Gast-Kommentar
Weniger ist mehr

Die Ablenkung durch moderne Bediensysteme während der Fahrt ist groß. Doch die wahren Probleme liegen nicht bei diesen High-End-Produkten, wie Klaus-Michael Schaal kommentiert.
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StuttgartAm Steuer eines Autos einen Telefonbucheintrag über das Bord-Display anzuwählen ist bei Tempo 130 gleichbedeutend mit fast 900 Metern „Blindflug“ – dies hat der große Test von Bediensystemen des ACE ergeben. Dass dieses bedenkliche Ergebnis mit den modernsten Systemen der drei heimischen Premiumhersteller ermittelt wurde, spricht keineswegs gegen diese – zugegeben aufwendigen – Lösungen. Im Gegenteil: Wenn bereits diese mit hohem Aufwand konzipierten und ergonomisch weitgehend durchdachten Bediensysteme so viel Ablenkung bewirken, stellt sich die erschreckende Frage, in welchem Maß einfachere Varianten – etwa mit filigranen Bedienpunkten auf einem kleinen Bildschirm, der kaum erreichbar an der Windschutzscheibe befestigt ist – die Konzentration der Autofahrer auf sich ziehen?

Während der Fahrt muss Bedienung intuitiv funktionieren

Künftig muss beim Thema Auto-Bedienung dem Aspekt der Verkehrssicherheit wesentlich mehr Beachtung geschenkt werden. Hier sind zunächst Autohersteller und Zulieferindustrie gefordert: die Komplexität muss begrenzt werden, einheitliche Standards bei den Grundfunktionen wären wünschenswert. Und  aufwendige Aktionen – wie beispielsweise das erstmalige Einstellen eines Navigationsziels – dürfen während der Fahrt manuell generell nicht möglich sein, sondern allenfalls noch über innovative Lösungen wie intelligente Sprachsteuerung.

Sollten sich hier nicht bald konkrete Ergebnisse abzeichnen, darf der Gesetzgeber nicht untätig zuschauen – und sollte dann konsequenter agieren: Die Erlaubnis der Handy-Nutzung im Auto an eine Freisprech-Einrichtung zu koppeln, war entschieden zu halbherzig!

Klaus-Michael Schaal ist Chefredakteur von ACE Lenkrad

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