GM ruft 2,6 Millionen Autos zurück
Kleinteile machen General Motors große Probleme

GM hat zehn Jahre gebraucht und Menschenleben riskiert, bevor defekte Zündschlösser zahlreicher Autos ausgetauscht wurden. Für die neue GM-Chefin Mary Barra ein Desaster. Jetzt wird sie vor den US-Kongress zitiert.
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DüsseldorfStellen Sie sich vor, Sie fahren auf der Autobahn, mit circa 130 km/h, im dichten Verkehr auf der linken von drei Spuren. Plötzlich geht der Motor aus, das ganze Fahrzeug rollt ohne Strom. Keine Servolenkung mehr, kein ABS, keine Airbag-Funktion. Aber der Warnblinker funktioniert noch.

Sie haben nun die Wahl, den langsamer werdenden Wagen nach rechts über zwei Spuren Richtung Standstreifen ausrollen zu lassen, auf der Überholspur als lebensgefährliches Verkehrshindernis liegen zu bleiben, oder ihn neu zu starten. Für Autofahrer ein Horrorszenario, das sich so oder ganz ähnlich jederzeit in hunderttausenden Fahrzeugen verschiedener Modellreihen des US-Autoherstellers General Motors abspielen kann. Denn in ihnen sind Zündschlösser des Zulieferers Delphi Automotive verbaut. Und es kann passieren, dass der Zündschlüssel von selbst in die Aus-Position zurückspringt, vor allem, wenn schwere Dinge am Schlüsselbund hängen.

Dafür muss sich GM-Chefin Mary Barra ab morgen vor dem US-Kongress verantworten. Dass ausgerechnet sie, die als erste Konzernchefin dieses Problem überhaupt offensiv angegangen ist, die Fehler ihrer Vorgänger ausbaden muss, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Mindestens 13 Menschen, das gibt das Unternehmen offiziell zu, sind bei Unfällen aufgrund der defekten Zündschlösser schon gestorben. US-Verbraucherschützer kommen aber auf weit höhere Zahlen, von rund 300 ist die Rede.

Skandalös an dem Vorgang: Erst in der vergangene Woche hat GM den Rückruf der möglicherweise betroffenen Autos auf rund 2,6 Millionen Fahrzeuge weltweit ausgedehnt, die nun alle in die Werkstatt müssen. Hintergrund sind unter anderem erneut defekte Zündschlösser. Darüber hinaus könnte es wegen möglicher Mängel an einer Getriebekühler-Leitung zu Bränden kommen, begründete das Unternehmen den Schritt. Außerdem könnten Achsbrüche nicht ausgeschlossen werden.

Dabei waren die Probleme mit dem Zündschloss, das so ausschließlich von Delphi an GM geliefert wurde, nicht weniger als ein Jahrzehnt lang bekannt, nachdem die Schlösser schon in der Entwicklung nicht richtig funktionierten.

Doch statt Kunden zu warnen und kompromisslos nachzubessern, versuchte GM sich in Schadensbegrenzung, die Stückwerk blieb. Eine Verhaltensweise, die zunächst US-Anwaltskanzleien mit enormen Schadenersatzforderungen auf den Plan rief - und nun auch den US-Kongress.

Denn das US-Justizministerium findet die verzögerte Reaktion des Herstellers auf die Zündschlossprobleme verdächtig. Nun leitet die New Yorker Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein und prüft mögliche Verstöße gegen die bekanntermaßen harten US-Verbraucherschutzgesetze. Bei der Untersuchung am Dienstag und Mittwoch in Washington geht es aber nicht nur um Technikpannen und Schlamperei. Die Gretchenfrage, von deren Beantwortung auch das Vertrauen von Millionen Amerikanern abhängen wird, lautet: Wurden die Erkenntnisse in Detroit absichtlich verzögert öffentlich gemacht, die Öffentlichkeit getäuscht?

Die neue GM-Chefin Mary Barra müht sich zwar redlich, ein Image-Desaster wie beim millionenfachen Toyota-Rückruf 2009/2010 zu vermeiden, und wandte sich mehrfach an die Öffentlichkeit, entschuldigte sich medienwirksam. In dieser Woche muss sie aber gleich zwei Mal vor Ausschüssen des US-Kongresses Rede und Antwort stehen. Das Repräsentantenhaus forderte Barra und die Verkehrsaufsicht NHTSA auf, Informationen über ihre Reaktionen auf relevante Kundenbeschwerden zur Verfügung zu stellen.

Die NHTSA untersucht ihrerseits, ob GM mit dem Rückruf rechtzeitig reagiert hat. Sie sagt, als das Unternehmen an die Öffentlichkeit trat, seien bereits 31 Unfälle mit 13 Toten bekannt gewesen, die mit den Technikproblemen in Zusammenhang stehen könnten.

Unklar, wie viele Opel-Modelle betroffen sind

Die meisten betroffenen Autos sind Chevrolets, Pontiacs und Saturns, die in den USA verkauft wurden. Aber auch verwandte Opel GT Roadster brauchen neue Zündschlösser. GM hatte in einer früheren Mitteilung zunächst von 2.300 in ganz Europa betroffenen Fahrzeugen gesprochen. Am Sonntag hieß es, 7.400 GT Roadster der Baujahre 2007 bis 2010 müssten zum Check. Andere Opel-Modelle seien nicht betroffen.

Nach den Modelljahren 2003 bis 2007 werden nun auch alle jüngeren Fahrzeuge der gleichen US-Typen in die Werkstätten gebeten. Bei den Autos von 2008 bis 2011 wurden zwar verbesserte Zündschlösser verbaut, doch fürchtet die Opel-Mutter, dass alte Teile bei Reparaturen verwendet worden sind. Damit steigt die Gesamtzahl der jüngsten Rückrufe auf rund 2,6 Millionen Fahrzeuge.

GM hatte zwischendurch die Konstruktion der Zündschlösser zwar verbessert. Das Fachmagazin „Automotive News“ berichtete unter Berufung auf einen früheren GM-Ingenieur aber, der Autobauer habe den „Kardinalfehler“ begangen, dem neuen Bauteil keine neue Teilenummer zu geben. Deswegen sei es nicht möglich, die Typen von außen zu unterscheiden.

Etwa 95.000 Zündschlösser seien an Händler und Werkstätten verkauft worden, hatte das Unternehmen vergangene Woche in Detroit mitgeteilt. Es sei aber nicht möglich, den Verbleib aller Bauteile nachzuvollziehen. Deshalb habe man sich zu einem Rückruf aller Wagen entschlossen.

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  • Das Beispiel zeigt, warum auch Opel nicht aus dem Desaster rauskommen wird. GM ist billigst, schlecht gemanaged und hat keinerlei Ahnung vom Automobilgeschäft. Da kann sich Hr. Neumann abstramplen wie er will, die aktuellen Zahlen bleiben Strohfeuer.
    Ach ja, dem Opel GT sah man seine billigste Herkunft bereits früh und von weitem an.

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