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Gebrauchte Volvo V70: Alter Schwede, bist Du anfällig

Autos von Volvo gelten als extrem robuste Fahrzeuge. Dieses Image haftet den Modellen der Marke nicht zuletzt dank dem geflügelten Wort des Schwedenstahls an. Doch die Realität ist mitunter ernüchternd

Fährt seinem Image hinterher: Volvo V70 Quelle: Pressefoto
Fährt seinem Image hinterher: Volvo V70 Quelle: Pressefoto

BerlinAutos von Volvo gelten als extrem robuste Fahrzeuge. Dieses Image haftet den Modellen der Marke nicht zuletzt dank dem geflügelten Wort des Schwedenstahls an. Aber: «Die V70-Baureihe war in der Vergangenheit nicht immer zuverlässig», stellt der ADAC mit Verweis auf seine Pannenstatistik fest. Allerdings habe sich das beliebte Modell im Laufe der Jahre gut gemacht.

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Für Exemplare des Baujahrs 2000 nennt der Münchener Automobilclub vor allem gerissene Zahnriemen und ausgefallene Turbolader bei den Dieseln. Auch die Ladeluftschläuche rutschten öfters ab. Bei den Benzinern gleichen Alters vermerkt der ADAC defekte Kraftstoffpumpen. Allgemein gingen vergleichsweise häufig Anlasser und die elektrischen Fensterheber kaputt.

Tipps für ein langes Auto-Leben

  • Öl regelmäßig wechseln

    Autobauer geben vor, wie oft das Öl des eigenen Fahrzeugs gewechselt werden muss. Auch welche Sorte und Viskosität die richtige ist, findet man in den Hersteller-Informationen. An diese Vorgaben sollten sich Fahrzeugbesitzer dringend halten, denn Motoröl schmiert nicht nur - auch Metallpartikel und Verbrennungsrückstände lagern sich mit der Zeit darin ab.

  • Inspektionen nach Wartungsplan

    Bei Inspektionen sollten die Wartungspläne des Herstellers genau eingehalten werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle möglichen Schwachstellen überprüft und gegebenenfalls auch gefunden werden können. Außerdem wichtig: Der Zahnriemen des Autos sollte regelmäßig ausgetauscht werden.

  • Langsam "Warmfahren"

    Auf den ersten Kilometern sollten Autofahrer den Motor mit relativ niedriger Drehzahl warmfahren. Der Grund: Der Motor besteht aus verschiedenen Materialien, die sich nach dem Kaltstart unterschiedlich schnell erwärmen und demzufolge auch ausdehnen. Zu schnelles Aufs-Gas-Drücken könnte also dazu führen, dass der Kolben nicht mehr in den Zylinder passt und klemmt. Hinzu kommt, dass auch das Öl nach dem Start noch kalt und zähflüssig ist - es braucht also eine gewisse Zeit, um zu den Schmierstellen gepumpt zu werden.

  • Motor abkühlen lassen

    Turbomotoren können sich sehr stark erhitzen. Damit das Öl nicht an der Achse des Turbinenrades verkohlt und die Ölkanäle verstopft, sind Fahrer gut beraten, wenn sie den Motor ein paar Minuten im Leerlauf abkühlen lassen.

  • Kurzstrecken und Kaltstarts vermeiden

    Beim Kaltstart eines Verbrennungsmotors wird das Kühlwasser und Öl nicht vorgewärmt. Auch im Schmierölkreislauf kann vorher kein Druck aufgebaut werden. Die hohen Temperaturunterschiede belasten den Motor. Unnötige Kaltstarts und Kurzstrecken sollten aus diesen Gründen vermieden werden.

  • Drehzahlen im Auge behalten

    Wird ein kaltes Triebwerk zu hoch gedreht, führt das zu Verschleißerscheinungen. Wer permanent mit voller Leistung fährt, wird auch trotz behutsamen "Warmfahrens" und regelmäßigem Ölwechsel mit mehr Abnutzungserscheinungen rechnen müssen. Aus diesem Grund sind Drehzahlen im mittleren Bereich zu empfehlen.

