Fahrbericht: VW Arteon
Ein Passat mit Oberklasse-Allüren

Mit dem Arteon zündet VW die nächste Stufe in Sachen autonome Fahrkünste. Wer will, muss sich in der schicken Limousine nur noch aufs Lenken konzentrieren. Kann das neue Top-Modell den eingestellten Phaeton ersetzen?

VW hat ein neues Topmodell. Nach dem stillen Abgang des Phaeton übernimmt nun der Arteon die Rolle des nobelsten Wolfsburgers. Auch wenn es der Name suggerieren mag, ist das neue Flaggschiff kein echter Phaeton-Ersatz, wenngleich der Arteon preislich sogar in Oberklasse-Regionen vordringen kann. Letztlich handelt es sich aber um ein Passat-Derivat, das mit besonderer Aura und einigen Innovationen durchaus Eindruck schindet.

Bereits optisch kann sich der Arteon in wohltuender Weise vom Konsens-Design des Passat abheben. Die Front wirkt breit und flach und versprüht zusammen mit den charakteristischen Tagfahrleuchten gehobenes Überholprestige. Ebenfalls für eine besondere Ausstrahlung sorgen die coupéhafte Silhouette, rahmenlose Türen und bis zu 20 Zoll große Aluräder.

Obwohl der Dachverlauf der Fließheck-Limousine gewisse Einschränkungen beim Raumangebot erwarten lässt, überrascht der VW-Neuling innen mit reichlich Entfaltungsspielraum. Selbst größeren Fahrgästen bietet er viel Luft nach oben. Großzügig ist auch der Fond, der mit guter Kopffreiheit und besonders viel Beinfreiheit punktet.

Sogar der Kofferraum, den man über eine große und auf Wunsch auch elektrisch öffnende Heckklappe erreicht, ist riesig. Im Normalzustand kann das Gepäckabteil 563 Liter aufnehmen, dank der umklappbaren Rückbank wächst das Volumen auf 1.557 Liter und damit auf ein Niveau ausgewachsener Kombis.

Lediglich das rechte Fahrerknie wird in seiner Bewegungsfreiheit durch die wuchtige Mittelkonsole eingeschränkt. Und hier findet sich im haptischen Cockpitbereich auch das einzige Hartplastik. Ansonsten wird der Arteon in Hinblick auf Materialwahl und Verarbeitungsqualität seiner Rolle als Top-VW durchaus gerecht.

Obwohl das Auto voller Technik streckt, präsentiert sich der Arbeitsplatz aufgeräumt, da sich viele Funktionen über den großen Touchscreen in der Mittelkonsole bedienen lassen. Doch braucht es nicht gleich ein Handbuchstudium, um den Arteon fahren zu können. Ohne weiteres Vertun drückt man einfach den Startknopf und legt den Hebel vom Selbstschaltgetriebe auf D. Den Rest erledigt die 4,86 Meter lange Limousine auf Wunsch sogar fast von selbst.

Insgesamt drei Diesel und drei Benziner mit einem Leistungsspektrum von 110 kW/150 PS bis 206 kW/280 PS werden für den Arteon angeboten. Zur Testfahrt standen uns die jeweils stärksten Varianten beider Verbrennungsarten zur Wahl, die ausschließlich in Zwangskombination mit Allrad und 7-Gang-DSG zu haben sind. Mit dem 176 kW/240 PS starken Biturbo-TDI mutiert die VW Limousine zum eindrucksvollen Tempobolzen.

Lediglich 6,5 Sekunden dauert es, bis der 1,8-Tonner aus dem Stand Tempo 100 erreicht; maximal sind 245 km/h drin. Vor allem der bärige Schub der 500 Newtonmeter Drehmoment beeindruckt, zumal dank Allradantrieb die enorme Kraft sehr sauber in Vortrieb umgesetzt wird. Ein Spritsparer ist diese Variante allerdings nicht: Laut VW liegt der Normverbrauch bei 5,9 Liter, ein Wert, den wir bei unserer Probefahrt trotz einiger temporeicher Autobahnabschnitte und einer dank 30 Grad Außentemperatur stark geforderten Klimaanlage mit 6,3 Liter nur knapp verfehlten.

Ebenfalls nur einige Zehntelliter überm Normverbrauch von 7,3 Liter sind wir die Topmotorisierung 2.0 TSI 4Motion unter vergleichbaren Bedingungen gefahren. Dank 280 PS, 350 Newtonmeter und ein im Vergleich zum Top-Diesel um über 100 Kilogramm niedrigeres Gewicht fährt sich diese Variante spürbar agiler. Der Standardsprint dauert nur 5,6 Sekunden, maximal sind 250 km/h möglich.

Unterm Strich ist der starke Benziner klar im Vorteil. Er bietet die besseren Fahrleistungen, eine angenehmere Laufkultur, verzichtet auf eine Abgasnachbehandlung mit Harnstoff und ist deutlich leichter sowie in der Anschaffung über 2.000 Euro günstiger. Für den Biturbo-Diesel spricht allein der niedrigere Verbrauch, wobei man erst nach gut 100.000 Kilometer Laufleistung mit ihm Geld sparen wird.

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Ein Passat mit Oberklasse-Allüren

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Kontrolliert an den Rand, wenn der Fahrer schlappmacht

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