Test + Technik

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Gebrauchte Tigra TwinTop: Opels zuverlässiger Verwandlungskünstler

Gebaut wird er längst nicht mehr. Als Gebrauchtwagen könnte der Tigra TwinTop aber durchaus eine gute Wahl sein: Der Roadster hat nur selten mit Mängeln auf sich aufmerksam gemacht.

Am gebrauchten Klappdach-Tigra klappert laut TÜV und ADAC in der Regel kaum etwas. Quelle: Opel
Am gebrauchten Klappdach-Tigra klappert laut TÜV und ADAC in der Regel kaum etwas. Quelle: Opel

BerlinDer große Erfolg blieb Opels Klappdach-Roadster Tigra TwinTop verwehrt: Nach fünf Jahren Bauzeit wurde er ersatzlos gestrichen. Das «Auto für alle Jahreszeiten», wie Opel den vom Coupé zum offenen Zweisitzer wandelbare Kleinwagen einst anpries, erfüllte offenbar nicht die Verkaufserwartungen. Dabei gibt es laut dem TÜV in technischer Hinsicht nur wenig an dem Modell zu bemängeln.

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Gebrauchtwagen-Check

Zu den Macken, über die einige Fahrer den TÜV informiert haben, zählen Undichtigkeiten des zweigeteilten Blech-Klappdachs. Außerdem wird im «TÜV Report 2012» von Antriebswellenproblemen und einem zu großen Spiel der an sich sehr direkten Lenkung berichtet. Der ADAC stellte häufiger entladene Batterien fest sowie defekte Zündspulen bei den Baujahren 2006 und kaputte Zündschlösser (2006/2007). Auch der Automobilclub bewertet den Opel unterm Strich aber als «bisher sehr zuverlässiges Modell».

2004 kam der auf dem Corsa C basierende Tigra TwinTop auf den Markt. Verantwortlich für das Klappdach war der französische Zulieferer Heuliez. Ausgeliefert wurde der Wagen auch im «Softtop-Look»: Ein auf die Stahlsegmente geklebter Textildachstoff sollte bei diesen Exemplaren für ein «nostalgisches Aussehen» sorgen. 2009 lief der letzte TwinTop vom Band. Der bis 2000 gebaute Tigra war für das Klappdach-Modell nur Namensspender, denn er ist ein reines Coupé.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

  • Fahrzeugbesichtigung

    Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

  • Papiere prüfen

    Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

  • Blick unter die Haube

    Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

  • Rostsuche

    Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

  • Lack-Check

    Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

  • Systemtest

    Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

  • Probefahrt

    Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

  • Tachostand

    Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

  • Sachverständiger

    Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

  • Seriösen Anbieter erkennen

    Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Nur wenige Motoren standen für den Tigra TwinTop zur Wahl: Auf Benzinerseite gab es zwei Vierzylinder, die 66 kW/90 PS und 92 kW/125 PS abgeben. Als Diesel mit vier Zylindern wurde nur ein Aggregat mit 51 kW/70 PS eingebaut - immerhin ein Common-Rail-Turbo, dessen Verbrauch zum Marktstart mit durchschnittlich 4,6 Litern angegeben wurde. Einen starken Topmotor gab es in dem Fahrzeug ab Werk nicht, wenngleich ein Sportfahrwerk im Benziner für gutes Handling sorgen sollte.

Cabrios und Roadster

Wer sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach einem Opel Tigra TwinTop umsieht, muss höchstens mit 10 900 Euro rechnen. Für diesen Preis steht der TwinTop 1.8 Edition mit dem 125-PS-Benziner aus dem letzten Baujahr 2009 in der Schacke-Liste. Die Marktbeobachter gehen dabei von einer durchschnittlichen Laufleistung von 43 200 Kilometern aus. Mit gut 5900 Euro für etwas mehr als die Hälfte wird demnach der Tigra TwinTop 1.8 Enjoy mit gleichem Motor aus dem Baujahr 2004 gehandelt (88 200 Kilometer). Für den TwinTop 1.3 CDTI Sport von 2006 gibt Schwacke 7150 Euro an. Solch ein Diesel hat im Durchschnitt rund 76 000 Kilometer hinter sich.

