Faltrad Brompton im Test
Unterwegs mit der Faltrad-Ikone

Wer keine Lust mehr auf Stauchaos im Berufsverkehr hat, sollte auf die Öffentlichen umsteigen. Falls zwischen letzter Haltestelle und Arbeitsplatz noch eine größere Lücke klafft, kein Problem: Ein Brompton hilft weiter.

Ein neuer Job, ein neuer Arbeitsweg. Schon stellt sich die Frage nach der Wahl des Verkehrsmittels. In Gegenden mit reichlich Staustress sind die Öffentlichen meist die bessere Alternative. Klaffen dann jedoch zwischen letzter Haltestelle und Zielort noch ein paar Kilometer, muss zusätzliche Flexibilität her. Zum Beispiel ein Klapprad. Zum Beispiel ein Brompton – eine Faltrad-Ikone mit Kultstatus und vielen Vorzügen.

Gedacht, getan? Die Suche nach einem Angebot kann ziemlich desillusionieren. Das Brompton ist schlichtweg teuer, Rabatte sind nicht vorgesehen. Angesichts günstiger Alternativen von Tern oder Dahon kann man da schnell ins Grübeln kommen. Selbst gebraucht ist kein Schnäppchen zu machen, denn Brompton sind heiß begehrt und sorgen auf Ebay-Auktionen stets für einen Bieter-Run. Finanziell ist es da fast egal, ob man nun neu oder gebraucht zuschlägt.

Und wenn, wie in unserem Fall, ein neues Fahrrad aus dem letzten Modelljahr für gut 1400 statt 1600 Euro angeboten wird, greift man zu. Ein Basis-Brompton kostet rund 1200 Euro, ordert man reichlich Extras, kann sich dieser Preis leicht verdoppeln. Unsere Version ist also ein Mittelweg, mit Extras wie Dreigang-Nabenschaltung, Schutzblechen, Nabendynamo-Lichtanlage und Gepäckträger. Brompton-Puristen mögen jetzt die Nase rümpfen, für gewisse Situationen ist man damit allerdings besser gerüstet.

Für Allwetter-Fahrer sind zum Beispiel Schutzbleche unverzichtbar, während der Gepäckträger eher ein Nice-to-have ist. Eine Dreigang-Schaltung klingt angesichts der Gänge-Geilheit der Velowelt sogar eher nach Verzichtserklärung, doch mehr als sechs Gänge werden von Brompton ohnehin nicht angeboten.

Dabei reichen eigentlich drei Übersetzungsstufen, sofern man etwas flexibel in Hinblick auf die Trittfrequenz ist. Es gibt einen Gang für steile Anstiege, einen zweiten für leichte Steigungen und einen lang übersetzten dritten für alles andere. Lediglich in bergigem Geläuf mit ständig wechselnden Steigungen könnte eine größere Spreizung hilfreich sein.

Für den Kurzstreckeneinsatz in eher flachen Regionen, und dafür wurde das Brompton ja konzipiert, ist das 3-Gänge-Menü gut genug. Als Reiserad taugt das Brompton ohnehin nicht. Zu klein sind die Räder, die nervös und unwirsch auf Unebenheiten reagieren. Hinzu kommt ein harter Sattel, wenngleich die grundsätzlich serienmäßige Hinterradfederung ein wenig Erleichterung bringt.

Immerhin fährt sich das Brompton angenehm wendig, handlich und, sofern man beide Hände am Lenker hält, auch stabil. Strampelfreudigen erlaubt es zudem ein durchaus souveränes Tempo. Als Radfahrer zweiter Klasse fühlt man sich auf dem Brompton nicht. Im Gegenteil, denn man ist ja sogar privilegiert.

Zwischen Bus und Bahn, zwischen Haltestelle und Arbeitsplatz – hier kann der Brompton-Biker seinen großen Trumpf ausspielen. Weniger das Fahren als vielmehr das Falten und die damit einhergehende Flexibilität machen dieses Bike nämlich so praktisch und begehrenswert.

Die englische Traditionsmarke wirbt mit einer 15 Sekunden dauernden Origami-Performance, die dem Nutzer das kleinste Packmaß im Markt beschert. In der Tat geht das Zusammenklappen mit etwas Übung leicht und flott von der Hand.

Danach nutzt man den Sattel als Handgriff und kann das kompakte Paket überall mit hinnehmen. Allerdings: Mit den paar Extras wiegt das Brompton über 12 Kilogramm, die den Tragearm schnell lang werden lassen. Wohl so mancher Brompton-Besitzer träumt von noch leichteren und noch handlicheren Klapprädern. Immerhin: Man kann das Londoner Kultbike alternativ noch wie eine Art Trolly über den Bahnsteig schieben, sollte der Weg zu weit werden.

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Brommi-Fahrer sind Überzeugungstäter

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