Audi Q3 im Handelsblatt-Test
Bloß keine Experimente

Die Absatzzahlen des Q3 lassen Audi seit Jahren mild Lächeln. Das Erfolgsrezept des SUV: Es fügt sich nahtlos in die Reihe widerstandsloser Stadtkutschen ein. Seine Schwächen: Wenig Emotion und teure Aufpreispolitik.

DüsseldorfEin Megaseller ist er nicht, Audis Q3. Kein Blockbuster-Modell, was allein den Konzernhaussegen auf Jahre hinaus rettet. Aber ein kleines SUV ist heutzutage etwas, was zum Brot-und-Butter-Teil des Autogeschäfts gehört. Und da macht der Q3 seine Sache ordentlich: rund 24.600 Mal wurde er 2014 in Deutschland zugelassen, 58 Prozent davon auf gewerbliche Halter. Und derzeit erlebt der „Alte“ eine Rabatt-Renaissance, denn zum Februar steht der Modellwechsel samt Facelift und neuen Motoren an.

Er ist ja auch ganz gefällig, der Alte. Extravaganz können andere, im Sportbereich auch andere Audi. Die Stärken des Q3 liegen in seiner Berechenbarkeit. Der getestete 2.0 Liter TDI schiebt mit 140 PS zügig, aber völlig unaufgeregt über den Asphalt.

Hilfestellung geben hier über das „Drive Select“-System die Fahrmodi „Efficency“ (sparsam), „Comfort“ (komfortabel), „Auto“ (automatisch-ausgewogen)  sowie „Dynamic“ (also sportlich). Allein, viel Unterschied merkt der Fahrer nicht.

Beispiel: Der Ökomodus nimmt keine Leistung heraus, versucht über allerlei mechanische Stellschrauben Dinge wie den Fahrwiderstand und somit den Verbrauch zu drücken. Da beim Testfahrzeug noch von Hand gerührt wird, kann das Fahrzeug nichts am Getriebe ändern, etwa automatisch auskuppeln und den Q3 segeln lassen.

Der Sportmodus hingegen macht das SUV nicht sportlich genug, um sich wirklich dynamisch durch die Kurven zu werfen: Beim zügigen Sprint auf die Autobahnauffahrt greift die Schlupfkontrolle, statt elegant durch die Schikane zu jagen holpert das Gefährt unbeholfen in die Kurve. Der optionale Allradantrieb wäre hier wohl das Mittel der Wahl.

Im Mittelwert macht der kleine Q es einem leicht, ihn fahrerisch gut zu finden. Schnurgerade, ohne übertriebenen Lenkaufwand, im tatsächlichen Verbrauch bei nur 5,9 Litern – massentauglich, der Ingolstädter. Das gilt eigentlich auch für den Preis.

Der Testwagen kostet als 6-Gang-Handschalter ohne jegliche Extras ab 25.672 Euro, also auf Tiguan-Niveau, aber durch die Rabattschlacht zum Modellwechsel sind bei Online-Kauf mitunter bis zu 21 Prozent weniger drin. Für den Audi gilt aber wie für so viele Autos: Mit den Extras, die das Fahren erst richtig angenehm machen, wird es ein teurer Spaß.

Wenn man „unterwegs in Richtung ich“, so Audis Werbeslogan für den Q3, sein möchte, darf man den Wagen preislich einfach mal doppelt kaufen. Im Testwagen, der allerdings mit fast jedem Assistenzsystem, und Zubehör ausgestattet ist, das der Katalog hergibt, summieren sich die Extras auf einen Gesamtpreis von 45.999 Euro. Für die Differenz zum Basispreis gäbe es zum Beispiel einen Nissan Qashqai.  

Was man für den Aufpreis bekommt, ist vor allem Bequemlichkeit, was heute gerne mit dem Wort „Lifestyle“ umschrieben wird.

Sportsitze sind dabei, Multifunktionslenkrad, digitales Radio, Einparkhilfe, aber auch optisches Blendwerk wie Zierleisten und Aluminiumräder. Für LED-Scheinwerfer anstelle der serienmäßigen Xenon-Beleuchtung werden 1.030 Euro fällig. Elektronisch verstellbare Sitze kosten 950 Euro. Eine Einparkhilfe kommt auf 1.190 Euro. Und so weiter, und so weiter.

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