Fahrbericht: Subaru Impreza Der etwas andere Kompakte

Für eigenwillige Querdenker-Marken ist heute auf den Mainstream-Märkten kaum noch Platz. Subaru versucht es trotzdem unentwegt. Jetzt wieder mit dem Impreza in der hart umkämpften Kompaktklasse.
  • Peter Eck
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  • Spotpress
Allradantrieb ist an Bord Quelle: Subaru
Der neue Subaru Impreza

Ganz typisch für die Marke: Allradantrieb ist immer an Bord, ein Boxer-Motor ebenfalls

Die Kompaktklasse platzt, was die Modellvielfalt angeht, aus allen Nähten, fast jeder Hersteller hat hier ein Fahrzeug im Angebot. Und an allen Produkten ist qualitativ und optisch wenig auszusetzen – allerdings sehen sich die Autos häufig auch erschreckend ähnlich, warten mit vergleichbaren Motoren, Systemen und Ausstattungen auf. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet schon seit nunmehr 25 Jahren der Impreza, der nun in der fünften Generation auf den Markt gekommen ist.

Sein Hersteller Subaru setzte stets auf Boxermotoren und Allradantrieb, verbunden mit äußerst zurückhaltendem, um nicht zu sagen biederem Design, einer eher funktionalen Innenausstattung, dafür aber einer überragenden Langzeitqualität. In Deutschland erreichte der japanische Hersteller zwar mit dem sportlichen Ableger WRX STi einige Bekanntheit, die sich aber kaum in erhöhten Verkaufszahlten niederschlug. Auch die jetzt vorgestellte neue Impreza-Generation wird hierzulande nicht zum Verkaufsschlager werden, zu unbekannt ist die Marke und zu viele Einschränkungen muss der Käufer auch heute noch hinnehmen.

Innen überzeugt der Impreza mit einem aufgeräumten und sauber verarbeiteten Cockpit Quelle: Subaru
Innen überzeugt der Impreza mit einem aufgeräumten und sauber verarbeiteten Cockpit

Dem CVT-Getriebe mit sieben programmierten Fahrstufen konnten die Ingenieure die für diese Bauart typische Schwäche des „Gummibandeffekts“ nicht ganz austreiben.

So gibt es den Fünftürer weiterhin nur mit Allradantrieb. Das wäre angesichts des Markenimages nur konsequent, aber dass Subaru den Impreza lediglich mit zwei Boxer-Benzinern anbietet, wirkt dann doch etwas dünn. Zumal das kleinere der beiden Aggregate, ein 1,6-Liter mit 84 kW/114 PS zu Preisen ab 21.980 Euro, für diese Klasse doch ziemlich schlapp daherkommt. Viel besser macht der 2,0-Liter mit 115 kW/156 PS seine Sache, aber hier werden dann auch schon 26.980 Euro fällig.

Damit ist er über 2.000 Euro teurer als ein ähnlich motorisierter VW Golf, was aber vor allem an der sehr guten Ausstattung liegt. So ist nicht nur der Allradantrieb stets Serie, sondern auch ein CVT-Automatikgetriebe und einige Funktionen des bei Subaru „Eyesight“ genannten Assistentenpakets.

Das CVT-Getriebe mit sieben programmierten Fahrstufen entpuppt sich bei ersten Probefahrten dabei als deutlich besser als erwartet, so ganz konnten die Ingenieure die für diese Bauart typische Schwäche des „Gummibandeffekts“ aber nicht eliminieren. Drehzahlhöhe und Beschleunigung fallen vor allem bei sportlicher Fahrweise doch zu deutlich auseinander, mehr noch, der Motor heult auf, ohne dass seine Akustik gleich in Vortrieb umgesetzt wird.

Einen Dieselmotor gibt es wie schon im Vorgänger nicht mehr Quelle: Subaru
Einen Dieselmotor gibt es wie schon im Vorgänger nicht mehr

Von den beiden Benzin-Motorisierungen empfiehlt sich die 2-Liter-Variante

Zudem raubt die Automatik gefühlt einige der ohnehin nicht übermäßig vielen Pferdestärken. Was zu Folge hat, dass der kleine Motor wirklich nur für arg zurückhaltende Fahrer eine Alternative sein dürfte, beim großen Aggregat ist der Durchzug in Ordnung, allerdings wirkt auch der 2,0-Liter nicht gerade sportlich. Beide Motoren sind zudem nicht sparsam, weder auf dem Papier (6,2 bzw. 6,6 Liter auf 100 Kilometern), noch in der Wirklichkeit, wo der 2,0-Liter schon ein wenig mehr Fahrspaß mit Verbräuchen Richtung zehn Liter bestraft.

Dafür überzeugt der Impreza mit einem aufgeräumten und sauber verarbeiteten Innenraum, mit allerdings nicht an jeder Stelle hochwertigen Materialien. Außerdem gibt es mehr Platz auf den Rücksitzen; der Radstand wuchs gegenüber dem Vorgänger um 2,5 Zentimeter auf nun klassenübliche 2,67 Meter. Positiv bemerkbar machen sich vorne wie hinten auch die zusätzlichen 3,5 Zentimeter Breite. Das Kofferraumvolumen von 385 Liter (+ 5 Liter), durch Umlegen der Rücksitze auf maximal 835 Liter erweiterbar, geht ebenfalls in Ordnung.