Tipps für ein langes Auto-Leben

  • Öl regelmäßig wechseln

    Autobauer geben vor, wie oft das Öl des eigenen Fahrzeugs gewechselt werden muss. Auch welche Sorte und Viskosität die richtige ist, findet man in den Hersteller-Informationen. An diese Vorgaben sollten sich Fahrzeugbesitzer dringend halten, denn Motoröl schmiert nicht nur - auch Metallpartikel und Verbrennungsrückstände lagern sich mit der Zeit darin ab.

  • Inspektionen nach Wartungsplan

    Bei Inspektionen sollten die Wartungspläne des Herstellers genau eingehalten werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle möglichen Schwachstellen überprüft und gegebenenfalls auch gefunden werden können. Außerdem wichtig: Der Zahnriemen des Autos sollte regelmäßig ausgetauscht werden.

  • Langsam "Warmfahren"

    Auf den ersten Kilometern sollten Autofahrer den Motor mit relativ niedriger Drehzahl warmfahren. Der Grund: Der Motor besteht aus verschiedenen Materialien, die sich nach dem Kaltstart unterschiedlich schnell erwärmen und demzufolge auch ausdehnen. Zu schnelles Aufs-Gas-Drücken könnte also dazu führen, dass der Kolben nicht mehr in den Zylinder passt und klemmt. Hinzu kommt, dass auch das Öl nach dem Start noch kalt und zähflüssig ist - es braucht also eine gewisse Zeit, um zu den Schmierstellen gepumpt zu werden.

  • Motor abkühlen lassen

    Turbomotoren können sich sehr stark erhitzen. Damit das Öl nicht an der Achse des Turbinenrades verkohlt und die Ölkanäle verstopft, sind Fahrer gut beraten, wenn sie den Motor ein paar Minuten im Leerlauf abkühlen lassen.

  • Kurzstrecken und Kaltstarts vermeiden

    Beim Kaltstart eines Verbrennungsmotors wird das Kühlwasser und Öl nicht vorgewärmt. Auch im Schmierölkreislauf kann vorher kein Druck aufgebaut werden. Die hohen Temperaturunterschiede belasten den Motor. Unnötige Kaltstarts und Kurzstrecken sollten aus diesen Gründen vermieden werden.

  • Drehzahlen im Auge behalten

    Wird ein kaltes Triebwerk zu hoch gedreht, führt das zu Verschleißerscheinungen. Wer permanent mit voller Leistung fährt, wird auch trotz behutsamen "Warmfahrens" und regelmäßigem Ölwechsel mit mehr Abnutzungserscheinungen rechnen müssen. Aus diesem Grund sind Drehzahlen im mittleren Bereich zu empfehlen.

  • Durchlüftung

    Auch wenn das Merkmal "Garagenwagen" bei Gebrauchtwagenkäufern gern gesehen ist, trocknen nasse Fahrzeuge aufgrund der mangelnden Belüftung in Garagen meist langsamer - vor allem in den Zwischenräumen. Besser aufgehoben sind Autos in einem Carport.

  • Reinigung

    Die Schmutz- und Rostnester eines Autos liegen meist im Verborgenem. Deswegen sollte bei einer Reinigung wirklich gründlich vorgegangen werden. Dabei sollten vor allem die Tür- und Haubenkanten, die Radläufe und der Unterboden nicht vergessen werden.

  • Hohlraumkonservierung

    Wer seinem Fahrzeug ein langes Leben bescheren möchte, sollte Hohlräume und den Unterboden vor Rost schützen. Am besten geht das mit Wachs oder Fett.

  • "Reifenschonend" fahren

    Wer ständig über Bordsteine und durch Schlaglöcher brettert, setzt nicht nur den Reifen seines Autos ordentlich zu, sondern auch eine Achse wird das auf Dauer kaum unbeschadet aushalten können. Deswegen ist bei solchen Hindernissen Vorsicht gefragt.

Quelle: dpa
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