Geschichte der Honda CX 500
Als Feldmann das Image „Güllepumpe“ prägte

Gut zu sein, das allein reicht oft nicht. So gab sich Honda in den 70er Jahren reichlich Mühe, ein neues Mittelklasse-Motorrad auf die Räder zu stellen, das einiges besser konnte als die Konkurrenz.

dpa/tmn HAMBURG. Das Design der Maschine drückte ebenfalls die Ungewöhnlichkeit des Konzepts aus - und sorgte für manchen kritischen Blick. Dass die CX 500 bald als "Güllepumpe" verhöhnt wurde, hatte sie der Fantasie eines Comic-Zeichners zu verdanken.

Die CX 500 startete, als auf dem Motorradmarkt alles möglich war - vor allem wenn es um mehr Leistung ging. Mit der CX 500 ging Honda einen entgegengesetzten Weg. Fahrbarkeit und Nutzwert standen im Vordergrund - und das wurde mit ausgefeilter Technik und ungewöhnlichen Lösungen erreicht. Im Mittelpunkt stand ein Motor, dessen Einsatz in einem Motorrad eher Zufall war. Der seltsame Zweizylinder-V-Motor hatte ursprünglich seinen Platz in einem Kleinwagen finden sollen - der wurde allerdings nicht gebaut.

Weil man aber den Motor hatte, sollte der auch eingesetzt werden. Schließlich handelte es sich um eine aufwendige Konstruktion, die ihre glatte Oberfläche der Tatsache verdankte, dass sie keine Kühlrippen für die übliche Luftkühlung benötigte - man hatte sich für eine effektivere Wasserkühlung entschieden. Im Endeffekt entstand so ein technisch fast perfektes, aber ziemlich abscheulich aussehendes Motorrad. Tester attestierten der CX 500 sportliche Eigenschaften, eine hohe Schräglagenfreiheit und ordentliche Tourentauglichkeit.

Aber da war eben diese Optik: Der Scheinwerfer erhielt eine hässliche Kunststoffverkleidung, das Ensemble aus Tank und Sitzbank wirkte nicht elegant. Auch der Motor sorgte wegen seines Aussehens für Diskussionen. Die Fahrerszene war die gerippten Zylinder luftgekühlter Aggregate gewohnt. Mancher fühlte sich beim Anblick des glattflächigen Motorblocks an eine Waschmaschinentrommel erinnert.

Die Abneigung der "gusseisernen" Motorradfahrer saß tief. So tief, dass sich ein CX-500-Fahrer beim Motorrad-Treff mit Häme abfinden musste - und damit, dass sich sogar der damals beliebte Comic-Zeichner Rötger Feldmann der CX 500 annahm. In einem Band der "Werner"-Comics widmete er der CX gleich mehrere Seiten, um sie lächerlich zu machen. In der Bildergeschichte schlug sich Bauer Horst mit einer defekten Güllepumpe herum. Der Motorrad fahrende Held Werner hatte die Idee, wie sich die Jauche doch noch abpumpen ließ: Der unförmige Motor einer CX 500 wurde kurzerhand für diesen Einsatz zweckentfremdet. Damit war zumindest in Deutschland das Image-Schicksal der CX 500 besiegelt: Fortan war sie die "Güllepumpe".

Doch die Geschichte der CX 500 sollte auch zeigen, dass sich selbst ein solches Marketing-Desaster noch zum Guten wenden kann. Wurde der Begriff "Güllepumpe" anfangs abfällig benutzt, sprach ihn die Motorradwelt nach einiger Zeit mit leichtem Lächeln aus. Denn die CX war zwar etwas eigenartig - sie war aber eben auch einfach gut. Sie fuhr sich gut, hielt ewig und ließ ihren Fahrer nur selten im Stich - Fakten, die nach und nach manchem Motorradfahrer wichtiger wurden als der Besitz einer motorisierten Diva mit reichlich PS.

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