Nochmals zum Innenraum: Nach europäischen Maßstäben ist das wie das Außendesign immer noch eher sachlich gehaltene Interieur trotz weicherer Kunststoffe und zumindest in den höheren Ausstattungsklassen feinem Leder zwar höchstens Mittelmaß, dem altgedienten Impreza-Fahrer wird es allerdings wie eine völlig neue Welt vorkommen. Dazu passt das neue, sehr geschmeidige Fahrwerk, das die Insassen nicht mit falsch verstandener Sportlichkeit foltert, sondern sie kommod über Unebenheiten führt und Bodenwellten sanft wegschaukelt.

Immer an Bord ist nun zudem ein stufenloses Automatikgetriebe Quelle: Subaru
Fünf Jahre Garantie gewährt der Hersteller

Die fünfte Impreza-Generation steht auf einem überarbeiteten Fahrwerk. Bei dem Kompakten wurden 80 Prozent der Teile überarbeitet oder neu angeordnet. Die neue globale Plattform zielt auf dynamisches Fahrverhalten und verbesserte Sicherheitswerte ab.

Vergessen wir mal den schwachbrüstigen 1,6er und konzentrieren uns auf den 2.000 Euro teureren 2,0-Liter als deutlich attraktivere Variante. In der Basisausstattung „Comfort“ für knapp 27.000 Euro finden sich neben dem obligatorischen Allradantrieb und dem Automatikgetriebe auch bereits eine Klimaautomatik, Licht- und Regensensor, Rückfahrkamera, beheizbare Vordersitze, DAB-Radio, ein 8-Zoll-Display und Apple/Android-Anbindung. Zudem sind ein Notbremssystem inklusive Kollisionswarner, ein aktiver Spurhalteassistent und eine adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung immer an Bord.

Für 1.500 Euro mehr (knapp 28.500 Euro) erhält der Impreza-Fahrer in der „Exklusive“-Ausstattung zum Beispiel ein Navi, einen schlüssellosen Zugang und die um Spurwechsel-, Totwinkel- und Querverkehrsassistenten erweiterte Eyesight-Ausstattung. Die Top-Ausstattung „Sport“ (31.700 Euro) bietet zusätzlich Ledersitze, 18-Zoll-Felgen, ein Glasschiebedach und vor allem eine elektrisch geregelte Drehmomentenverteilung (Active Torque Vectoring).

Im Preis-/Leistungsverhältnis bleibt der Impreza damit auch in der fünften Generation weiterhin attraktiv, zumal fünf Jahre Garantie gewährt werden. Die Kombination aus Allrad, Boxermotor, CVT-Getriebe und dem speziellen, mit zwei Stereokameras arbeitenden Eyesight-System wird vor allem Fahrer anziehen, die diese Exotik zu schätzen wissen und/oder einfach schon immer Subaru fahren.

Trotzdem wird der Impreza in Deutschland weiterhin ein Nischenprodukt bleiben, gerade mal mit 300 Einheiten kalkuliert Subaru-Deutschland-Chef Christian Amenda für den Rest des Jahres. Zehnmal so viele Käufer werden sich dagegen wohl für das Schwestermodell XV entscheiden, einfach weil es eines der zurzeit so gefragten Kompakt-SUV ist. So ganz kann sich eben auch diese ganz spezielle Marke den Zeittrends nicht entziehen.

Subaru Impreza - Technische Daten: Länge: 4,46 Meter, Breite: 1,78 Meter, Höhe: 1,48 Meter, Radstand: 2,67 Meter, Kofferraumvolumen: 385 - 835 Liter. Motoren:
1,6-Liter-Boxer-Vierzylinder-Benziner, 84 kW/114 PS, maximales Drehmoment: 150 Nm bei 3.600 U/min, Allradantrieb, Automatikgetriebe, 0-100 km/h: 11,8 s, Vmax: 180 km/h, Durchschnittsverbrauch: 6,2 Liter, CO2-Ausstoß: 140 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: C, Preis: ab 21.980 Euro (Trend);
2,0-Liter-Boxer-Vierzylinder-Benziner, 115 kW/156 PS, maximales Drehmoment: 196 Nm bei 4.000 U/min, Allradantrieb, Automatikgetriebe, 0-100 km/h: 9,8 s, Vmax: 205 km/h, Durchschnittsverbrauch: 6,6 Liter, CO2-Ausstoß: 152 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: D, Preis: ab 26.980 Euro (Comfort).
Kurzcharakteristik:
Warum kaufen? Weil man einfach ein anderes Kompaktauto will
Warum nicht? Wenig Auswahl – nur zwei Benziner, keine Handschaltung
Was sonst? Peugeot 308, Kia Ceed, Mazda3, Toyota Auris, Renault Mégane
Wann kommt er? Schon erhältlich

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