Fahrbericht: Toyota C-HR
Hauptsache anders

Toyota ist eher Spätzünder bei den kompakten Crossover. Über mangelnde Aufmerksamkeit werden die Japaner sich aber keine Sorgen machen müssen. C-HR-Fans sollten keine Platzangst haben. Und Dunkelheit nicht fürchten.
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Olé! ist der erste Kommentar, der dem Reporter bei der Begegnung mit dem Toyota C-HR in den Sinn kommt. Das liegt sicher am Vorstellungsort Madrid - aber auch an dem Objekt, dass gleich seine Leistungen belegen soll. Denn der kompakte Crossover, den die Japaner ab 21. Januar für mindestens 21.990 Euro (1,2-Liter-Turbobenziner mit 116 PS) anbieten, er ist eine optische Kampfansage.

Allerdings auch ein Angriff auf alle Menschen, die bisher für die Japaner Fahrzeuge designt haben und der traditionellen Toyota-Philosophie folgen: Nur nicht auffallen, brav und stocksolide sein. Der C-HR bricht damit radikal. Die aggressiven Bügelfalten im Blech muss man mögen - oder eben nicht. Wischi-Waschi-Käufer will Toyota nicht.

Aber erst mal auf die Straße. Da lässt das pfeilartige Design ja Großes erwarten in der Klasse der vernünftigen SUV-Fahrer. Mit zwei Motorisierungen tritt der C-HR an: dem 1,2-Liter-Turbobenziner und einem 1,8-Liter-Sauger mit Elektromotorunterstützung, wie er schon im netten Hybrid-Klassiker Prius werkelt. Auf den sollen nach Toyota-Planung 70 Prozent der 14.000 deutschen C-HR-Käufer im kommenden Jahr zugreifen. Der nominal kleinere Motor ist dennoch die klare Empfehlung.

Die aufgeladenen 116 PS stehen dem C-HR gut: Bis Tempo 190 kommt man damit mittels angenehmem Sechsgang-Handschalter munter voran. Wobei der kleine Motor natürlich in Beschleunigung und bei 185 Newtonmeter Drehmoment kein Sportsmann ist. Mit den üblicherweise zwei Menschen plus leichtem Gepäck an Bord wird sich der Fahrer aber nie untermotorisiert fühlen. Und mit dem optionalen variablen Allradsystem macht er sich zumindest auf der rutschigen Wiese ganz beachtlich.

Allrad gibt es im Hybriden (ab 27.390 Euro) nicht - und auch sonst sehen die Leistungen hier deutlich anders aus. Okay, wenn es einem asketischen Sparfuchs allein um den Kampf gegen Spritverbrauch geht, lässt sich mit dem 1,8-Liter-Vierzylinder ohne Turbo durchaus die Vierliter-Verbrauchsgrenze in Angriff nehmen. Das war’s aber auch mit jeglicher Attacke.

Der Hybrid mit dem stufenlosen Automatikgetriebe surrt irgendwie gehemmt voran - und mag sich auch mit Gasstoß nur zum Jaulen, aber zunächst nicht zu spürbarer Beschleunigung zwingen lassen. Hier fühlt sich der Fahrer außer beim Gleiten durch die City immer irgendwie untermotorisiert. Und die 170 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit sind auf der Autobahn auch nicht so schnell in Sicht.

Das zeigt ganz klar, was dem C-HR zumindest in Mitteleuropa und zumindest bei Vielfahrern fehlt: ein knackiger Diesel, wie er etwa im Nissan Qashqai oder Opel Mokka X arbeitet. Doch das wird es bei Toyota nicht geben, obwohl der Crossover ja gerade für diesen Kontinent erfunden, hier entworfen und in der Türkei gebaut wird. Schade vor allem für all jene, die den C-HR als einziges Auto im Haushalt auch für längere Fahrten einsetzen wollen.

Denn auch abseits der City macht der Crossover eine gute Figur - gerade auch für europäische Ansprüche. Der C-HR liegt dank breiterer Spur als der Prius nicht nur im Stand sauber auf der Straße. Auch die Balance zwischen Dynamik bei der Kurvenfahrt und komfortabler Grundabstimmung ist gelungen. Die leichtgängige Lenkung vermittelt guten Kontakt zum Untergrund, die Bremsen sprechen feinfühlig und kraftvoll an.

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Hauptsache anders

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Eine düstere Höhle

Kommentare zu " Fahrbericht: Toyota C-HR : Hauptsache anders"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
    Danke

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