BMW 218d Active Tourer
Umarme deine Vorurteile

Der BMW 2er Active Tourer bricht mit allen Traditionen: Er ist der erste Van der Münchener und das erste Modell mit Frontantrieb. Im Handelsblatt-Test zeigt sich die Familienkutsche unerwartet sportlich.
  • 1

DüsseldorfIrgendwann werden sie sich in der BMW-Zentrale gesagt haben: „Und jetzt überraschen wir mal alle. Wir entwickeln jetzt einen Van. Mit Frontantrieb. Und Dreizylinder.“ Ausgerechnet BMW, die Automarke, der immer ein bisschen zu sportlich, ein bisschen zu dynamisch daherkommt, versucht sich an einer Familienkutsche. Dabei schien die Zeit der Vans doch vorbei. Und dass die Traditionalisten bei Frontantrieb und Dreizylinder aufheulen, dürfte niemanden in München überraschen.

Als Tester wird man da schnell zum Opfer der eigenen Erwartungen, die BMW über die Jahre selbst geweckt hat. Mit größter Voreingenommenheit werfe ich einen Blick auf den Testwagen. Vorne haben es die Designer tatsächlich geschafft, der Familienkutsche ein richtig dynamisches Äußeres zu verpassen. Die typische BMW-Niere an der Front, scharfe Linien auf der Haube, und die doppeläugigen Scheinwerfer - das alles gefällt. Ja, es wirkt sogar sehr viel sportlicher als man das erwartet hatte.

Im Profil deutet der 2er Active Tourer an, was ihn von seinen Konzernbrüdern unterscheiden soll: Das Heck fällt breiter aus wie es sich für einen Van gehört. Aber auch hier haben sich die Designer alle Mühe gegeben, diesen optischen Ausfall zu verdecken. Man denkt gar nicht, dass man hier einen Van vor sich hat. Das Design ist massenkompatibel, aber kein bisschen emotional. Könnte also theoretisch in Deutschland ein Riesenerfolg werden, dieser BMW.

Ich gebe es zu: Ich will gar kein Freund dieses Mischlings werden. Entsprechend vorurteilsbeladen steige ich in die Familienkutsche ein - und werde positiv überrascht. Der Innenraum wird dem Anspruch der Marke voll gerecht. Klavierlack, schwarzes Leder mit roten Dekorlinien und Sportsitze. Man kann kaum glauben, das man hier in einem Van sitzt.

Im Innenraum fühlt sich für mich alles vertraut an, auch wenn Testwagen in der Ausstattung etwas überladen sind. Ich vermisse eine Sitzheizung, brauche aber keine drei Memorytasten für gespeicherte Sitzeinstellungen.

Der Sport-Sitz ist ohnehin ein Schwachpunkt: er ist eindeutig zu eng, auch wenn sich die Seitenwangen in der von getesteten Sport-Variante elektrisch verstellen lassen. Sie lassen sich zwar elektronisch verstellen, doch sind schon arg eng selbst für schmale Tester. Kaum zu glauben, dass hier auch ein kräftiger Papa bequem Platz nimmt.

Wenn man einmal sitzt, wird es leider unübersichtlich. Selbst wenn man sich reckt, kann man nicht erkennen, wo die scharf nach unten abfallende Motorhaube endet. Das macht das Einparken schwer. Nach hinten sind die Fahrzeugabmessungen etwas besser abzuschätzen.

Doch kleine Dreiecksfenster, von dicken Holmen eingerahmt, sieht man in beiden genannten Blickrichtungen. Ein Problem, dass dieser BMW mit vielen aktuellen Modellen, unter anderem dem aktuellen VW Golf teilt. Das macht es aber nicht besser.

Kommentare zu " BMW 218d Active Tourer: Umarme deine Vorurteile"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hoffentlich halten die Steuerketten der 4 Zylinder-Motore jetzt länger, sonst bezahlt der Käufer wieder 2800 Euro nach 50- 70 tsd Kilometer

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%