Große Schnauze, viel dahinter

Audi RS 5 Coupé - Der Superbike-Jäger

Motorradfahrer kümmert die Sicherheit von vier Rädern wenig, sie wollen Kurvenspaß und Dynamik. Kann ein Sportwagen das auch vermitteln? Handelsblatt hat einen gefunden, der selbst Superbike-Enthusiasten überzeugen kann.
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Eigentlich fühlt sich Handelsblatt-Redakteur Frank G. Heide auf seiner Honda CBR 1000 RR Fireblade am wohlsten. Wenn schon vier Räder, dann bitte ein Old- oder Youngtimer. Doch ein Auto Baujahr 2011 hat diese Einstellung ordentlich ins Wanken gebracht: der Audi RS 5 Coupé.

Eigentlich fühlt sich Handelsblatt-Redakteur Frank G. Heide auf seiner Honda CBR 1000 RR Fireblade am wohlsten. Wenn schon vier Räder, dann bitte ein Old- oder Youngtimer. Doch ein Auto Baujahr 2011 hat diese Einstellung ordentlich ins Wanken gebracht: der Audi RS 5 Coupé.

DüsseldorfAudi hat mir als Testwagen den kürzlich dezent überarbeiteten RS 5 geliehen. Das fast 100.000 Euro teure Sportcoupe hat den 450-PS-Motor aus dem Straßenrennwagen R8 und permanenten Allradantrieb. Ein echtes Risiko. Mit diesem V8-Katapult ist mein Führerschein ständig in Gefahr. Aber ich möchte den Wagen nie wieder zurückgeben müssen. Und das schreibe ich ganz bewusst als Motorradfahrer, der viel Wert auf Kurvenspaß, Fahrdynamik, gutes Leistungsgewicht und respektables Auspuffgeräusch legt.

Der erste Eindruck ist allerdings ein kleiner Kulturschock, zumindest für ältere Fahrer traditioneller Sportwagen. Außen der größte Kühlergrill der Welt, massivste Verspoilerung in Alu-Optik und Klavierlack, und ein Metallic-Blau, das 90 Prozent aller befragten Frauen ein bisschen prollig finden. Männer finden aber Spoiler, Carbon und Sepangblau gut, genau wie die 20-Zöller mit 275-30er-Walzen signalisieren sie doch potenziellen Ampelstart-Konkurrenten: Nicht mit mir.

Und genau das möchte man ja auch von einem Sportwagen. Er muss erkennbar sein, Eindruck machen. Anders ausgedrückt: Für gepflegtes Understatement hat Audi andere Produkte im Regal, der RS 5 ist nichts für Menschen, die gern anonym bleiben. Selbst in Düsseldorf, wo so viele Porsche und Aston Martin auf Range Rover und fette BMW treffen, ist dieser 2+2-Sitzer optisch und akustisch eine echte Ausnahmeerscheinung. Alle gucken hin.

Die erste Enttäuschung wartet innen, da sehe ich nur zwei Pedale, Automatik also. Früher hieß es immer, das ist was für Rentner und Fahranfänger. Und das da in der Mitte? Cupholder, gleich zwei. Audi sorgt also vor für seinen und ihren Latte Macchiato to go mit lactosefreier Milch und extra Schaum. Schlimm! Als Besitzer eines so edlen Boliden würde ich immer ein absolutes Verzehrverbot verhängen.

Ein schöner Verführer, aber mit prolligem Charme. Die Linienführung des Coupes von Audi-Designer Walter da Silva hat schon Preise gewonnen. Aber die typische Farbe der Pressefahrzeuge (sepangblau oder misanorot) wirkt auf viele Betrachter(innen) ein wenig aufdringlich. Quelle: Sebastian Schaal

Ein schöner Verführer, aber mit prolligem Charme. Die Linienführung des Coupes von Audi-Designer Walter da Silva hat schon Preise gewonnen. Aber die typische Farbe der Pressefahrzeuge (sepangblau oder misanorot) wirkt auf viele Betrachter(innen) ein wenig aufdringlich.

(Foto: Sebastian Schaal)

Doch sein wahres Gesicht zeigt der Audi schon, so bald man von den wie maßgeschneidert passenden Schalensitzen angesaugt wird und ein Druck auf den Startknopf den V8 zum Leben erweckt. Es ist die drehmomentoptimierte 4,2-Liter-Maschine aus dem R8, deren Leistung von 450 PS (331 kW) bei unglaublichen 8.250 Umdrehungen anliegt.

Beeindruckende 430 Newtonmeter Drehmoment stehen aber theoretisch schon zwischen 4.000 und 6.000 U/Min zur Verfügung, schreibt Audi. Also nichts wie rauf auf die Piste. Vorher brummt und brüllt der RS 5 auch im Stand so überzeugend, dass Passanten die Köpfe recken und man erst gar nicht auf die Idee kommt, die Bang & Olufsen-Anlage einzuschalten.

