Bentley Continental GT V8
Der Gunter Sachs unter den Sportwagen

Ein wenig altmodisch, nicht sehr nützlich, aber besonders geschmackvoll, sündteuer im Unterhalt, - und sexy. Der Gran Turismo von Bentley hat definitiv was vom Playboy der alten Schule. Meinen auch Beifahrerinnen.
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DüsseldorfDie Marke Bentley fühlt sich einem automobilen Ideal verpflichtet, ganz ähnlich Rolls-Royce. Es geht um "anstrengungslose Beschleunigung". Dafür müssen in diesem modernen, effizienz-orientierten und kostenbewussten Zeiten aber auch teilweise vier Zylinder reichen, wo früher zwölf in extremer Laufruhe Sprit soffen. Die Technik dafür stellt, wie das gesamte Triebwerk, mittlerweile die Konzernschwester Audi zur Verfügung. So schaltet der Continental GT V8 zeitweise den halben Motor ab, um etwas ökonomischer zu saufen. Kann das funktionieren? Darf doch die Kundschaft, die 162.000 Euro Basispreis für einen Zweitürer übrig hat, als wählerisch und verwöhnt gelten.

Unser einwöchiger Test zeigt: Ja, das geht völlig problemlos, denn im Alltag bekommt man davon absolut gar nichts mit. Das in auffälligem Lippenstift-Rot lackierte Sportcoupe stellt einfach immer ein überaus sattes Drehmoment von 660 Newtonmeter zur Verfügung, und der Schub setzt schon bei sehr niedrigen 1.700 Umdrehungen ein.

Und der Gran Turismo von Bentley hat definitiv was von alter Schule. Schon wenn man Platz nimmt, fühlt man sich, jawohl, aristokratisch. So bequem, nein, herrschaftlich sitzt man wahrscheinlich auch bei Prince Charles auf dem Chaiselongue.

Die Sitze sind aus allerfeinstem Leder, in einer Verarbeitung, die die Bezeichnung Sattler- und Handwerkskunst noch rechtfertigt. Kein Wunder, die Häute von acht Rindviechern fanden Eingang in den Innenraum, und alles wurde von Hand be- und verarbeitet. Das komplette Interieur sagt: Manufaktur.

Wer bislang glaubte, den Unterschied von einem 70.000 zu einem 170.000 Euro teuren Wagen sehe man nicht, wird charmant eines besseren belehrt. Wo der Blick nicht auf edelstes Leder im Farbton Beluga mit Rautensteppung fällt, bleibt er an dunklem Eukalyptusholz, matt gebürstetem Aluminium oder wahlweise Carbon haften. In einem Bentley schwitzt man natürlich auch nicht, die Sitze sind dezent perforiert und entsprechend gepolstert, die Klimaanlage flüstert geräuschlos.

Unangestrengter Luxus auch bei der technischen Ausstattung. Die Technik schmiegt sich gefällig in das Armaturenbrett und das lästige Studium eines dicken Handbuchs entfällt, weil sich alle Systeme, Knöpfe und Hebel intuitiv erfassen lassen. Sollte dies dennoch nötig werden, sorgt der Einband aus weichem Leder für ein gutes Gefühl.

Den (analogen) Zeitmesser liefert traditionell die Firma Breitling, alle Bedienknöpfe im Armaturenbrett sind aus massivem Metall, hochglänzend verchromt und fein bearbeitet. Überhaupt macht die Detailverliebtheit bei diesem Bentley einen guten Teil seines Charmes aus, so finden sich die typischen B-Logos auch auf den Ventildeckeln und am Tankverschluss.

Keine Frage, der Wagen ist ein Hingucker, aber auf eine besondere Art. Die Blicke sind mehr anerkennend als neidisch, selten wurde mir so häufig freiwillig die Vorfahrt gelassen und freundlich zugenickt. Dieses Auto hat – ohne pathetisch werden zu wollen - Würde und strahlt gleichzeitig Sportlichkeit aus. Niemand, der es nicht weiß, würde annehmen, dass es sich hier um ein Auto aus dem VW-Konzern handelt, das auf Phaeton-Plattform basiert.

Das luftgefedert Fahrwerk, vier verschiedene Abstimmungsvorgaben von Comfort bis Sport 2 und Niveauregulierung, selbstverständlich per Touchscreen steuerbar, wie man das auch von Audi kennt, lassen zunächst keine Fahrerwünsche offen und, um im Bild zu bleiben, aus Gunter Sachs wird Usain Bolt.

Das Automatikgetriebe schaltet durch zeitgemäße acht Gänge, natürlich ohne zu ruckeln und blitzschnell, die feine britische Audio-Anlage von Naim untermalt mit sattem Bass und orchestralem Sound und schon ist man gefangen im Bentley-Rausch.

Kommentare zu " Bentley Continental GT V8: Der Gunter Sachs unter den Sportwagen"

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  • HöHö, 170.000,- Euro und dann ein Navi aus dem VW-Regal wie man es auch in einem Golf VI findet. Vw ist bei der Verwendung von Gleichteilen der absolute König.

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