  • Durchlüftung

    Auch wenn das Merkmal "Garagenwagen" bei Gebrauchtwagenkäufern gern gesehen ist, trocknen nasse Fahrzeuge aufgrund der mangelnden Belüftung in Garagen meist langsamer - vor allem in den Zwischenräumen. Besser aufgehoben sind Autos in einem Carport.

  • Reinigung

    Die Schmutz- und Rostnester eines Autos liegen meist im Verborgenem. Deswegen sollte bei einer Reinigung wirklich gründlich vorgegangen werden. Dabei sollten vor allem die Tür- und Haubenkanten, die Radläufe und der Unterboden nicht vergessen werden.

  • Hohlraumkonservierung

    Wer seinem Fahrzeug ein langes Leben bescheren möchte, sollte Hohlräume und den Unterboden vor Rost schützen. Am besten geht das mit Wachs oder Fett.

  • "Reifenschonend" fahren

    Wer ständig über Bordsteine und durch Schlaglöcher brettert, setzt nicht nur den Reifen seines Autos ordentlich zu, sondern auch eine Achse wird das auf Dauer kaum unbeschadet aushalten können. Deswegen ist bei solchen Hindernissen Vorsicht gefragt.

Der TÜV führt in seinem aktuellen Mängelreport undichte Einspritzanlagen bei bis 2007 gefertigten Fahrzeugen auf. Und bei der aktuellen Generation neigten die von Peugeot und Ford zugelieferten Diesel zu Problemen: Beim Peugeot-Motor sei der Turbolader ein Mängelschwerpunkt, im Ford-Aggregat rissen öfters die Zylinderköpfe.

Anfangs war der Schweden-Kombi ein optisch nur leicht veränderter 850: 1996 war es, als der Wagen der neuen Nomenklatur angepasst wurde und fortan V70 hieß. Zwischen 2000 und 2007 gab es die zweite Generation zu kaufen, die zur Halbzeit 2004 ein Facelift erfuhr. Mitte 2007 kam die aktuelle Version auf den Markt.

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Interessant ist die Politik beim Angebot der alternativen Verbrennungsmotoren: Gab es die zweite Generation des V70 noch mit einem Erdgasmotor zu kaufen, wurde dieser wegen mangelnder Nachfrage beim aktuellen Modell durch Flexifuel-Motoren ersetzt. Diese Benziner vertragen eine Beimischung von bis zu 85 Prozent Bio-Ethanol (E85).

Je nach Generation schöpfen die in Deutschland besonders gefragten Dieselmotoren aus vier oder fünf Zylindern 80 kW/109 PS bis 158 kW/215 PS. Die Benziner mit vier, fünf oder sechs Zylindern in Reihe kommen auf 103 kW/140 PS bis 224 kW/304 PS.

Volvo-Modelle

Wer sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach dem Kombi umsieht, sollte im Falle eines V70 D5 Kinetic mit 136 kW/185 PS starkem Fünfzylinderdiesel vom Baujahr 2007 noch rund 15 850 Euro einplanen. Solch ein Wagen ist laut der Schwacke-Liste rund 94 900 Kilometer gelaufen. Ein neuerer und kräftigerer Selbstzünder, etwa der V70 D6 Summum von 2010 mit 151 kW/205 PS, kostet noch gut 30 400 Euro und hat im Schnitt 46 450 Kilometer auf dem Tacho.

Wer zu einem jungen Benziner tendiert, sollte für das Basismodell V70 2.0 Kinetic von 2010 mit 107 kW/145 PS bei gleicher Durchschnittslaufleistung um die 17 450 Euro ansetzen. Eine Erdgasversion wie der V70 Bi-Fuel Summum von 2007 mit 103 kW/140 PS kostet mit 94 800 Kilometern noch etwa 14 850 Euro.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

  • Fahrzeugbesichtigung

    Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

  • Papiere prüfen

    Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

  • Blick unter die Haube

    Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

  • Rostsuche

    Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

  • Lack-Check

    Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

  • Systemtest

    Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

  • Probefahrt

    Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

  • Tachostand

    Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

  • Sachverständiger

    Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

  • Seriösen Anbieter erkennen

    Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Quelle: dpa
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