Gesetzesinitiative der EU
Motorhaube mildert Aufprall

Fußgänger und Radfahrer sind im Verkehr besonders gefährdet; der Aufprall des Kopfes auf den massiven Motorblock kann zu schwersten Verletzungen führen. Nun reagieren die Autobauer auf eine Gesetzesinitiative der EU und setzen auf die Entwicklung von aktiven Knautschzonen - bis 2010 sollen die Sicherheitsanforderungen für Neuwagen verschärft werden.
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BERLIN. Autohersteller und Zulieferer reagieren darauf und entwickeln schützende Fahrzeugfronten, die einen Aufprall weniger gefährlich machen sollen. Dabei kommt der Motorhaube eine Schlüsselrolle zu, denn bei einem Zusammenprall schlägt dort meist der Kopf des Fußgängers auf. - Mit fatalen Folgen, denn das dünne Blech verbiegt sich unter dem Aufprall leicht, so dass der Kopf letztlich auf den darunterliegenden massiven Motorblock trifft, was oft zu schwersten Verletzungen führen kann.

Um den Aufprall abzumildern gibt es passive Lösungen, bei denen durch Bauart und Material gegengesteuert wird, und aktive - wie die sogenannte "aktive Motorhaube" -, mit der unter anderem Oberklasseautos von Citroën, Jaguar, Volvo und Honda ausgestattet sind. Bei ihnen hebt sich die Haube bei einem Aufschlag blitzschnell um einige Zentimeter. "Die Motorhaube wird so zu einer zusätzlichen Knautschzone, die nachgibt und die Kräfte beim Aufprall verringert, so dass der Kopf des Fußgängers nicht auf den Motor schägt", erklärt Andreas Brand, Leiter des Geschäftsfelds passive Sicherheit bei Continental Automotive Systems.

Damit der Aufprallschutz nicht bereits bei einem einfachen Steinschlag auslöst, hat Conti zusammen mit ACTS Sailauf ein System für den Citroën C6 entwickelt, das unterscheidet, ob das Auto mit einem Menschen oder einem Objekt kollidiert. Dafür sorgt ein faseroptischer Lichtwellenleiter, der sich quer über den vorderen Stoßfänger zieht. Kommt es zu einem Zusammenstoß, wird der optische Leiter gestaucht, was eine Elektronikeinheit erkennt und dann den Auslösemechanismus aktiviert - und das innerhalb von Millisekunden.

Siemens VDO Automotive bietet hierfür einen faseroptischen Kontaktsensor an, der in der Frontpartie installiert wird und Geschwindigkeit, Masse sowie Größe des einschlagenden Objekts erkennt. Er kann so im Falle eines Aufpralls innerhalb von Millisekunden unterscheiden, ob die Verformung von einem Steinschlag, Einkaufswagen, von Vögeln oder pappigem Schnee verursacht wurde.

Das aktive Aufprallschutzsystem Electronic Pedestrian Protection (EPP) von Bosch arbeitet ebenfalls mit Beschleunigungssensoren in der Frontschürze des Autos. Und auch hier bestand die Herausforderung darin, Fehlauslösungen sicher zu vermeiden. "In einer Vielzahl von Versuchen haben wir mehr als 3 000 Daten erfasst. Auf dieser Basis und mit Hilfe von intelligenten Algorithmen kann EPP blitzschnell und sicher die Schutzmechanismen auslösen", sagt Bernd Hergert, Leiter des Produktbereichs Insassenschutz bei Bosch.

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