Fahrzeug-Sicherheit
„Was piept und nervt, schaltet man aus“

Sechs Fragen zum Thema Assistenzsysteme in Nutzfahrzeugen an Ahmed Benmimoun, Forscher am Institut für Kraftfahrtwesen in Aachen.

Wo gibt es bei Assistenzsystemen für Nutzfahrzeuge neue Entwicklungen?

Es geht bei den Nutzfahrzeugen darum, Unfälle zu vermeiden. Systeme, mit denen man sich detaillierter beschäftigt, sind Notbremssysteme. Dabei ist der Stand der Technik aber noch nicht so, dass man den Unfall komplett vermeiden könnte.

Wo hakt es noch?

Es besteht die Gefahr, dass das System bereits bei einem engen Spurwechsel eingreift, das würde dann eher einen Unfall verursachen als vermeiden. Im Moment muss man deshalb abwarten, bis ein Unfall nicht mehr physikalisch vermeidbar ist. Erst dann kann man intervenieren, um die Kollisionsgeschwindigkeit zu verringern und die Unfallfolgen zu mindern. Bessere Verfahren zur Erkennung der Umgebung könnten es ermöglichen, künftig den Eingriffszeitpunkt zu erweitern, um den Unfall wirklich komplett vermeiden zu können.

Woran wird beim Thema Spurführung gearbeitet?

Systeme, die beim Verlassen der Spur warnen, sind bei den meisten LKWs zu haben. Der nächste Schritt wäre die autonome Spurführung. Der Fahrer würde unterstützt, wenn er droht, die Spur zu verlassen. Das heißt, das Lenkrad wirkt dem entgegen. Er bekommt haptisches Feedback. Im nächsten Schritt könnte das Fahrzeug auf Autobahnen und ausgebauten Landstraßen selbst lenken.

An welchen Punkten muss hier noch geforscht werden?

Es geht nicht mehr um die Funktionalität, sondern mehr um die Schnittstelle zum Menschen und um die Akzeptanz. Die technischen Möglichkeiten sind da und ausreichend getestet. Ein Problem, das noch gelöst werden muss, ist die Berücksichtigung der Varianten: Wie viele Anhänger hat ein Fahrzeug und wie stark sind diese beladen. Das hat einen großen Einfluss auf die Regelung.

Wie ließe sich die Akzeptanz von Assistenzsystemen erhöhen?

Die Fahrer müssen in Feldversuchen verstehen, was die Systeme können und wo deren Einschränkungen liegen. Ein weiterer Aspekt ist die Mensch-Maschine-Schnittstelle. Wenn Sie ein System haben, das die ganze Zeit piept und nervt, schaltet man das aus. Oder wenn es so eingestellt ist, dass es fünfmal Fehlalarm schlägt, bevor es einmal richtig warnt.

Könnten sprachbasierte Lösungen besser ankommen?

Es wäre nicht nur unter dem Gesichtspunkt Akzeptanz, sondern auch unter dem Gesichtspunkt Belastung gut, auf den akustischen Kanal umzuschalten. Der Fahrer braucht seine visuellen und haptischen Ressourcen für die Fahrt. Wenn man überall Leuchten und Blinklichter anbringt, kann es sein, dass diese ablenken. Wenn der Fahrer die Systeme über Spracheingabe bedienen kann und ein akustisches Feedback bekommt, wäre das ein Fortschritt. Die Technik ist aber noch nicht so weit: Die Systeme fallen manchmal aus oder werden durch Hintergrundgeräusche irritiert.

Die Fragen stellte Pia Grund-Ludwig.

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