Audi Q5 im Handelsblatt-Test
Graue Eminenz

Der in Mexiko gebaute Audi Q5 tritt ein schweres Erbe an: Das SUV soll noch erfolgreicher werden als sein rund 1,5 Millionen mal verkaufter Vorgänger. Wie das, fragt man sich angesichts des Testwagens, der vor allem Grau in Grau daherkommt.
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DüsseldorfWas bleibt? Das ist die Kernfrage. Wochen nachdem man den Testwagen zurückgegeben hat, sollten bei Autos der Preisklasse um 50.000 Euro nicht nur Fahrnotizen übrig bleiben. Im besten Fall hat sich dem Fahrer was Emotionales eingebrannt, von dem er schwärmen kann, oder das er leidenschaftlich verurteilt.

Im Fall des Audi Q5 2.0 TFSI quattro, der dank teurer Extras sogar auf knapp 76.000 kam, bleibt es aber trotz vieler technischer Verbesserungen am Fahrzeug ganz nüchtern bei gesammelten Fahreindrücken. Die waren nah an der Perfektion dessen, was man Alltagstauglichkeit nennt. Doch große Gefühle im felsgrauen Audi? Fehlanzeige!

Es müssen also die Details im Gesamtpaket sein, die das mittelgroße SUV aus mexikanischer Fertigung so erfolgreich machen. Wenn der neue Q5 noch mehr Kunden gewinnen soll als der Vorgänger, dann wird er sich mehr als 1,5 Millionen mal verkaufen müssen. Und wenn er das schafft, dann wird es höchstwahrscheinlich nicht an einer Designrevolution gelegen haben, sondern an einer vorsichtigen, durchaus dynamischen Evolution. Auf die hat man sich in Ingolstadt soweit spezialisiert, dass arg verwöhnte Motorjournalisten-Kollegen schon von der Langeweile der Perfektion philosophieren.

Dabei liegt doch auf der Hand, dass Audi gar kein schrilles SUV-Lifestyle-Häppchen servieren kann. Wer würde denn die zahlungskräftige und stetig wachsende SUV-Kundschaft aus ihrer Komfortzone schrecken wollen? Dafür ist der Q5 einfach zu wichtig.

Keine Revolution also. Ein bisschen was hat Audi aber doch am Design getan, ohne dass es außenstehenden Betrachtern den Atem raubt. Der unvermeidliche Singleframe-Kühlergrill bekam einen dickeren Rahmen, einige Rundungen wurden gestrafft, die Abmessungen veränderten sich aber nur im Millimeterbereich. Eine neue Chromspange ziert das Heck, sie betont die gewaltig wirkende Breite der Karosse.

Wie variantenreich man solide und werthaltige SUV-Kost zubereiten kann, zeigt Audi am Q5-Testwagen beispielsweise an den Farben: Steingrau trifft Stadtmausgrau, Esche Graubraun trifft Marmorgrau, Titangrau trifft Felsgrau-Metallic. Das kann man so langweilig finden wie einen Grabstein, aber dunkles Silbergrau-Metallic zählt nun mal seit Jahren zu den Farben, mit denen Neuwagen am wenigsten an Wert verlieren. So sind sie, die deutschen SUV-Käufer.

Was unseren fast voll ausgestatteten Testwagen so angenehm und fast perfekt erscheinen lässt, sind natürlich die teuren Sicherheits-Assistenten und Komfortfeatures, mit denen die Premium-Anbieter gutes Geld verdienen. Fast wie in der Oberklasse fühlt man sich, wenn man auf ein Head-up-Display blickt, im MMI-System für soundstarkes Infotainment nun auch Telefonnummern auf ein Touchpad kritzeln darf, und vor allem natürlich, wenn man ins immer noch begeisternde Breitwand-Display des volldigitalen, virtuellen Cockpits blickt.

Feine Eschenholzintarsien treffen auf reichlich dickes Leder, und man greift stets gern in die Bedienelemente, weil sie - ganz Audi-typisch - keine bösen Überraschungen bieten, sondern Haptik und Druckpunkte so angenehm sind. Dazu kommt ein gutes Raumgefühl für mindestens vier Erwachsene, jeder hat genug Bewegungsfreiheit und es gibt eine Menge durchdachter Ablageflächen, ja sogar eine kleine Kühlbox für Getränke unter der Armauflage in der Mittelkonsole.

Kommentare zu " Audi Q5 im Handelsblatt-Test: Graue Eminenz"

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  • Wer kauft sich so eine billig gebaute Karre aus Mexiko ausser dem deutschen Michel des Mittleren Management in D ? Privatkäufer sind es bestimmt nicht. Naja, drei Jahre wird die Karre wohl halten.

  • Ernsthaft? EUR 76.000? Gebaut in Mexiko? Klar ersichtlich, dass diese Kombination einzig der weiteren Befriedigung der Profitgier dienen soll. Der einmal mehr langweilige Audi wird günstig in Mexiko gebaut und für teures Geld hierzulande verkauft. Ein Blick in die US-Preisliste zeigt, dass es auch günstiger geht. Hierzulande wird der Verbraucher ausgenommen und verdummdeubelt (siehe Abgasskandal; soziale Verantwortung eines deutschen Unternehmens hinsichtlich Sicherung der Arbeitsplätze in Deutschland). Gottlob gibt es Alternativen.

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