Für den guten Ton
Schöner dröhnen: Wie Hersteller am Motorsound tüfteln

Der Fahrer muss Beschleunigung nicht nur fühlen, sondern auch hören können, damit er sie als Genuss erlebt, heißt es bei Porsche. Und nach diesem Motto treiben viele Autohersteller großen Aufwand, um den Sound ihrer Fahrzeuge richtig abzustimmen. Doch der Spielraum ist begrenzt, denn der Gesetzgeber macht strenge Auflagen

dpa/tmn WOLFSBURG/WEISSACH. Wer fühlen will, muss hören können - nach diesem Motto treiben die Autohersteller großen Aufwand, um den Sound ihrer Fahrzeuge richtig abzustimmen.

"Der Klang eines Autos gehört zum Reiz des Fahrens", sagt Rainer Schmidetzki. Daran hat der Entwickler bei VW in Wolfsburg keinen Zweifel. Bei Fahrzeugen für eine breite Kundenschicht achte man zwar auf einen möglichst dezenten und ausgewogenen Motorsound. Nicht umsonst sei etwa der neue Golf der leiseste Golf aller Zeiten. "Doch je sportlicher ein Modell positioniert wird, desto kerniger und kraftvoller muss auch der Motor klingen."

"Doch den einen Motorsound gibt es gar nicht", sagt Bernhard Pfäfflin aus dem Porsche-Entwicklungszentrum in Weissach bei Stuttgart. "Was man vom Antrieb hört, ist immer eine Kombination aus dem Ansauggeräusch, der Mechanik innerhalb des Motors und dem Mündungsklang am Auspuff." Und die Kunst ist es, aus diesen drei Stimmen einen guten Klang zu komponieren.

"Stellschrauben haben wir dabei viele", erläutert VW-Entwickler Schmidetzki und zählt die Auspuffanlage, die Motorsteuerung und die Schaltlogik des Getriebes auf. Außerdem gibt es zahlreiche aktive Systeme bis hin zum Lautsprecher in der Abgasanlage, mit denen die Entwickler die Tonlage eines Wagens variieren können. "Doch der Spielraum ist eng begrenzt, denn der Gesetzgeber macht uns strenge Auflagen." Zwar werde nur die Lautstärke und nicht die Klangfarbe vorgeschrieben, doch je leiser ein Auto ist, desto schwerer kann man Nuancen heraushören. Bei Großserienmodellen mühen sich die Entwickler, diese Grenzwerte zum Teil deutlich zu unterbieten: Denn leise klingt vornehm und rückt selbst einen Kleinwagen subjektiv in Richtung Oberklasse. "Aber bei Autos wie einem GTI oder gar einem R-Modell reizen wir die Grenzwerte voll aus", sagt Schmidetzki.

Nur die Lautstärke allein macht es aber nicht aus, schränkt Pfäfflin ein: "Laut kann jeder, schön dagegen klingt nicht alles." Tonangebend seien an erster Stelle der Motor selbst und die Auspuffanlage: Nach wie vielen Einspritzungen etwa ein Diesel zündet, wie viel Benzin-Luft-Gemisch man in die Brennkammern eines V6 bläst und welche Wege die Kolben zurücklegen müssen - all das bestimmt die Klangfarbe ebenso wie Länge und Durchmesser der Auspuffanlage und ihrer Töpfe. Das so oft zitierte Endrohr allerdings hat damit nichts zu tun, sagt Schmidetzki: "Dort toben sich nur die Designer aus."

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