Fahrtest Chevrolet Camaro
Viele Pferde für wenig Kohle

Mit einem sensationellen Preis-/ Leistungsverhältnis lockt der neue Chevrolet Camaro: 432 PS und komplette Ausstattung gibts für unter 40.000 Euro. Muscle-Car-Fans sollten aber auf die Automatik verzichten.
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RüsselsheimNach über einem Jahrzehnt Abwesenheit ist er nach Europa zurückgekehrt, in einem aufsehenerregenden Design, sofort erkennbar und absolut modern: Chevrolet hat den Camaro für europäische Straßen auf dem Nürburgring abgestimmt. Mehr Power und Ausstattung für so wenig Geld bietet hierzulande keiner. Das Preis-/ Leistungsverhältnis des amerikanischen Muscle-Cars ist jedenfalls sensationell günstig. Trotz guter Ausstattung und bärigen 432 PS aus 6,2 Litern Hubraum startet der Wagen bei 38.990 Euro.

Bleiben die Fragen: Coupé oder 5.000 Euro extra fürs Cabrio, Automatik oder Schaltung?

Der Camaro macht keine Kompromisse. Massiv und bullig wie ein Preisboxer steht der 4,83 Meter lange Wagen auf der Straße, der Grill mit den kleinen Scheinwerfern schickt seinen bösen Blick in jeden Rückspiegel. In 5,2 Sekunden rennt der Ami-Bolzen mit seinen 432 PS von 0 auf 100 km/h. Wer das ESP ausschaltet, kann mit den fetten, 20-zölligen 275er Hinterrädern schwarze Radierungen auf den Asphalt malen.

Automatik kostet Kribbel-Faktor

Als Antrieb kommt in der Europa-Version nur der 6,2 Liter große V8 mit 569 Newtonmetern Drehmoment und nicht der in den USA ebenfalls erhältliche Sechszylinder unter die Haube. Der V8 mit seinem herrlich bollernden Klang ist kein Kostverächter. Unter 13 Litern pro 100 Kilometer im Schnitt geht trotz moderner Zylinderabschaltung gar nichts, bei sportlicher Fahrweise ist die 16 oder 18 vor dem Komma schnell erreicht.

Wer das Musclecar-Feeling voll auskosten will, sollte den handgeschalteten Camaro wählen. Die etwas knorrige Sechsgangbox ist nichts für zarte Hände, der Pilot muss ordentlich zupacken. Doch die knackig-kurzen Wege machen jeden Schaltvorgang bei forscher Gangart zum Vergnügen.

Nicht, dass man im Alltag viel schalten müsste – mit Hubraum und Drehmoment im Überfluss kann man auch in hohen Gängen entspannt dahingleiten, muss das Gaspedal nur streicheln.

Die Sechsgang-Automatik wechselt die Gänge weich und ziemlich schnell, doch sie nimmt dem Camaro ein Stück Agilität. Mit Automatik ist der Camaro sparsamer als die handgeschaltete Version, dabei ist die Leistung des Motors von 432 auf 405 PS reduziert. Zur Effizienzsteigerung hat er eine Zylinderabschaltung, vier Töpfe nehmen bei geringer Leistungsanforderung nicht an der Arbeit teil. Das soll laut Chevrolet den Durst von durchschnittlich 14,1 auf 13,1 Liter drücken.

Der bollernde V8-Sound geht dabei aber außer bei Vollgas verloren, man bezahlt das Komfort-Plus der Automatik mit einem niedrigeren Kribbel-Faktor.

Chevrolet hat sein Retro-Musclecar für europäische Straßenverhältnisse mit diversen Änderungen versehen. „Das Ausgangspaket hat uns nicht ganz gefallen“, berichtet Technik-Manager Patrick Herrmann von den ersten Fahrten mit dem US-Camaro auf dem Nürburgring. So wurde der an der Hinterachse etwas überdämpfte Wagen unter anderem mit neuen Stabilisatoren und Lagern, anderen Dämpfern und Reifen sowie stärkeren Brembo-Bremsen versehen. Das Ergebnis überzeugt, jedenfalls meistens.

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