Audi TT RS Roadster im Handelsblatt-Test
Weil RS immer noch kann

Der Audi TT ist inzwischen etwas in die Jahre gekommen. Mit dem 340 PS starken Fünfzylinder lässt die RS-Version aber so manch modernen Konkurrenten alt aussehen – und weckt nicht nur Rennsport-Gefühle.

DüsseldorfDer Audi-Mann hatte gleich bei Anlieferung des Testwagens den goldenen Tipp: „Achten Sie mal auf den Auspuffsound zwischen 2.200 und 3.200 Umdrehungen. Natürlich bei offenem Dach und im S-Modus.“ Und tatsächlich, da war es gleich zu Beginn, das schönste Detail am strahlend sepangmetallicblauen TT RS Roadster: Sein unnachahmlich heiseres Auspuffgrollen, ein bisschen zu laut, ein bisschen zu schmutzig. Und für meinen Geschmack genau richtig. Schade, dass manche Nachbarn darüber anders denken.

Aber macht nix, mit dem Audi kommt man ja schnell vom Hof, denn da hat er nichts zu suchen. Er gehört auf Landstraßen, und zwar kurvenreiche. Am flachen und kurvenarmen Niederrhein fühlt er sich also nicht so wohl, obwohl sein Fahrwerk entspanntes Cruisen, und der 250-Liter-Kofferraum auch bescheidene Einkäufe zulassen.

Also nichts wie raus aufs Land, doch vorher noch der ultimative Härtetest in Sachen Übersichtlichkeit: Rückwärts ausparken aus meiner engen Garagenzufahrt, quer über Bürgersteig, Radweg und durch eng gestellte Straßenparker hindurch in den fließenden Verkehr. Mit den meisten Testwagen die reinste Tortur, aber der TT RS meistert ihn mit Bravour. Einfach Dach aufklappen, Windschott und Seitenscheiben bleiben unten, schon hat man innerhalb von nur 16 Sekunden perfekte Rundumsicht. Und wird nun von den Nachbarn nicht nur gehört, sondern auch gesehen.

Auf der Autobahnfahrt Richtung Bergisches Land zeigt zunächst mal der Motor, was er wirklich kann. Er klang ja schon bei wenig Gas ein bisschen nach V8. Aber es ist ein Fünfzylinder, quer eingebaut, 2,5 Liter Hubraum und Turboaufladung. Mit ihm zitieren die Ingolstädter eine eigene Erfolgsgeschichte, die frühe Quattro-Ära.

340 PS stehen zur Verfügung, allerdings erst weit oben im Drehzahlbereich, der ab der Zahl 7.500 rot markiert ist. In puncto Sprint, Kraft, und Preis kommt der Wagen auf dem Papier spielend mit der Konkurrenz wie BMW Z4, Porsche Boxster S und Nissan 370Z klar. Dass allein der Motor preisverdächtig ist, finden auch andere Autotester: Sie zeichneten den Fünfzylinder mit den „International Engine of the Year“-Awards aus. Und das nicht nur einmal: Der Fünfzylinder gewann in den Jahren 2010, 2011 und 2012.

Die ganz große Stärke des TT RS ist eine andere, aber auch typische Audi-Erfolgsstory, sie heißt „quattro“. Leistung ist zwar im Übermaß vorhanden, aber dank des Allradantriebs und adaptiven Fahrwerksdämpfern wird sie stets narrensicher auf den Asphalt gebracht.

Alte Schule

Einige Besonderheiten hat der Testwagen, die man sich bei Audi aber natürlich auch ganz anders zusammenstellen lassen kann, das ist mehr eine Frage von persönlichem Geldbeutel und Geschmack. Meinen hat Audi insofern getroffen, als dass der Wagen tatsächlich ein Kupplungspedal und eine manuelle 6-Gang-Handschaltung besitzt.

Klar, ich weiß: S-Tronic, Doppelkupplungsgetriebe, Schaltpaddles, und der RS wäre beim Ampelstart um einige Zehntel schneller, als wenn ich von Hand schalte. Im Bestfall schafft der Audi den Sprint von 0 auf 100 km/h in 4,7 Sekunden. Aber für mich als Traditionalist gehört das klassische Schalten nun mal zum sinnlichen Roadster-Erlebnis.

Genau so wie das Stoffverdeck, das einfach oldschool-mäßig gut aussieht. Es bringt, anders als ein Stahl-Klappdach, kein zusätzliches Gewicht an die falsche Stelle. Auch die beiden Leder-Sportsitze huldigen ein bisschen dem Retro-Trend: Sie sind eng, bieten aber ausgezeichneten Seitenhalt – und sind in unserem Testwagen nur von Hand einzustellen.

Windschott und Seitenscheiben lasse ich gleich unten. Das zieht bei höheren Geschwindigkeiten wie Sau, sieht aber besser aus. So unvernünftig darf man als Roadster-Fahrer sein, wenn man 70.210 Euro (Testwagenpreis) für einen Zweisitzer für ein tolles Investment hält.

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