Ford F-650 Super Duty
Wie ein Doppel-Whopper im Vegetarier-Restaurant

Wo er auftaucht, würdigt man selbst einen Ferrari keines Blickes mehr. Denn der Ford F-650 ist beim besten Willen nicht zu übersehen. Für den gewaltigen Pick-Up lautet das Motto offenbar "Größenwahn auf Rädern". Die Wuchtbrumme aus Amerika ist 6,50 Meter lang und mehr als fünf Tonnen schwer.

dpa-infocom HAMBURG. Daheim in den USA mag der Wagen vielleicht noch als gängiges Nutzfahrzeug für Farmer mit unterentwickeltem Selbstwertgefühl durchgehen, doch für deutsche Autofahrer sprengt er alle Vorstellungen: Die Wuchtbrumme aus Amerika ist 6,50 Meter lang und mehr als fünf Tonnen schwer. Derzeit macht sie bei uns als Showtruck eine kleine Karriere. Denn während Ford in Europa die amerikanischen Pick-ups am liebsten totschweigen würde, weil sie in die umweltbewegte Zeit passen wie ein Doppel-Whopper ins vegetarische Bio-Restaurant, hat der US-Importeur Geiger Cars bereits ein halbes Dutzend Exemplare von Goliaths Dienstwagen über den Atlantik geholt. Und das, obwohl der F-650 mit ein bisschen Chromzierrat stolze 109 000 Euro kostet. Sogar ein Porsche 911 ist da billiger.

Auspuffrohre wie Kaminschlote

Dabei imponiert der F-650 schon im Stand. Wie ein kleiner Junge vor dem Spielwarenladen staunt man angesichts der schieren Größe mit offenem Mund über einen Kühlergrill, der so hoch aufragt und blank poliert ist, dass er glatt als Rasierspiegel durchginge, über die breiten und hinten sogar als Zwillingspaar montierten Gummiwalzen auf den blinkenden Chromfelgen, die einem bis über die Hüfte reichen, und über weit in den Himmel ragende Auspuffrohre, die es mit jedem Kamin aufnehmen können.

Wird der Motor gestartet, meint man im Boden ein leichtes Beben zu spüren. Immerhin stampfen da sechs Zylinder durch zusammen 6,7 Liter Hubraum und machen so viel Lärm wie eine Herde Büffel auf der Flucht durch die Prärie. Überraschend feinfühlig geregelt von einer sechsstufigen Automatik, die wie im LKW mit Drucktasten bedient wird, mobilisiert der Truck-Diesel 238 kW/324 PS und stellt mit einem maximalen Drehmoment von rund 1 000 Newtonmetern jeden Supersportwagen in den Schatten. Zwar ist der F-650 damit nicht sonderlich schnell, sondern braucht bis Tempo 100 länger als Old Shatterhand für eine Friedenspfeife. Aber dafür ist der Pick-up stark - sehr stark sogar. Immerhin kann er bis zu zwölf Tonnen an den Haken nehmen und würde spätestens dann jeden Ferrari stehen lassen.

Der Smart wirkt von oben wie ein Einkaufswagen

Am Steuer des F-650, den man mit einem vor 1999 erworbenen Führerschein auch als PKW-Fahrer lenken darf, fühlt man sich wie ein König und schwebt förmlich über den Dingen. Über Sportwagen könnte man munter hinwegrollen, der Smart wirkt klein wie ein Einkaufswagen, in Cabrios schaut man hinein wie ein Kind ins Osterkörbchen, und mit den Truckern verkehrt man plötzlich auf Augenhöhe.

Doch die Audienz ist für den "King of the Road" eine schweißtreibende Angelegenheit: Nur mit viel Fingerspitzengefühl und noch mehr Augenmaß lässt sich das Dickschiff mühsam durch den Verkehr bugsieren. Ein kleiner Kreisel wird zum Kraftakt, und die engen Gassen einer Altstadt erinnern an die Geschichte vom Kamel und dem Nadelöhr. Doch solange die Fuhre in Fahrt bleibt, ist alles in Ordnung. Nur Parken kann man mit dem F-650 glatt vergessen. Die Fahrt in die Tiefgarage gleicht dem Versuch, beim Billard mit einer Bowlingkugel einzulochen. Und am Straßenrand klappt das nur, wenn man zwei freie Plätze hintereinander findet. Aber egal: Welcher Abschleppwagen hebt schon einen Fünftonner?

Tank fasst 400 Liter

Trotzdem lässt man im F-650 die Grenzen der Stadt schnell hinter sich. Das wahre Leben in einem Pick-up beginnt draußen auf dem Land. Zugegeben: Die B 388 ist nicht der Highway Number One, und die Fahrt von Trudering nach Erding nicht so verlockend wie der Weg von Los Angeles nach Las Vegas. Doch sobald die Bebauung etwas lichter, der Verkehr dünner und die Straßen breiter werden, kann man am Steuer entspannen. Begleitet vom Dauergrollen aus den Tiefen des Motorraums rollt der F-650 so gelassen dahin, dass man die schiere Größe bald vergessen hat und sich in der klimatisierten und mit Leder ausgeschlagenen Kabine von der Größe eines Wohnzimmers alsbald fühlt wie in einer normalen Großraumlimousine. Der Horizont rückt dabei schnell in greifbare Nähe: Denn bei einem Tankvolumen von mehr als 400 Litern geht selbst dem durstigen Riesen der Sprit so schnell nicht aus. Und solange man fährt, muss man keinen Parkplatz suchen.

Fazit: Blech gewordene Unvernunft

Natürlich ist ein Auto wie der F-650 die Blech gewordene Unvernunft und völlig überflüssig. Doch in homöopathischen Stückzahlen hat das Dickschiff sogar bei uns einen Sinn. Für Fans ist es ein Spielzeug auf Rädern - und allen anderen immerhin ein schlechtes Beispiel.

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