Frisches Design und Qualitätssicherung
Alfa wächst mit „Emozione“ und Kalkül

Wenn Mercedes-Benz und BMW für deutsche Tugenden stehen, dann kann es für Alfa Romeo nur eine Beschreibung geben: Italien. Doch mit Design, Sportlichkeit und „emozione“ allein kann die zum Fiat-Konzern gehörende Marke im hart umkämpften Automarkt längst keine Erfolge mehr feiern.

HB FRANKFURT. Ulrich Mehling, Chef von Alfa Romeo Deutschland, setzt daher auch auf jene deutschen Tugenden wie Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit, und zum Bestseller erklärt er ausgerechnet einen Kombi. Die Strategie geht auf: Bis Ende Mai war Alfa Romeo in Deutschland abgesehen von einigen Exoten die am schnellsten wachsende Automarke. Mit mehrfacher Verzögerung folgt nun im September die Neuauflage des Kult-Cabrios Spider.

Ein Plus von fast 41 Prozent konnte Alfa bei den Neuzulassungen nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes 2006 in seinem zweitwichtigsten Markt nach Italien (Marktanteil: 0,4 Prozent) bisher verbuchen. „Wir verzeichnen ein stabiles Wachstum, bedingt auch durch unsere Modelloffensive“, erläutert Mehling. Im Herbst 2005 kam die Limousine 159 neu auf den Markt, im Frühjahr folgte der dazugehörige Kombi. Außerdem knüpfte der Autobauer mit dem Sportcoupé Brera und dem neuen Alfa Spider an große Traditionen an. Für das gesamte Jahr hat sich Mehling das ehrgeizige Ziel von 19 000 verkauften Autos gesetzt. Dafür müsste Alfa allerdings noch einen Zahn zulegen. Allein 7 000 sollen auf den „Sportwagon“ getauften Kombi entfallen.

Gegründet wurde das Unternehmen Anfang des 20. Jahrhunderts in Portello bei Mailand als Società Anonima Lombarda Fabrica Automobili (A.L.F.A.). Nach dem Ersten Weltkrieg entstand der Name Alfa Romeo, benannt nach dem aus Neapel stammenden Chef Nicola Romeo. In den 1930er Jahren geriet der Autohersteller unter den Einfluss einer staatlichen Gesellschaft und wechselte erst fünf Jahrzehnte später im Jahr 1986 wieder in private Hände - als Tochter des Fiat-Konzerns.

Bekannt ist die Marke auch für ihre treuen Anhänger, die „Alfisti“. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Zunft dürfte in Deutschland Claus-Theo Gärtner alias Privatdetektiv Matula zählen.

In den 1990er Jahren lief es wenig rund bei Alfa, erst der Mittelklassewagen 156 und der Golf-Konkurrent 147 brachten wieder neuen Schwung. Mit dem 147 kehrte auch das klassische Alfa-Herz („scudetto“) mit den beiden als Schnauzbärtchen („baffi“) bezeichneten Kühleröffnungen zurück, berühmt durch die Giulietta- Modelle aus den 1950er Jahren.

Doch Deutschland-Chef Mehling, der im vergangenen Jahr von Saab zu Fiat wechselte, legt Wert darauf, dass neben dem frischen Design auch die Qualitätssicherung - etwa durch den Einsatz von komplett neu entwickelten Motoren - und der Fokus auf ein breites Diesel-Angebot wichtige Akzente setzten. „Alfa ist eine emotionale Marke, aber mit rationalen Werten“, meint der 45-Jährige und verweist augenzwinkernd darauf, dass beim italienischen Mutterkonzern inzwischen drei deutsche Manager für das Thema Qualität zuständig sind.

Bei aller Freude über die neuen Modelle drücken die hohen Investitionen in diesem Jahr das Ergebnis von Alfa Romeo, das nach Branchenschätzungen zuletzt ohnehin im roten Bereich lag. 2007, wenn alle neuen Autos eingeführt sind, wird daher zu einem Schlüsseljahr, das den „Weg in die Profitabilität“ ebnen soll, wie der deutsche Alfa-Chef betont. Vom „Hingucker“ Spider sollen dann in Deutschland 2 000 Stück abgesetzt werden.

Zudem will Mehling das Flottengeschäft ankurbeln und Manager zum Beispiel bei Banken oder Verlagen dafür gewinnen, sich einen Alfa als Dienstwagen zuzulegen. In der Verkaufsberatung, an die potenzielle Kunden der Automarke hohe Ansprüche stellen, möchte er künftig mehr Frauen einsetzen. Denn auch die Tage des „Männerautos“ sind wohl vorbei.

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