Ferrari-Versteigerung
Göttin unterm Hammer

Der 248 F1 ist der letzte Ferrari der Ära Schumacher. Jetzt wird Felipe Massas Dienstwagen, die „rote Göttin“, wie die Ferraristi den Boliden nennen, versteigert. Doch ein alter Rennwagen stiehlt ihm die Show.

Ferraris tragen ja immer sehr nüchterne Namen, die kaum erklären, warum die Blicke aller Männer ins Epikureische abdriften, wenn sie die Zahlenkombinationen herunterstammeln. 248 F1 hieß Schumachers letzter Dienstwagen. 24 steht dabei für den Hubraum (gemessen in Dezilitern), 8 für die Zylinderzahl und F1 für den Einsatzzweck, klar, die Formel 1. Dass Michael Schumacher im besagten Modell auch sein 248tes Rennen fahren würde, könnte auch ein Grund gewesen sein, das Modell in alter Ferrari-Manier der 60er- und 70er-Jahre zu benennen. Sämtliche neueren Modelle wurden nämlich nach dem Einsatzjahr benannt – das aktuelle heißt demzufolge F-2007.

Manchmal sind es solche Kleinigkeiten, die ein Auto zu einem beliebten Sammlerstück machen. Und sollte Felipe Massa eines Tages zum Seriensieger aufsteigen, dann wäre der 248 F1 als das Auto, in dem er seinen ersten Sieg eingefahren hat, ein begehrtes Sammlerstück.

Die „rote Göttin“, wie die Ferraristi den Boliden nennen, hat natürlich einiges mehr zu bieten als nur ein Stück Geschichte. In weniger als fünf Sekunden beschleunigt er auf über 200 Kilometer pro Stunde. Dabei muss der Pilot den Motor ein ums andere Mal auf 19 000 Umdrehungen hochjazzen. Und in weniger als zwei Sekunden steht er dann wieder – dank belüfteter Bremsen aus Kohlefaser. Die Höchstgeschwindigkeit liegt irgendwo um die 350. Aber über solche technischen Details wird in Maranello seit je Stillschweigen bewahrt, ebenso wie über die Leistung. Die wird erst der neue Besitzer messen können. Der Auktionator jedenfalls schätzt sie auf irgendwas um die 815 PS. Das sind rund 200 PS weniger als noch 1985. Kein Wunder, der Dienstwagen anno 2006 war der erste Formel-Ferrari seit rund 40 Jahren, der seine Kraft aus nur acht Zylindern schöpft.

Jedenfalls kann sich ein Sammler den Einsatzwagen von Felipe Massa sichern, wenn er denn eine erkleckliche Summe zu zahlen bereit ist. Das bodennah fliegende Fortbewegungsmittel ist nicht als reines Ausstellungsstück gedacht. Der stolze Zweitbesitzer wird vielmehr von Ferrari auf der Rennstrecke von Fiorano in die Kunst des Formel-1-Fahrens eingewiesen. Außerdem bekommt man zum Kaufpreis noch einen Rennanzug, Handschuhe und Rennfahrerschuhe dazu. Gemeinsam mit einem Wartungspaket für das laufende Jahr geradezu ein Schnäppchen.

Das geschichtsträchtige Fahrzeug wird am 20. Mai in Maranello vom kanadischen Auktionshaus RM versteigert. Neben weiteren Ferraris mit großer Geschichte. Wie der Ferrari 330 TRI/LM von 1962. Das Einzelstück gewann 1962 die Gesamtwertung der 24 Stunden von Le Mans mit Phil Hill und Olivier Gendebien am Steuer. Er ist der letzte Rennwagen von Ferrari mit Frontmotor. Und im Hause RM ist man sich sicher, dass das rote Cabrio locker den Preis des Formel-1-Boliden toppen kann. Vielleicht sogar den 1931er Bugatti Royale Kellner Coupé, der 1987 für 8,7 Millionen Dollar in neue Hände überging.

Ach ja, der Ferrari 330 wurde nach einer anderen Ferrari-Logik benannt: nach dem Hubraum eines einzelnen Zylinders. 330 mal zwölf macht 3 960. Er trug den Beinamen Testa Rossa – roter Kopf. Zerbrechen Sie sich selbigen nicht: Die Zusatzbezeichnung bedeutet, dass der Zylinderkopfdeckel rot lackiert wurde.

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