Fahrtest: BMW R nineT Pure
Purismus vom Feinsten

Die Spreizung der BMW Heritage Familie gebiert immer neue Modelle. Die BMW R nineT Pure, leicht abgemagerte Variante des Verkaufsrenners R nine T, zeigt, dass ein reduzierter Ansatz durchaus glücklich machen kann
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Nein, ungeschickt sind sie nicht in der Marketingabteilung von BMW Motorrad. Erst haben sie die in vielen Details wirklich schön gemachte R nine T gebracht und mit dem verhältnismäßig teuren Retro-Bike einen großen Verkaufserfolg eingefahren: Monatelange Wartezeiten waren 2014 und auch noch 2015 eher die Regel als die Ausnahme.

Mittlerweile dürfte der „Verkaufs-Rahm“ der edlen R nine T zu einem guten Teil abgeschöpft sein, da spannen die drei inzwischen dazugekommenen Versionen Racer, Urban G/S und Scrambler ihre Muskeln und bescheren der Baureihe weiter anhaltende Erfolge. Ganz unten in der Preisliste steht mit 12.300 Euro etwas verschämt die R nine T Pure. Dieses Modell ist trotz reduzierter Ausstattung keine halbe Sache.

Grundsätzlich gilt: Der unveränderte Antrieb durch den luft-/ölgekühlten Zweizylinder-Boxermotor ist auch bei der Pure die reine Freude: Druckvoll, geschmeidig, saftig agiert der Boxer, verleiht beim Bummeln wie beim engagierten Kurvenfressen überragende Souveränität. Auch das Zusammenspiel mit dem Sechsganggetriebe sowie dem Endantrieb über die in der Einarmschwinge rotierende Kardanwelle überzeugt.

Freilich muss man gegenüber den teilverkleideten Versionen Racer und Urban G/S mit etwas höherem Benzinverbrauch rechnen; der Luftwiderstandsbeiwert von Naked Bikes ist nun mal grundsätzlich schlechter. Doch die im Mittel verbrauchten 5,4 Liter pro 100 Kilometer bei meist zügiger Fahrweise sind absolut angemessen.

Gegenüber der Luxus-Variante R nine T wird bei der Pure nur eine konventionelle Telegabel des Herstellers Showa statt einer aufwändigeren USD-Gabel verwendet. Die Abstimmung der Pure-Forke ist vorzüglich gelungen; sie spricht fein auf Unebenheiten an und zeigt sich erst von wirklich grimmigen Widerständen wie extremen Brückenfugen oder durch den Asphalt drückenden Baumwurzeln so beeindruckt, dass dies der Fahrer zu spüren bekommt.

Auch das hintere Federbein mit 12 Zentimetern Federweg wird seiner Aufgabe bestens gerecht. Es ist straff genug abgestimmt für zügiges, auch schnelles Kurvenräubern und zugleich von überraschend umgänglichem Wesen. Vorspannung und Dämpfer-Zugstufe sind variabel.

Sehr reduziert – jedenfalls für BMW-Verhältnisse – gibt sich die Ausstattung der R nine T Pure: Das runde Zentralinstrument zeigt die gefahrene Geschwindigkeit mittels eines Zeigers an, dazu gibt ein kleines LC-Display Aufschluss über Tageskilometer, Uhrzeit und Motoröl-Temperatur. Nicht gefunden haben wir im Display die von BMW in der Verkaufsbroschüre genannte Anzeigefunktion von Durchschnittstempo und Durchschnittsverbrauch. Gestört hat’s uns, ehrlich gesagt, nicht.

Gelangt man nach etwa 270 gefahrenen Kilometern in den Bereich der Benzinreserve, springen eine gelbe Kontrollleuchte sowie ein Zählwerk an; es verdeutlicht die gefahrene „Reserve“-Strecke. Braucht es mehr? Wir jedenfalls haben noch nicht mal den Drehzahlmesser vermisst, denn der drehmomentstarke Boxermotor lässt sich perfekt nach Gehör und Gefühl fahren.

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