Bentley Continental GT V8
Der Gunter Sachs unter den Sportwagen

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Platz für zwei, mit großem Reisegepäck

Der Parkassistent unterstützt den  Fahrer wie ein guter Butler. Er weist dezent aber nachdrücklich darauf hin, ab wann und wo man doch bitte Vorsicht walten lassen möge. Der Bildschirm hat genau die richtige Größe, zwischen gut sichtbar und unaufdringlich. Auch die Sprachsteuerung für das Infotainment erleichtert den Dialog mit dem Fahrzeug. Man gewöhnt sich schnell ans richtige Sprechtempo und die erforderliche Lautstärke der kurzen Befehle wie „CD“, „Play“, oder „Stop“.

Und das sündteure Navigationssystem ist eine kleine Sensation, optimal voreingestellt, schnell, unkompliziert. Es zählt zu den vielen Standards und Extras in diesem Fahrzeug, bei denen einen das wohltuende Gefühl beschleicht: Das ist so stimmig, da hat sich jemand Gedanken gemacht, und es genau richtig eingestellt.

Ein bisschen Nutzwert gibt es auch, aber nur wenig, und hinten. Da überrascht der flache Kofferraum mit einer überraschenden Tiefe. Zwei normale Koffer hintereinander passen gut hinein. Mehr ist auch nicht nötig, denn Gran Turismo heißt bei Bentley in erster Linie zu zweit unterwegs zu sein. Hinten möchte man, zumindest auf längeren Strecken, nicht wirklich sitzen. Und mal ehrlich, wer will diesen charmanten Verführer mit Dritten teilen?

Kofferraumdeckel und Sitzverstellung öffnen sich allerdings mit einem gewissen Phlegma, wie man es vom britischen Landadel vermuten könnte. Man darf es nie allzu eilig haben, Gentlemen rennen schließlich nicht, und was getan werden muss, erledigt man mit Würde.

Die gilt es auch beim Öffnen und Schließen zu bewahren, sie erweisen sich dank doppelter Verglasung als ungeheuer schwer. Das merken vor allem die Damen, die sie von innen schließen wollen. Man muss schon kräftig dran ziehen. "Haben wir dafür keinen Angestellten?", spottet meine Beifahrerin.

Das ist aber übertrieben, immerhin verbirgt sich hinter dem edlen Leder eine sogenannte Zuziehhilfe, das heißt, ein Hilfsmotor unterstützt auf den letzten Zentimetern, wenn die Tür noch nicht voll im Schloss sitzt. Wer keinen Bentley fährt, kennt den Effekt vielleicht von moderneren Küchenschubladen.

Später in der Testwoche stellt sich heraus: Flotte Kurvenfahrt auf der Landstraße ist nicht die Lieblingsbeschäftigung des edlen Briten. Dafür ist er mit 2,3 Tonnen einfach viel zu schwer, etwas zu behäbig, wenig spontan.

Im direkten Vergleich mit einem Porsche Boxster S etwa verliert er im Bergischen Land schon nach wenigen Kurven den Anschluss und mehrere Sekunden auf einige Kilometer Strecke. Während der Porsche-Fahrer zwar glücklich, aber etwas abgekämpft im Ziel wartet, steigt der Bentley-Fahrer völlig entspannt aus. Sein Auto hatte ihm ja schon die Ganze Zeit über das sichere Gefühl gegeben: "Du hast es gar nicht nötig zu rasen. Da stehst Du doch drüber."

Zwingt man den 2,3-Tonner dennoch in enge Kurven, so neigt er sich zwar etwas sehr deutlich zur Seite, doch die Elektronik greift so rasch und dezent ins Fahrgeschehen ein, dass nie ein Moment der Unruhe aufkommt. Dabei hilft natürlich der permanente Vierradantrieb, den man so auch von Audi kennt.

Kommentare zu " Bentley Continental GT V8: Der Gunter Sachs unter den Sportwagen"

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  • HöHö, 170.000,- Euro und dann ein Navi aus dem VW-Regal wie man es auch in einem Golf VI findet. Vw ist bei der Verwendung von Gleichteilen der absolute König.

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