Chevrolet Camaro Cabrio: Ein Auto wie ein Big Mac

Chevrolet Camaro Cabrio
Ein Auto wie ein Big Mac

Der Chevrolet Camaro ist so amerikanisch wie Fastfood - ebenso lecker wie ungesund. Im Handelsblatt-Test zeigt das Cabrio, was den Reiz eines echten Muscle Cars ausmacht - und wie der Tankwart zum besten Freund wird.

DüsseldorfDieses Auto ist wie zuckrige Cola, wie ein fetter Burger mit extra Käse und doppelter Lage Speck, wie ein Vanille-Milkshake mit Sahnehaube und Cocktail-Kirsche. Mit einem Testverbrauch von 17,7 Litern Super Plus ist das Chevrolet Camaro Cabrio nicht nur in Zeiten hoher Spritpreise so ungesund wie das fetteste Fast Food.

Und wer mit dem mehr als 4,8 Meter langen und gut 1,9 Meter breiten Wagen je in ein deutsches Parkhaus gefahren ist, weiß spätestens dann: Dieses Auto schluckt nicht nur zu viel, sondern es ist auch noch viel zu groß - oder die Übersicht zu schlecht, je nachdem. Der Camaro ist ein einziger Anachronismus, ein Auto wie aus der Zeit gefallen. Und zwar in jeder Hinsicht.

Aber genau wie Fastfood oder Süßigkeiten ist der Camaro vor allem auch noch etwas anderes: ein riesengroßer Spaß - und zwar im XXL-Format. Allein dieser Motor. Wo andere Autohersteller auf kleine Turbo-Aggregate mit der Hoffnung auf niedrigeren Verbräuche setzen, trumpft der neue Camaro wie eh und je seit 1966 mit einem Achtzylinder-Motor auf. Je nachdem, ob man nun Umweltschützer oder Autofan ist, sind dessen Leistungsdaten entweder furchteinflößend oder schlicht begeisternd: Aus sechs Litern Hubraum stemmt der Camaro 405 PS und 556 Newtonmeter.

Die Wirkung dieses Drehmoments lässt sich am besten als kaum kanalisierbare Naturgewalt beschreiben, die über den Fahrer hereinbricht wie ein schweres Gewitter im mittleren Westen der USA. Wer das Gaspedal voll durchtritt, muss wissen, was er tut.

Burn Out, mal nicht als neue Volkskrankheit

Der Camaro ist kein hochgezüchteter Sportwagen voller elektronischer Helferlein, die auch einen Novizen zum Rennfahrer machen. Der Camaro ist ein Muscle Car - und gute Muskeln und einen noch besseren Fahrer braucht es auch, wenn man ihm die Sporen gibt. Die Kombination aus Achtzylinder vorne und Heckantrieb hinten ist so gewaltig wie fatal.

Die voluminösen 275er Pirelli P-Zero Reifen - die speziell für Hochgeschwindigkeitsrenner konstruiert sind - kämpfen mit der schier unbändigen Kraft, drehen fast durch, das Heck zuckt kurz nach rechts und links und dann reißt der Achtzylinder den Camaro und seinen Fahrer nach vorne - in  5,6 Sekunden. Ist dann auch noch die Straße nass, stellt sich der Camaro so schnell quer, dass die elektronische Stabilitätskontrolle und die Traktionskontrolle nicht mal einen Muckser abgeben können.

Taugen die Reifen doch nichts? Ist die Kraft zu viel? So oder so: Selbst auf der Autobahn will bei Nässe ein beherzter Tritt aufs Gaspedal gut überlegt sein. Burn Out ist keine Volkskrankheit, sondern eine steter Begleiter ambitionierter Camaro-Fahrer.

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