„Frauenheld“ im Test
Luxus mit Überlänge

Der R350 ist ein Hyperkombi mit Sex-Appeal. Ein geländetauglicher Mercedes, fünf Meter lang, mit sechs Sitzen. Wer in Deutschland braucht so etwas?

SVS DÜSSELDORF. Tief in jeder Frau schlummert ein Widerspruch: die Sehnsucht nach Sicherheit und Abenteuer, Zärtlichkeit und Aggression zugleich. Im Straßenverkehr hat nun Mercedes mit dem R350 die automobile Antwort etabliert. Ein Muskelprotz, der alles darf, alles kann – und doch gezähmt wirkt.

Mercedes hat einen Verwandlungskünstler auf die Straßen geschickt: Van, SUV, Kombi und Limousine in einem – ansehnlich in eine Form gegossen, die trotz S-klassiger Abmessungen die Eleganz eines Coupés aufweist. Crossover nennt man sowas. Das Prinzip ist so alt wie das Automobildesign. Bereits der Ur-Crossover Renault 4 vereinte den Komfort einer Limousine mit dem Raumkonzept eines Transporters, dazu war er durchaus geländetauglich.

So gesehen wandelt der R350 in den Spuren des praktischen Franzosen. Den Unterschied macht das Gewand: Der Mercedes ist ein Hyperkombi im kleinen Schwarzen.

Herrschaftlicher Überblick

Also lautet die R-Formel: Eleganz + Raserei + Offroad + Luxus. Ein 5,15 Meter langer Alleskönner mit 272 PS, der sich erfahrungsgemäß vielmehr auf der Düsseldorfer Königsallee oder der Frankfurter Taunusanlage herumplagen muss, als in Kiesgruben oder auf Waldwegen.

Der hochherrschaftliche Überblick über alle Limousinen und Coupés suggeriert Dominanz. Und dazu läuft die R-Klasse sehr gut. So gut, dass ich richtig erschrak, als der Wagen bei Tempo 230 plötzlich abregelte. Das war vielleicht auch ganz gut. Sonst wäre der Benzinverbrauch noch weiter gestiegen.

Durchschnittsverbrauch: 15,6 Liter, was nicht gerade wenig ist.

Ein rollender Gucci-Salon

Die wahren Sensationen lauern im Inneren: Platz satt für sechs Personen, Kopffreiheit wie im Zirkuszelt, Bildschirme mit DVD auf den hinteren Plätzen. Und wen das Programm nervt, blickt durchs Panoramadach in den Himmel.

Dieses Auto muss lang sein, denn es enthält drei Sitzreihen. Ein Kleinbus? Allenfalls, wenn die Insassen nur mal eben zum Strand fahren und außer Badetüchern und Thermosfl aschen kein Gepäck haben.

Was hinter die letzten beiden Sitze passt, ist nicht viel. Das lang gestreckte Auto mit dem abgefl achten Heck und dem weiten Radstand ähnele einer ausgequetschten Zahnpastatube, lästerte die „Zeit“. Jeder wie er mag, aber eine Zahnpasta, elegant wie die RKlasse, hätte bei mir eine Stammplatz- Garantie im Bad.

Der Mercedes ist aggressiver Macho und fürsorglicher Beschützer zugleich. Das Innenleben erinnert an einen Gucci-Salon: beleuchtete Make-up-Spiegel, Büffelleder und illuminierte Türgriffe. Ein Großraumschiff mit mehr Sex-Appeal bekommt man sonst nirgendwo. Ach eines noch: reich sollten die Besitzer sein.

MOTOR: V6-Benziner mit 3 498 ccm Hubraum und 272 PS
FAHRLEISTUNGEN: 0–100 km/h in 8,3 Sekunden, Höchstgeschw. 230 km/h
ANTRIEB: Allrad permanent, 7-Gang-Automatik
KOSTEN: Grundpreis 51 504 Euro, Testwagen: 66 000 Euro

Quelle: BusinessNews

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%