Was bei diesem Anblick niemand ahnt: Der Kofferraum ist unerwartet groß, mit Steckdose und Durchreiche und umklappbaren Sportsitzen hinten. So macht der RS5 auch beim Baumarkt-Einkauf einen guten Eindruck. Quelle: Frank G. Heide

Was bei diesem Anblick niemand ahnt: Der Kofferraum ist unerwartet groß, mit Steckdose und Durchreiche und umklappbaren Sportsitzen hinten. So macht der RS5 auch beim Baumarkt-Einkauf einen guten Eindruck.

(Foto: Frank G. Heide)

An der ersten Ampel stellt der Audi klar, jetzt bewegt man ein Drehmoment-Monster. Aber zum Glück eins, dem der Pilot die Befehle erteilt. Kaum losgefahren, ist man an der Obergrenze der Straßenverkehrsordnung angekommen, so schnell dreht der Motor hoch und die Automatik jagt mit Doppelkupplung durch sieben Gänge. Und jetzt bin ich doch froh, dass es kein Schaltwagen ist. So schnell, sauber und ruckfrei könnte ich das nie.

Aber wo nur 50 km/h erlaubt sind, ist der Führerschein jetzt schon in Gefahr, das signalisieren der Tacho, und der automatische Abstandswarner, der hilflos im permanent roten Bereich warnblinkt. Freilich vergebens, was kann ich dafür, wenn die anderen alle so langsam vor mir her trödeln? Ich schalte das Ding ab. Das ist eins der Probleme des Audi RS 5: Er schließt die Lücken so verdammt schnell. Und das soll auf den weiteren Testfahrten nicht die einzige Parallele zum Superbike bleiben.

Heißeres Zwischengas
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9 Kommentare zu "Große Schnauze, viel dahinter: Audi RS 5 Coupé - Der Superbike-Jäger"

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  • von Thomas :
    Mensch Biker, mit 4 Rädern fällst Du auch nicht so schnell um...
    Wirklich emotional wertvoll geschrieben.
    Ich hatte gerade das Vergnügen den neuen Porsche Carrera S auf der hauseigenen Rennstrecke in Leipzig zu bewegen.
    Der brüllt auch nicht schlecht. Dennoch erscheint mir der RS5 alltagstauglicher zu sein, zumal ein Dachgepäckträger für z.B. Surfbretter hier besser passen würde. Ach nee, dann doch besser RS4. Oder RS6 ? Ich bin mit der Wahl überfordert. Also bleibt es bei dem alltagstauglichen T5 und gelegentlichen Sportwagen- und Moppedausflügen... Weiterhin viel Spaß beim Testen.

  • Die 250 lassen sich meines Wissens als Sonderwunsch auf 280 anheben. Immerhin....

  • Kann Audis schönster Sportwagen der Ikone Porsche 911 das Wasser reichen? Ganz eindeutig, nein! In Sachen Dynamik, Drehmoment, Beschleunigung, Kurvenspaß und insbesondere Emotion kann ein aufgemotzer Mittelklassewagen einem nativen Sportwagen wie dem 911 Carrera S nicht das Wasser reichen.
    Mit Gruß
    Markus
    (ehemaliger Besitzer eines RS5 und aktueller Besitzer eines 991 CS)

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

  • Und wen interessierts, ob ein Porsche 4 km/h auf der AB schneller ist? Mir hat auch 'ne R6 gereicht um die Juppies im Porsche zu ärgern. Und dabei kostet die auch nur ein Zehntel.

    Aber jedem was ihm Spass und nicht arm macht. Würde mich auch nicht über einen GT3 in der Garage beklagen. Spass macht definitiv beides.

  • Aha.

  • WOW! Herr Heide,
    was für ein herrlich erfrischender Artikel!

    Moppedfahrergrüße
    Jürgen B.

  • Der RS kann bis 280 km/h, da kann der Carrera mit 304 km/h ein bisschen mehr. Eine serienmäßige Fireblade kommt am Audi gerade noch vorbei, am 911er nicht mehr. Der Porsche auch was, was beide nicht können: Super-Boxer-Sound!

  • Der würde eigentlich optimal zu mir passen. Damit könnte ich mich anfreunden. Läuft aber nur 250km/h, da habe ich bei meiner CBR 1100 XX (mit Vergasermotor) erst den 5.Gang, der bis 280km/h geht, dann auf den 6.
    Auf der Autobahn bleibt einem da nichts anderes übrig, als die Porsche Turbos rechts zu überholen.

    Von Chemnitz nach Schwäbisch Hall, 360km, war meine beste Zeit 1 Stunde und 35min, incl. zwischentanken, ein Schnitt von 227km/h und 12l Verbrauch.

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