Gas-Antrieb
Vollgas für die Hälfte

Niedriger Preis, Umweltfreundlichkeit, Crashsicherheit und höhere Reichweite: Viele Gründe sprechen für Autogas und Erdgas als Benzinalternative. Warum setzt sich die Technik nicht erfolgreicher durch?
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DüsseldorfIn der Theorie ist alles ganz einfach: Wer mit jedem Kilometer im Auto bares Geld sparen, seine Reichweite vergrößern und seinen Teil zur Verbesserung der Klimabilanz beitragen möchte, steigt auf Autogas um. Denn die nackten Zahlen stehen für sich: Gegenüber Benzin entlasten die Kosten für die Treibstoffe CNG oder LPG den Geldbeutel um bis zu 55 Prozent. Die Reichweite des Fahrzeugs erhöht sich um rund 60 Prozent, da man mit Autogas-Tank zusätzlich zum Benzintank natürlich auch weiter fahren kann. Die bis zu 20 Prozent weniger CO2, die ein mit Autogas betriebenes Fahrzeug ausstößt, sind zu Zeiten wachsenden Umweltbewusstseins ebenfalls ein gutes Argument. Und natürlich steigt mit einer Umrüstung auch der Wiederverkaufswert des Fahrzeugs. Zudem kann man im Vergleich zum Elektrofahrzeug, über das zwar alle sprechen, für das es aber noch keine Ladesäulen-Infrastruktur gibt, auf ein wachsendes Gas-Tankstellennetz zugreifen.

LPG führt vor CNG

Doch in der Realität sprechen zumindest die Zulassungszahlen eher gegen die scheinbar vernünftige Lösung: Nur rund 92.000 Erdgasautos sind derzeit in Deutschland zugelassen. Das ist bitter wenig gegenüber den rund 45 Millionen, die klassisch mit Benzin und Diesel fahren. Weitere 430.000 Autos fahren in Deutschland aktuell mit dem Flüssiggas LPG, (Liquified Petrol Gas). Ihre Zahl steigt angesichts hoher Spritpreise schnell, Anfang 2010 waren laut KBA erst 370.000 angemeldet. Damit rollen aber immerhin nun schon mehr als zehnmal so viele Autogas-Autos über hiesige Straßen als noch vor vier Jahren. Autogas oder LPG gewinnt damit gegenüber CNG (Compressed Natural Gas bzw. Erdgas) immer deutlich die Oberhand. Zwar hat CNG auch Vorteile (verbrennt noch sauberer, ist ein Naturprodukt), LPG ist aber leichter zu handhaben und nachzurüsten. Bei LPG ist zudem die Tankstellendichte wesentlich höher. Beide Kraftstoffe sind deutlich billiger als herkömmliche, weil sie noch bis 2018 per Gesetz geringer besteuert werden. Und es gibt weitere gute Gründe, die eigentlich längst noch mehr Autofahrer vom Gasbetrieb hätten überzeugen können.

So fahren Autokäufer, die sich für einen Neuwagen mit serienmäßigem Autogasantrieb entscheiden, meist eines der günstigsten Fahrzeuge ihrer Klasse. Das hat im vergangenen Jahr ein umfangreicher Autokostenvergleich des ADAC belegt. Außer in der oberen Mittelklasse und der Oberklasse fanden sich Autos mit diesem Antrieb in allen anderen Fahrzeugklassen unter den Top Fünf in Sachen Wirtschaftlichkeit.

Crash-Sicherheit ist längst bewiesen

Dass außerdem die Angst vieler Autofahrer, ein mit Flüssiggas betriebenes Fahrzeug könnte bei einem Unfall oder einem Fahrzeugbrand explodieren, unbegründet ist, gilt schon länger als unbegründet. Bereits 2008 zeigte ein aufwändiger Crashtest des Münchener Autoclubs, dass eine in die Reserveradmulde nachträglich eingebaute Autogasanlage sowohl einen Crashtest (Auffahrunfall mit 60 km/h) und einen anschließenden Brandversuche unbeschädigt überstand und dass keinerlei Gefährdung der Insassen von der Gasanlage ausging.

Und umweltfreundlicher als der neue Biosprit E10 ist Flüssiggas allemal. Der auch Autogas oder LPG genannte Kraftstoff reduziere die CO2-Emissionen um durchschnittlich 14,6 Prozent gegenüber herkömmlichem Benzin, "wenn man die gesamte Kette von der Quelle bis zum Rad betrachtet und nicht isoliert auf die Verbrennung im Motor schaut", erläutert Professor Thomas Heinze von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Saarland. Der Kraftstoff steht laut Heinze damit besser da als der neue Öko-Sprit.

