BMW X4 xDrive 30d im Handelsblatt-Test

Der Sportwagen, der zu hoch geriet

Er sieht aus wie eine Mischung aus SUV und Coupé, ist aber kein Angeber-X6. Und fährt sich trotz Dieselmotor wie ein Sportwagen. Ist es also berechtigt, dass so viele dem X4 anerkennend hinterhergucken?
Der X4 ist ein Crossover. Als Mischung aus bulligem SUV und elegantem Coupé ist er „der kleine Bruder“ des X6, dessen Verkaufserfolg selbst seine Macher überraschte. Im Gelände wird man ihn trotz Allradantrieb wohl nie sehen. Auf Einkaufs-Boulevards und Überholspuren schon eher. Quelle: Frank G. Heide
Wenn Stil wichtiger ist als Nutzwert

Der X4 ist ein Crossover. Als Mischung aus bulligem SUV und elegantem Coupé ist er „der kleine Bruder“ des X6, dessen Verkaufserfolg selbst seine Macher überraschte. Im Gelände wird man ihn trotz Allradantrieb wohl nie sehen. Auf Einkaufs-Boulevards und Überholspuren schon eher.

(Foto: Frank G. Heide)

DüsseldorfEs gibt Autos, deren Erfolg ist auch nach Jahren mit Vernunft nicht zu erklären. Der BMW X6 ist ein solches Gerät. Die extreme Mischung aus SUV (schwer, hoch, breit, durstig) und Coupé (unübersichtlich, wenig Nutzwert, nicht Gelände- und Parkhaus-tauglich) war lange Zeit die Nummer Eins bei Autodieben, außerdem besonders beliebt in Russland und China. Dabei taugt er so wie er dasteht eigentlich nur zum Angeben. Dass BMW ihm nun einen kleinen Bruder zur Seite stellt, könnte man also missverstehen. Wenn der neue Crossover namens X4 im Detail nicht so überzeugend gut gemacht wäre.

Das Auto ist, ganz ähnlich wie sein großer Bruder, so auffällig als hochbeinige Mischung aus SUV und Coupe, dass es sich gar nicht erst für Menschen eignet, die nicht angestarrt werden möchten. Andererseits ist an ihm alles eine Nummer kleiner, böse Zungen würden behaupten, halb so schlimm wie beim X6. Im Vergleich zu seinem Bruder, dem provokanten Elefant im Porzellanladen, wirkt der Kleine wie ein Motörhead-Fan mit Ohrenschützern.

SUV mit Betonung auf Sport
Warum eigentlich?
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Warum bockt man ein Auto hoch, damit es wie ein Geländewagen wirkt, und trimmt es dann mit Breitreifen und Coupédach wieder auf sportlich? Die Antwort ist einfach: Weil es auf der Straße souverän aussieht, und sich gut verkauft. Vor allem auf so wichtigen Märkten wie USA und China.

Wenn Stil wichtiger ist als Nutzwert
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Der X4 ist ein Crossover. Als Mischung aus bulligem SUV und elegantem Coupé ist er „der kleine Bruder“ des X6, dessen Verkaufserfolg selbst seine Macher überraschte. Im Gelände wird man ihn trotz Allradantrieb wohl nie sehen. Auf Einkaufs-Boulevards und Überholspuren schon eher.

Man steigt ein, und riecht Leder.
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BMW hat ihn schön ordentlich aufgeräumt, den X4. Viel Leder und Metall im Innenraum umrahmen Bedienelemente, die meist intuitiv bedienbar sind. Gut gefallen haben uns der extrem weite Verstellbereich des Lenkrads und die ausgezeichneten Sitze.

Wie sich die Zeiten und die Wahrnehmung ändern
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Wer früher den Anspruch hatte ein sportliches Auto zu fahren, der bekam meist nur knapp die Hand zwischen Reifen und Kotflügel. Dank allgegenwärtiger Crossover und SUV wird das inzwischen großzügiger gesehen.

Volle Hütte, die Erste
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Natürlich hat man Platz in diesem BMW. Aber die breite Mittelkonsole und das große Ledergestühl hinterlassen schon den Eindruck einer wuchtigen Möblierung. Man hat eher einen festen Rahmen als das Gefühl von Freiheit und Abenteuer.

Volle Hütte, die zweite
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Nimmt man auf der Rückbank Platz, so sind die Knie auf die Gnade der Vorderleute angewiesen. Die Kopffreiheit geht in Ordnung bis 1,85 m Körpergröße. Wegen der coupéartig nach unten abfallenden Dachlinie aber nur gerade so. Und drei Erwachsene hinten wäre definitiv einer zu viel.

Aus Freude am Prestige
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Die Zutaten für das Rezept X4 sind bekannt. Sie stammen vom X3 und vom X6. Das Fahrwerk zeigt sich auf allen Belägen vom Feinsten: hier wird nicht gerumpelt. Und die serienmäßige Automatik schaltet schneller, sparsamer und sportlicher, als wir es von Hand könnten. Das hat seinen Preis: 56.000 Euro ruft BMW mindestens auf. Schnell können daraus über 70.000 werden.

Der neue X4 eröffne in der Mittelklasse eine Nische, die es noch gar nicht gäbe, hieß es aus der BMW-Entwicklungsabteilung. Mit anderen Worten: Man hat was gebaut, was bisher nicht gebraucht wurde. Das ist heutzutage richtig Aufwand: Erst bockt man die Karosse hoch, damit sie wie ein Geländewagen wirkt. Dann gibt man ihr ein Coupédach und macht sie flacher und breiter, damit der Geländewagen mehr wie ein Sportwagen auf den Breitreifen hockt. Am Ende ist er weder das eine noch das andere. Aber das sehr souverän. 

Als mein Nachbar ihn das erste Mal sah, fragte er: „Und das soll jetzt schön sein?“ Ich hab mal nichts dazu gesagt, sondern ihn eine Runde mitgenommen. Danach war Ruhe im Karton. 

Uns beiden gefiel neben der perfekten Verarbeitung des guten Leders und der klaren Aufteilung der Bedienelemente, dass wir von innen die enorme Außenwirkung des Wagens plötzlich intensiv spürten. Wenn alle deinem Auto hinterhergucken, macht das schon Spaß. Keine Frage: Wer ein bisschen auffallen möchte, liegt beim X4 genau richtig.

Genau das war auch der Plan von BMW, nämlich Käufer anzusprechen, die es bewusst emotional angehen, nicht so rational wie beim X3, sondern einfach ein bisschen extravaganter. Das Problem dabei: Der Marktforscher Dataforce hat rausgefunden, dass 77 Prozent der X4-Käufer auch vorher schon eine Niere am Kühlergrill spazieren fuhren. Man gewinnt - anders als etwa der Porsche Macan - nur wenige Kunden als Wechsler von anderen Marken. Die meisten fuhren vorher X3.

Weniger Auto für mehr Geld
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