Grund für viele Malheurs ist schiere Gigantomanie
Wenn „Schurken-Autos“ zu Kinderwippen werden

In den USA werden die Stretch-Limousinen immer länger. In Parkhäusern und Bordsteinen finden die Riesenkarren immer öfter ihre Meister. Solche Flops haben schon manche Hochzeit ruiniert.

Für ihren Junggesellinnen-Abschied sollte es schon etwas Besonderes sein. Also buchten Rachel Chen und ihre Freundinnen voriges Jahr einen extravaganten Abend in Los Angeles: erst in eine superlange Limousine springen, dann zum Sushi-Dinner fahren und dann per Limousine weiter in einen Club zum Martinischlürfen.

Die Probleme fingen an, als die Limousine vor Rachel Chens Apartmenthaus in Glendale hielt. Der Wagen Marke Lincoln Town Car wurde aufgehalten von einem kleinen Hubbel vor der Garage – die Hinterachse hing in der Luft. „Es sah aus wie eine gigantische Kinderwippe“, erzählt Rachels Schwester Miranda.

Solche Peinlichkeiten werden immer mehr zu einer Belastung des florierenden Limousinengeschäfts in den USA. Amerikas Straßenverkehrsbehörde macht Jagd auf „Schurken-Limousinen“, und die großen Autohersteller wie Ford und General Motors fürchten um ihren Ruf.

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Die Autokonzerne fertigen die so genannten „Stretch-Limos“ nicht selbst. Kleine Betriebe sägen deren Serienmodelle einfach auseinander und längen sie. Besonders beliebt sind neben dem Lincoln der Chrysler 300 und der Hummer H2. Seit sie das auch mit den beliebten Geländewagen machen, werden die Karossen immer länger – früher war bei zwölf Metern Schluss, heute gehen bis zu 18 Meter, weil die Rahmen der bulligen „SUVs“ stabiler sind als die traditioneller Autos.

Der Grund für die vielen Malheurs ist schiere Gigantomanie. Mal verkeilen sich die Riesengefährte in engen Kurven, mal werden sie unfreiwillig aufgebockt auf unebenen Straßen. In der Garage der New Yorker Hotels Waldorf-Astoria donnern die Riesen immer öfter gegen Pfeiler, erzählt Managerin Anna Figueroa.

„Die verdammten Dinger werden einfach immer länger“, sagt Harry Thompson von der US-Straßenverkehrsbehörde NHTSA. Bundesstaaten greifen nun ein. Connecticut beschäftigt Undercover-Kunden, die bei Verleihern Limousinen bestellen und diese dann auf ihre Verkehrssicherheit prüfen. Wer durchfällt, dem droht ein Bußgeld. Im Frühjahr veranstalteten die Ordnungshüter Limousinen-Razzien bei den High-School-Abschlussbällen, die mit 65 Verhaftungen endeten. New Jersey will dem Beispiel nun folgen.

Die Hersteller der Superlimousinen verteidigen sich. „Jeder umgebaute Wagen muss die Sicherheitstests der Bundesregierung bestehen, also machen wir sogar eigene Tests, um sicherzugehen, dass sie es auch schaffen“, sagt John Beck, Vizepräsident von Krystal Enterprises, einem Limousinenbauer in Brea, Kalifornien.

Um ihren Kunden die gröbsten Peinlichkeiten zu ersparen, setzen viele Verleiher nun auf Schulungen von Fahrern und Kunden. Eine der ersten Regeln: Niemals mit einer Stretch-Limousine in den „Drive-in“ eines Fast-Food-Restaurants fahren. Die sind meist viel zu eng, als dass die Limousinen es je bis zum Ausgabefenster schaffen würden.

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So manches Terrain ist für die Superlimousinen einfach nicht geeignet. Das gilt für die berühmte Lombard Street in San Francisco mit ihren steilen Auf- und Abstiegen. Anwohner John Smith hat in den vergangenen Monaten vier Limousinen auf der Lombard stranden sehen.

Das Limousinenproblem verändert auch das Geschäft von Hochzeitsplanern. Heather Snively von der Firma Weddings Unique in Florida überprüft nun stets, dass vor den Häusern ihrer Brautpaare genug Platz ist für die Monsterautos.

Für May Nunan kommt das zu spät. Weil ihre Limousine nicht auf den Parkplatz vor dem Restaurant passte, musste sie an ihrem Hochzeitstag in strömendem Regen 50 Meter zu Fuß gehen. Frisur ruiniert, Feier ruiniert. Für Nunan ist klar: „Ich werde nie mehr eine Stretch-Limousine bestellen.“

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