Und warum gibt es dann so wenig Erdgasautos?

BP-Europa-Chef Uwe Franke sagte dazu kürzlich in einem Interview: "Das hat viele Gründe. Zum Beispiel scheint Erdgas für die Kunden, trotz des günstigen Preises, nicht attraktiv genug zu sein. Die Autobauer müssten mehr Modelle anbieten, und wir brauchen mehr Tankstellen. Sinnvoll wäre auch eine gemeinsame Anstrengung von Autobauern, Erdgasversorgern und der Mineralölbranche, um Erdgas populärer zu machen. Auch Biogas und Wasserstoff könnten als umweltfreundliche Alternative in das bestehende Netz eingespeist werden. Dieser Weg wurde bislang vernachlässigt."

Dieser Aussage schließt sich auch Twintec-Pressesprecher Michael Raschke an. Das Unternehmen bietet das rund 2.600 Euro teure Umrüstsystem Twinfuel an, das auf Flüssigphasen-Einspritzung setzt. "Man kann immer mehr machen", sagt Raschke, "aber die Autofahrer müssen auch bereit sein, die Botschaften aufzunehmen. Dazu gehört ein gewisser Leidensdruck, und der entsteht zurzeit über die hohen Benzinpreise.."

Auch ADAC-Pressesprecher Christian Buric stellt fest, dass "der Verbraucher meist erst mit Veränderung reagiert, wenn es wirklich weh tut." Der Autoclub sieht die - mittlerweile locker überschrittene - Preismarke von 1,50 Euro pro Liter Treibstoff als eine der psychologischen Barrieren an, ab der die deutschen Autofahrer bereit sind, alternative Antriebe und Treibstoffe in Erwägung zu ziehen.

Allerdings behindern auch irrationale Ängste und Informationsdefizite den Gas-Fortschritt. Nach Erkenntnissen von Twintec hält sich beispielsweise immer noch das Gerücht, dass man mit Autogasfahrzeugen nicht in Tiefgaragen fahren dürfe. Da ist zwar nichts dran, aber auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer kennt die Vorurteile. Er hat sogar in einer Studie des Car Instituts an der Uni Duisburg mehrere Gründe zusammengetragen, warum erdgasbetriebene Fahrzeuge sich bislang nicht erfolgreicher verbreitet haben.

Kommentare zu " Gas-Antrieb: Vollgas für die Hälfte"

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  • Bin 7 Jahre einen Fiat Multipla monovalent gefahren.
    Reiner Erdgasbetrieb ohne Benzin.Leider wird ein monovalentes Fahrzeug von keinem Hersteller angeboten.
    Schade.Die Mehranschaffungskosten konnte ich durch Sponsoring von 3 Gasanbietern locker verkraften.Anscheinend hat die europäische Autoindustrie kein Interesse an Gas betriebenen Autos.

  • Wir fahren in der Familie 2 BMW 7er. Beide Fahrzeuge fahren problemlos fast ohne Leistungsverlust um mit 15% Mehrverbrauch. Also eine tolle Alternative! Warum dieser Treibstoff nicht stärker verbreitet ist erklärt sich für mich aus der Ignoranz fast aller Autohersteller. Welcher Hersteller gibt Informationen zur Umrüstbarkeit. Sehr viele Werkstätten warnen vor einer Umrüstung. So sind Gasfahrer Überzeugungstäter aus der anderen Ecke.
    Mit freundlichem Gruß
    Heinr. H. Evers

  • Mit einer Amortisationsdauer von 5 Jahren und mehr ist das unattraktiv. Das Ganze muss sich nach spätestens 20.000 km anfangen zu rechnen. Und außerdem ist zu berücksichtigen, dass bei Autogas auch immer etwas Benzin verbraucht wird, in der Startphase und während der ersten Minuten nach jedem Start. Das verschlechtert die Bilanz weiter. Im Moment sahnen die Hersteller von Autogasanlagen ab. Die Technik könnte und muss preiswerter sein, damit man umsteigt. Einen Zeitraum von 5 und mehr Jahren kann und will keiner voraus planen, da kann zu viel passieren, dass man das Auto vorher gegen ein anderes austauschen muss (Unfall, andere Anforderungen an das Auto und deshalb vorher Verkauf des umgerüsteten Fahrzeugs etc.). Und einen Mehrpreis beim Verkauf erzielt man auch nicht, da braucht man sich nur die einschlägigen Gebrauchtfahrzeugportale anzuschauen. Wenn man mit dem spitzen Bleistift rechnet, dann ist es in meinen Augen uninteressant. Wie gesagt: nach 15. bis 20.000 km muss der Spareffekt eintreten, nicht erst nach mehr als 50 oder tw. sogar 100.000 km.

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