Gottlieb Daimler wurde vor 175 Jahren geboren
Der Mann, der die Kutschpferde entbehrlich machte

Was für Jungs von heute selbstverständlich ist, blieb Gottlieb Daimler verwehrt: Der Schwabe konnte in seiner Kindheit nicht mit Autos spielen, denn es gab sie noch nicht. Er musste sie erst erfinden – und hat damit die Deutschen enorm beschleunigt.

dpa SCHORNDORF. Auto-Visionär Gottlieb Daimler wurde am 17. März vor 175 Jahre in Schorndorf geboren. Das Städtchen 30 Kilometer östlich von Stuttgart feiert seinen berühmten Sohn mit einer Reihe von Veranstaltungen und dem neuen Logo: "Schorndorf. Die Daimlerstadt."

Eng war es in dem kleinen Fachwerkhäuschen an der Höllgasse, in dem der Tüftler im Spätwinter 1 834 zur Welt kam. Das Kinderzimmer musste er sich mit drei Brüdern teilen, im Erdgeschoss betrieben seine Eltern Johannes und Wilhelmine eine Back- und Weinstube.

Kurt Haaga ist voller Ehrfurcht: "Das ist das Haus, in dem die Mobilität geboren wurden", sagt er. Seit 57 Jahren arbeitet er "beim Daimler", mittlerweile als Wächter über die kleinen Schätze, die im Geburtshaus ausgestellt sind: Daimlers Taschenuhr, sein Zirkelkasten, die Schnupftabakdose. Schautafeln erzählen eine unglaubliche Erfolgsgeschichte - von den liebevollen Tierzeichnungen eines 13- Jährigen bis zum Katalog voller Fahrzeug-Urahnen.

Enormes Selbstbewusstsein

Mit einer Lehre zum Büchsenmacher fing es an. Es folgten eine Maschinenbau-Ausbildung, mehrere Auslandsaufenthalte und erste Stellen. Dann die Bilderbuch-Karriere. In wenigen Jahren brachte es der schwäbische Tüftler zum technischen Direktor des größten deutschen Motorenwerks, der Gasmotorenfabrik Deutz bei Köln. Sein Selbstbewusstsein war entsprechend. Auf einer Ansichtskarte hat er sein Wohnhaus in Deutz mit einem Stern markiert und dazu geschrieben: "Von hier aus wird ein Stern aufgehen, und ich will hoffen, dass er uns und unseren Kindern Segen bringt." Die Geburtsstunde eines Markenzeichens?

„Standuhr“ statt Pferd

Daimler wollte weiter - und zwar schneller, als bis dahin möglich. Er machte sich selbstständig und arbeitete mit Wilhelm Maybach, seinem engen Vertrauten, am Grundstein für den modernen Transport: dem kleinen, schnelllaufenden Motor. 1 883 lief der liegende Versuchsmotor, 1 885 dann ein stehender, der mit einer Kurbel gestartet wurde. Dieser Motor, wegen seiner Form "Standuhr" genannt, reifte zum Patent und sollte später zahlreiche Kutschenpferde entbehrlich machen. 1 887 gründete Daimler mit 23 Arbeitern eine Motoren-Fabrik in Bad Cannstatt bei Stuttgart, 1 890 dann die Daimler-Motoren-Gesellschaft - den späteren Weltkonzern.

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