Fußgängererkennung
Wenn selbst der Computer zu langsam ist

Volvo hat es bereits, andere Hersteller arbeiten daran: eine automatische Fußgängererkennung. Im Praxistest können die Computersysteme aber noch nicht völlig überzeugen.
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DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Der ADAC sieht noch Verbesserungspotenzial bei Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung. Ein vom Verkehrsclub durchgeführter Test des von Volvo angebotenen Systems habe ein ernüchterndes Ergebnis gebracht, teilt der Autoclub in München mit. Der schwedische Autohersteller bietet sein System optional für die Mittelklassemodelle S60 und V60 an.

Zwar funktioniere der Assistent, der für den Einsatz im Stadtverkehr gedacht ist, "in dem vom Hersteller definierten Rahmen" zuverlässig – das heißt, das System leitet selbstständig eine Notbremsung ein, wenn es Menschen auf der Fahrbahn wahrnimmt. Doch schon bei geringfügig schlechterer Sicht, etwa bei Regen, sinke die Erkennungsrate von Personen deutlich, schränkt der ADAC ein. Bei Dunkelheit funktioniert die Erkennung demnach gar nicht.

Außerdem fanden die ADAC-Tester heraus, dass die Technologie nur relativ träge reagiert. Bei einer Versuchsreihe mit 18 km/h sei ein Test-Dummy, der fünf Meter vor dem Auto erschien, angefahren worden – das System habe die Gefahr zwar noch erkannt und nach Warnung automatisch eine Bremsung eingeleitet, aber eben zu spät. Erst bei einem Abstand von acht Metern komme das Auto noch rechtzeitig vor der Kollision zum Stehen.

Der Grund hierfür liegt in der komplizierten Verfahrenstechnik: Das System gleicht die Umrisse, welche Digitalkamera und Radarsystem vor dem Auto wahrgenommen haben, mit mehr als 11.000 gespeicherten Silhouetten von Personen ab und gibt erst dann Alarm. Damit sollen Fehlalarme verhindert werden. Allerdings dauerte der Abgleich im Test eine halbe Sekunde – fährt der Wagen 25 km/h, legt er in dieser Zeit schon 3,5 Meter zurück. Dann erhält der Fahrer aber erst einen optischen und akustischen Alarm, bevor wirklich die Notbremsung eingeleitet wird.

Dennoch lobt der Verkehrsclub ausdrücklich die Entwicklung solcher Technologien: Das getestete Bremsassistenzsystem von Volvo sei ein "deutlicher Sicherheitsgewinn". Insbesondere profitiere der Fahrer von der Warnfunktion. Zugleich warnt der ADAC aber davor, im Vertrauen auf das Assistenzsystem weniger aufmerksam auf den Verkehr zu achten. Auch andere Autohersteller entwickeln derzeit solche Systeme mit Fußgängererkennung.

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