashqai - aber auch BMW X1 oder VW Tiguan als etwas größere Alternativen
Wann kommt er: 4. November
Was kommt noch: schwächere und stärkere Diesel

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