Cadillac CTS im Handelsblatt-Test
E-Klasse auf amerikanisch

Cadillac hat es in Europa sehr schwer. Aber die einst für Straßenkreuzer bekannte Edelmarke versucht es unverdrossen weiter. Mit einem Exoten für die gehobene Mittelklasse. Der fährt alte Vorurteile in Grund und Boden.
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DüsseldorfDeutschland ist Dienstwagen-Land, weniger als 40 Prozent aller Neuwagen werden noch privat verkauft, geschweige denn bar bezahlt. Von der großen Ausnahme Dacia mal abgesehen, bei der Privatleute gerne zugreifen, führt an den Fuhrpark-Flotten kein Weg vorbei. Und da haben es exotische Marken traditionell schwer, auch wenn sie in ihren Heimatländern längst Legende sind.

Cadillac ist so ein Beispiel. In den USA besungen, begehrt und bewundert, verkauften die weniger als zehn deutschen Händler der Luxusmarke von General Motors (GM) bei uns im Jahr 2013 weniger als 150 Fahrzeuge. Und in ganz Europa waren es auch nur 450, mit allen vier Modellreihen. Vom CTS verkaufte Cadillac in Deutschland in diesem Jahr laut KBA bislang genau zwölf Stück.

Mit solchen Zahlen tritt man nicht direkt gegen die Premium-Schwergewichte BMW, Audi und Mercedes an, sondern in erster Linie gegen Jaguar, Infiniti und Lexus. Die rangeln ebenfalls im niedrigen Prozentbereich um ein größeres Stück vom Kuchen.

Allen genannten Marken voraus hat Cadillac inzwischen das Design. Egal, ob die von uns gefahrene viertürige Limousine CTS, oder das neue ATS Coupé: der Amerikaner zeigt besonders scharfe Kanten und sehr selbstbewusste Ecken, wie unsere Bilderstrecke beweist.

Das ist natürlich Absicht, wie Uwe Ellinghaus erläutert, der das globale Cadillac-Marketing von New York aus dirigiert. „Wir haben die größten Chancen unter Kunden, die von den deutschen Luxusmarken gelangweilt sind“, sagt der frühere BMW-Manager bei einer Fahrzeugpräsentation. „Es wird Menschen geben, deren Stil und Charakter nicht zu einem Auto passt, in dem das halbe Viertel herumfährt.“

Hinter der wuchtigen Präsenz, dem radikalen Stil, steckt aber mehr als Marketing. Der Cadillac könnte in seiner dritten Generation technisch kaum weiter von Vorurteilen entfernt sein, die früher gerne gepflegt wurden. 

Das fängt beim Motor an. Kein V8, kein V6. Nein, ein Zweiliter-Vierzylinder-Benziner, mit Turboaufladung. Das liest sich auf dem Papier kleiner, als es sich im Fahralltag anfühlt. 276 PS Leistung und beeindruckende 400 Newtonmeter Drehmoment liefert das Triebwerk. Das ist mehr, als die Konkurrenz bei ähnlichen Benziner-Motorisierungen zu bieten hat. Andererseits haben die Wettbewerber alternativ auch Diesel im Regal, ohne die in Europa ein Massenerfolg nicht denkbar ist. Da muss Cadillac passen, es gibt bislang nur diesen einen Motor für den CTS.

Die Höchstgeschwindigkeit des CTS 2.0 T beträgt 240 km/h, mit dem für 2.000 Euro Aufpreis erhältlichen Allradantrieb sind es noch 230 km/h. Auch da behält die Konkurrenz die Nase vorn. Beim Sprint punktet der Ami: Von 0 auf 100 km/h geht’s in nur 6,6 Sekunden, und es fühlt sich auch flott an.

Denn den von Audi und BMW definierten Standard für sportlichen Dienstwagen-Sound von der Stange erreichen wir mit dem Cadillac problemlos. Wird es gefordert, klingt das Aggregat sonor und angenehm rau, bei hohen Drehzahlen ein bisschen heiser. Der Motor dreht willig hoch, dabei präsentiert sich der Wagen dem Fahrer gleichzeitig als ausgezeichnet geräuschgedämmt.

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E-Klasse auf amerikanisch

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Komfortables Fahrwerk, trocken abgestimmt

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